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Diese grandiose Merkel-Karikatur zeigt, was der Brexit mit Europa macht

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KARIKATUR MERKEL
Die Karikatur auf dem Titel der niederländischen Zeitung "Algemeen Dagblad" | Facebook/Ruben L. Oppenheimer
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Katastrophe, Erdbeben, Untergang – der Brexit wurde gestern mit vielen apokalyptischen Begriffen betitelt. Und damit wurde auch die Lage treffend umschrieben, denn Europa ist erschüttert. Auch am Tag nach dem Beben.

Die niederländische Tageszeitung "Algemeen Dagblad" findet die Situation hingegen zum Schreien. Nicht zum Schreien komisch, sondern eher zum Schreien vor Entsetzung und Angst.

Cameron, Merkel, Rutte – der Schock steht ihnen im Gesicht

Das Blatt macht heute mit einer Karikatur auf, die David Cameron, Angela Merkel und den niederländischen Ministerpräsidenten Mark Rutte zeigt:

Allen dreien steht der Schock ins Gesicht geschrieben, die Politiker halten sich die Hand an die Schläfe. Es ist eine Anlehnung an das berühmte Gemälde "Der Schrei" des norwegischen Malers Edvard Munch.

Es ist zudem die Verkörperung des politischen Status Quo, die Stunde Null nach dem Brexit: Ungewissheit, Angst, der Blick in die Seele. Verkörpert durch drei pittoreske, fassungslose Gestalten. Die linke, Cameron, kostet es sogar sein.

"Der Schrei": Wake-up-call für Brüssel?

Interpretiert man weiter, könnte es aber nicht nur ein Schrei der Ensetzung sein, sondern ein Schrei als Weckruf. Europa muss aufwachen. Der Kontinent braucht einen Neustart.

der schrei edvard munch
(Ausschnitt des Bilds "Der Schrei" von Edvard Munch. Quelle: Getty)

Und vor allem Brüssel muss aus seinem Dornröschenschlage geweckt werden: Weg vom deutschen Merkantailismus, hin zu den Bürgern. Sonst wenden sich diese noch stärker ab.

Der Schrei des Brexit könnte der wichtige Wake-up-call sein, den Europa benötigt, um sich neu aufzustellen, zu definieren – um einen Plan B zu entwickeln.

Ein Plan B, der keine Notlösung ist, sodern eine integrative Lösung. Diesen braucht es allerdings noch vor den richtungsweisenden Wahlen 2017 in Deutschland und Frankreich.

Merkel: "Einschnitt für Europa"

Expressionistische Künstler wie Munch wagten einen Neuanfang in der Kunst. Sie brachen, wie die Briten am 23. Juni, mit bestehenden Tendenzen. Aber nicht nur: Sie lehnten auch alle Formen des Denkens ab, die auf Logik und Erklärbarkeit basierten.

Das Fehlen von Logik und Erklärbarkeit fehlt in diesen Tagen auch vielen Pro-Europäern. Etwa Angela Merkel, die den Brexit als "Einschnitt für Europa" bezeichnete.

Für ihr Europa ist der Brexit ein riesiger Betriebsunfall.

Die Bundeskanzlerin war zweifelsohne überrascht von der Entscheidung, ihr Sound blieb aber auch am Freitag – wie immer – sachlich und routiniert. Tage zuvor war man sich aber auch im Kanzleramt noch ziemlich sicher, dass sich alles zum Positiven, zum Verbleib wenden würde.

Doch diese Rechnung ging nicht auf. Vor allem die ältere Generation der Briten hatte etwas dagegen – sie stimmte mehrheitlich für den Ausstieg aus der EU. Die jungen Wähler zwischen 18 und 24 hielten hingegen zu Europa.

Junge Briten sind pro-europäisch

Lässt sich nur hoffen, dass die jungen Leute ihre pro-europäische Haltung weiter zum Ausdruck bringen, um den Dialog und die Zusammenarbeit zwischen Europa und Großbritannien trotz Brexit zu erhalten.

Oder besser ihn als "Jetzt erst recht"-Trotzreaktion noch weiter ausbauen. Dies Hoffnung lässt sich mit Worten des Expressionisten Ernst Ludwig am besten ausdrücken:

"Mit dem Glauben an Entwicklung an eine neue Generation der Schaffenden rufen wir alle Jugend zusammen und als Jugend, die die Zukunft trägt, wollen wir uns Arm- und Lebensfreiheit verschaffen gegenüber den wohlangesessenen älteren Kräften. Der gehört zu uns, der unmittelbar und unverfälscht das wiedergibt, was ihn zum Schaffen drängt.“

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(ca)