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Liebe Generation Y: Es wird Zeit, dass wir den Alten endlich die Hölle heiß machen!

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NUIT DEBOUT
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Liebe Generation Y,

Jahrelang haben uns die Sozialwissenschaftler als „sanfte Revolutionäre“ oder auch als „traurige Streber“ bezeichnet. Familienwerte, so zeigten die Studien, seien uns wichtig. Wir wären unpolitisch, hieß es, und suchten unser Glück eher im Privaten.

Als Vorbilder nannten wir oft unsere Eltern. Mit gutem Grund: So lange wir daheim wohnten, taten sie viel dafür, uns zu fördern. Vater und Mutter waren für uns so etwas wie gute Freunde. Menschen, die uns in guten wie in schlechten Zeiten beistanden. Wir konnten uns sehr gut mit dem Weltbild und den Werten identifizieren, die wir zu Hause vermittelt bekamen.

Es herrschte Frieden zwischen den Generationen.

Und wir waren es nicht, die diesen Frieden aufkündigten.

Die Alten pfeifen auf die Werte, die sie uns einst vermittelt haben

Seit einigen Jahren passiert etwas Seltsames in den Köpfen unserer Elterngeneration. Sie pfeifen auf die Werte, die sie uns einst vermittelt haben: Gemeinsinn, Rücksicht, Verantwortungsgefühl. Es hat sich eine Protestbewegung aus unzufriedenen und überdurchschnittlich alten Bürgern formiert, die alles in Frage stellen, was den Frieden auf unserem Kontinent ausgemacht hat.

Unsere Elterngeneration ist dabei, unseren Wohlstand und die politische Stabilität in den westlichen Ländern zu verjuxen. Auf unsere Kosten. Sie sind es, die den Aufstieg der Populisten möglich gemacht haben.

Und es wird Zeit, dass wir uns endlich dagegen wehren.

Der Brexit war ein Aufstand der Alten

Die Brexit-Abstimmung in Großbritannien ist dafür nur das jüngste Signal. Während 64 Prozent der 18- bis 24-jährigen Briten für einen Verbleib in der Europäischen Union gestimmt haben, waren es bei den 50- bis 64-Jährigen nur 34 Prozent, bei den Wählern über 65 gar nur 33 Prozent.

Übrigens war auch die Wahlbeteiligung bei den Älteren höher. Mit anderen Worten: Die jungen Briten haben sich von den betagteren Briten um ihre Zukunft betrügen lassen.

Aber auch in Deutschland ist das Problem leider ziemlich aktuell.

Die so genannten „Migrationskritiker“ sind in den älteren Generationen überrepräsentiert. Eine Studie der TU Dresden hatte Anfang 2015 gezeigt, dass der durchschnittliche Pegida-Demonstrant 48 Jahre alt ist – und bisweilen durchaus über Bildung und gutes Einkommen verfügt.

Nicht umsonst hat das Aufkommen des neuen Fremdenhasses an deutschen Wohnzimmertischen zu wütenden Diskussionen zwischen Eltern und ihren Kindern geführt.

Denn die Flüchtlingshelfer waren laut einer Studie der Berliner Humboldt-Universität überwiegend junge Menschen zwischen 20 und 30 Jahren.

Schon damals hätte jedem klar sein müssen, dass ein politischer Riss zwischen den Generationen entstanden ist.

Die Rente ist sicher? Vielleicht für unsere Eltern

Man kann die Liste noch fortsetzen: Ausgerechnet jene, die ohnehin schon die üppigsten Renten in der Geschichte der Bundesrepublik kassieren oder kassieren werden, nehmen derzeit willentlich in Kauf, dass Millionen Menschen in unserer Generation in die Altersarmut stürzen werden. Eine Studie des WDR ergab, dass ab 2030 jedem zweiten Neu-Rentner Altersbezüge auf Hartz IV-Niveau drohen.

Und die Bundesregierung? Angela Merkel (CDU, Jahrgang 1954), Sigmar Gabriel (SPD, Jahrgang 1959) und Horst Seehofer (CSU, Jahrgang 1949) beschlossen 2014 gemeinsam die „Rente mit 63“ (die vor allem Menschen zugute kommt, die sich in der alten Bundesrepublik eine geschlossene Erwerbsbiografie aufbauen konnten) und die „Mütter-Rente“ (die exklusiv für Frauen gilt, die vor 1992 Kinder bekommen haben).

Die Kosten dafür – bis 2030 ein mittlerer dreistelliger Milliardenbetrag – soll aus den Ersparnissen der Rentenkasse finanziert werden, und später aus Steuermitteln. Sprich: Die große Koalition verfrühstückt unsere Zukunft, um der Babyboomer-Generation ein gigantisches Wahlgeschenk zu machen.

Die Alten sind in der Mehrzahl

Die „Ehe für alle“, der Umgang mit dem Islam, die außenpolitische Orientierung Deutschlands – in fast allen Punkten sind sich die Generationen uneinig.

Das Problem in unserer alternden Gesellschaft ist, dass die grauhaarigen Wutbürger in der Mehrheit sind, wie der Autor Wolfgang Gründinger in einem Gastbeitrag für „Zeit Online“ darlegt: „Brexit ist nicht der erste Fall der Alte-Säcke-Politik. Auch bei anderen Fragen gibt es handfeste Wertekonflikte zwischen den Generationen. (…) In einer Referendumsrepublik der Greise werden die Interessen der Jungen leicht untergebuttert. Immer stießen Welten aufeinander und immer waren die Jungen die Verlierer.“

Man könnte es auch noch schärfer formulieren: Die heute 50- bis 75-Jährigen haben vom größten Wohlstand profitiert, den es jemals in diesem Land gegeben hat. Sie haben seit Mitte der 70er Jahre über ihre Verhältnisse gelebt und einen riesigen Schuldenberg aufgebaut. Und ausgerechnet diese Menschen stellen sich nun mit dreistem Egoismus der politischen und gesellschaftlichen Erneuerung dieses Landes in den Weg.

Es wird Zeit für Rebellion

Natürlich wäre es Quatsch, nach einer Altersbegrenzung bei Wahlen zu rufen – das wäre zutiefst undemokratisch und würde keines der Probleme lösen.

Nein: Wir müssen einsehen, dass wir ein gemeinsames Interesse haben. Es ist derzeit so einfach zu erkennen wie seit langem nicht mehr.

Wir müssen dafür kämpfen, dass unser Land auch morgen noch lebenswert ist und nicht in einer zukunftsfeindlichen Angststimmung erstarrt.

Wir müssen den Alten endlich die Hölle heiß machen.

Denn sie waren es, die den Generationsfrieden aufgekündigt haben. Und deswegen sollten sie auch die passende Antwort dafür erhalten. Es wird wieder Zeit, zu rebellieren.

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