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Warum es gefährlich ist, alle Muslime in einen Topf zu werfen

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MUSLIM PRAY
Young Muslim Man Making Traditional Prayer To God While Wearing A Traditional Cap Dishdasha | Ibrakovic via Getty Images
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Darum ist es fatal, zu pauschalisieren

Sätze wie: "Hass, Frauenunterdrückung oder Terror haben mit dem Islam absolut nichts zu tun" oder konträr dazu "Nicht die Muslime, sondern der Islam ist das Problem" hört man immer wieder. Viele Muslime sehen nicht das geringste Problem im Bezug auf ihre heiligen Schriften und Islamkritiker wollen so gut wie alle Probleme, die uns in Deutschland aktuell beschäftigen, am Islam festmachen.

Meiner Meinung nach ist beides nicht nur viel zu einfach gedacht, sondern auch faktisch alles andere als stichhaltig. Für mich gibt es "den Islam" heute nicht mehr. Der Islam bietet eine Vielzahl an Richtungen und Interpretationsmöglichkeiten, genau wie es das Christentum auch tut, was ich auch gut finde, solange man niemand anderem mit seiner Meinung schadet. Der friedlichste, toleranteste und gutmütigste Muslim beruft sich auf den Koran, ebenso wie es Fanatiker, Extremisten und Terroristen tun. Die Schriften können also nicht das einzige Problem sein...

Dominic Musa Schmitz

Totalitäre Glaubenskonstrukte machen Angst

Der Schlüssel ist der Umgang mit den Texten und deren Interpretation. Es spielt keine Rolle ob jemand einen langen Bart trägt, wie oft er am Tag betet oder im Monat Ramadan fastet. Ignoranz bzw. totalitäre Glaubenskonstrukte sind die Gefahren, die vielen Menschen Angst machen. Es ist ein Unterschied ob jemand von seiner Meinung überzeugt ist oder jemand behauptet, dass seine Meinung die einzige Wahrheit ist, so wie es z.B. Salafisten behaupten, denn im gleichen Atemzug, wirft man allen Andersdenkenden die Unwahrheit, die Lüge und die Verdammnis vor.

Man sieht sich als ein wichtiges Teil einer auserwählten Elite. Aber längst nicht jeder Muslim behauptet, dass alle "Ungläubigen" in die Hölle verdammt werden. Nicht jeder verbindet seinen Glauben mit Politik. Für die meisten der Gläubigen ist der Glaube bzw. die Schrift eben kein sakrosankter Text, sondern eine spirituelle Verbindung zwischen sich selbst und Gott. "Den Islam, den du damals als Salafist gelebt hast, Dominic, den kenne ich gar nicht", sagte ein türkischer Freund vor einigen Wochen zu mir.

Muslime nicht alle in einen Topf werfen

Es ist nicht nur viel zu simpel und ungerecht, alle Muslime in einen Topf, der die Aufschrift "gefährlich" trägt, zu stecken, sondern es birgt auch eine enorme Gefahr. Durch dieses Pauschalurteil drängt man viele der Muslime, die voll in unserem Land integriert sind, immer weiter in die Ecke und in ihnen wächst das Gefühl, dass sie unter einem Generalverdacht stehen.

Genau das wiederum nutzen Fanatiker und Extremisten für ihre eigene Propaganda: "Seht ihr, die wollen euch hier nicht, die hassen die Muslime.", argumentieren sie. Auch der sogenannte IS (Islamische Staat) hat diese Argumentation klar als Ziel formuliert.

Sie verfolgen das Ziel, dass der Hass auf den Islam und die Muslime in Europa zunimmt, damit die Muslime sich so unwohl und unakzeptiert fühlen, eben um den Extremisten in die Arme zu laufen, die sich dann als die Verständnisvollen Brüder im Glauben geben, die diejenigen aufnehmen, die offensichtlich wegen ihres Glaubens gehasst wurden. Wenn man also alle Muslime, vollkommen undifferenziert über einen Kamm schert, spielt man genau den Extremisten in die Karten, was zur Folge hat, dass unsere Gesellschaft darunter leidet. Eine funktionierende Gesellschaft bzw. Integration, ist keine Einbahnstraße... Jeder muss bereit sein, sich zu öffnen und auf den anderen zuzugegehen.

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Dominic Musa Schmitz ist Teil der HuffPost Voices. Einem Team, das während der EM regelmäßig aus unterschiedlichen Blickwinkeln Antworten auf die Frage gibt: Was passiert gerade in Deutschland?

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