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Diese Theorie gibt Brexit-Gegnern wieder Hoffnung

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BREXIT CAMERON
Diese Theorie gibt Brexit-Gegnern wieder Hoffnung | Yves Herman / Reuters
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Großbritannien hat sich endgültig entschieden. Der Brexit ist nun unumgänglich.

Oder?

Eine Theorie aus der Kommentarspalte der britischen Nachrichtenseite "The Guardian", die mittlerweile auf Twitter von Brexit-Gegnern tausendfach geteilt wurde, stellt diese Grundannahme in Frage.

Der Autor, ein Nutzer namens "Teebs" argumentiert, dass Camerons Entscheidung, den Brexit unter seiner Regierung nicht einzuleiten, folgenschwerer sein könnte, als bisher angenommen.

"Cameron hat effektiv das Ergebnis des Referendums annulliert"

Mit dieser Entscheidung habe Cameron effektiv das Ergebnis des Referendum annulliert und gleichzeitig die politischen Karrieren von Boris Johnson, Michael Glove und anderen führenden Brexit-Befürwortern zerstört, argumentiert der Autor.

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Denn indem sich Cameron nun weigert, dem 50. Artikel - der den Austritt eines Landes aus der Union regelt – nachzugehen, habe er die Verantwortung an seine Nachfolger abgegeben.

Das ist entscheidend.

Denn: Wie von Brexit-Gegnern vorhergesagt, droht Großbritannien als Folge des Referendumsergebnis' im Chaos zu versinken – und wer auch immer Camerons Nachfolge antritt, wird den Kopf für dieses Chaos hinhalten müssen. Das ist ein Fakt.

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"Brexit-Ergebnis ist nur eine Empfehlung"

Der Brexit ist rechtlich keinesfalls in Stein gemeißelt, erinnert der Autor. Das Ergebnis des Referendums ist genau genommen tatsächlich nur eine "Empfehlung" an die Regierung. Das Parlament ist nicht dazu verpflichtet, den Brexit tatsächlich durchzuführen.

Wer den 50. Artikel einleitet, trägt also die volle Verantwortung, argumentiert der Autor.

Die Brexit-Führer könnten jetzt nur noch verlieren, erklärt er. Wenn Boris Johnson als Camerons Nachfolger den Brexit durchführt, würde Schottland wegbrechen, es gäbe Aufstände in Irland, eine Rezession würde das Land schwächen, Handelsversprechen könnten nicht eingehalten werden. Das wäre sein politisches Ende, erklärt er.

Wenn er Camerons Nachfolger wird und dann einen Rückzieher macht, wäre das ebenfalls sein politisches Ende.

Haben die Brexit-Wortführer wirklich einen Plan?

Auch das Verhalten der konservativen Politiker spreche dafür, dass eigentlich niemand bereit sei, mit der Situation umzugehen. Tatsächlich konnte bisher keiner der Brexit-Figuren einen Plan vorlegen, wie dieser in der Praxis tatsächlich durchgeführt werden soll.

"Wir warten nun nur auf jemanden, der den Mut hat, auszusprechen, dass der Brexit in der Realität nicht durchführbar ist, ohne Schmerz und Zerstörung in einem Ausmaß auf sich zu nehmen, das untragbar wäre. David Cameron hat diese Bürde an die Brexit-Fraktion weitergegeben", schlussfolgert der Kommentator.

Tausende Nutzer diskutieren die "Teebs"-These nun auf diversen Social-Media-Kanälen und in der Kommentarspalte des "Guardian".

Die Theorie fand im Netz viel Zuspruch: Wahrscheinlich auch deshalb, weil sie den rund 16 Millionen Brexit-Gegnern doch noch einen kleinen Hoffnungsschimmer zu bieten scheint.

Viele Brexit-Befürworter hingegen kritisierten die Herangehensweise des Kommentators. Der Brexit sei demokratisch bestimmt worden - und müsse deshalb auch durchgeführt werden, argumentieren sie. Komme, was wolle.

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