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"Gedeon hat in der AfD nichts zu suchen" – jetzt mischt Gauland im Antisemitismus-Streit mit

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ALEXANDER GAULAND
AfD-Vize Alexander Gauland spricht über den Antisemitismus-Streit in der AfD | Axel Schmidt / Reuters
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  • Der Antisemitismus-Streit in der AfD Baden-Württemberg sorgt weiter für Aufruhr
  • Alexander Gauland rechnet jetzt mit dem belasteten Wolfgang Gedeon hart ab
  • Der habe seiner Ansicht nach in der AfD nichts mehr zu suchen

Der Vizechef der Alternative für Deutschland (AfD) Alexander Gauland hält das Vorgehen der baden-württembergischen AfD-Landtagsfraktion mit dem Abgeordneten Wolfgang Gedeon für falsch.

Dem 69-jährigen Gedeon wird vorgeworfen, in seinen Büchern antisemitische Positionen zu vertreten. In der Landtagsfraktion tobt seit Wochen wegen Gedeon ein Antisemitismus-Streit, in den sich auch auf die AfD-Spitze eingemischt hat.

Gauland ist "not amused" über die Diskussion

„Die Vorstellung, dass bei uns nun bis zum Herbst diskutiert werden soll, was Antisemitismus ist und was nicht, erfreut mich überhaupt nicht“, sagte der 65-jährige Gauland der „Welt am Sonntag“.

Gauland kritisiert damit das Vorgehen der AfD-Landtagsfraktion in Baden-Württemberg. Die hatte beschlossen, Gedeons Fraktionsmitgliedschaft bis zum Herbst ruhen zu lassen. Jörg Meuthen, AfD-Landtagsfraktionschefs und BundesvorsitzenderJörg Meuthen, wollte Gedeon eigentlich aus der Partei schmeißen.

Jetzt sollen wissenschaftliche Gutachten klären, ob Passagen aus Büchern von Gedeon als antisemitisch einzustufen sind.

Gauland: "Brauche kein Gutachten"

Gauland hat für dieses Vorgehen kein Verständnis. Nach seiner Ansicht „liegt hier ganz klar Antisemitismus vor“, berichtet die "Welt am Sonntag". Um das zu wissen, so Gauland weiter, „brauche ich kein Gutachten über die Frage, ob die ‚Protokolle der Weisen von Zion’ eine Fälschung sind“.

Gedeons Satz "Das Talmud-Judentum ist der innere Feind des christlichen Abendlandes" bezeichnet Gauland in der "Welt am Sonntag" als antisemitisch.

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Ausdrücklich bezog Gauland seine Kritik am Vorgehen im Fall Gedeon nicht auf Landtagsfraktionschef Meuthen. Seiner Ansicht nach habe sich das Thema mit einem internen Machtkampf in der Partei überlagert. Meuthen hätte „den Eindruck haben“ müssen, „der Fall Gedeon werde von außen instrumentalisiert, um ihn zu schwächen“.

Gauland: "Gedeon hat nichts in der Landtagsfraktion zu suchen"

Einzige Option für Meuthen blieb deshalb ein "Kompromiss", so Gauland gegenüber der Zeitung. Meuthen hatte sich über das Einmischen der AfD-Chefin Frauke Petry öffentlich beklagt: Petry hatte von außen in die Gedeon-Debatte der baden-württembergischen AfD-Fraktion eingegriffen.

Gauland sagt, er könne sich "keinen Wissenschaftler vorstellen, der nicht zum selben Ergebnis" komme wie Jörg Meuthen und er: "Dass es sich um Antisemitismus handelt und dass daher Herr Gedeon nichts in der AfD-Landtagsfraktion zu suchen hat“.

Warnung an die Gesamtpartei

Gauland appellierte zudem an die Gesamtpartei: „Wenn wir beim Thema Antisemitismus eine offene Baustelle haben, dann werden wir immer in großen Schwierigkeiten stecken.“

Diese "Baustelle" könnte die Zusammenarbeit mit anderen europäischen Parteien gefährden, „die mit uns in der Kritik am Euro und der EU weitgehend einig sind“. Diese hätten sich ganz klar darauf verständigt, Antisemitismus keinerlei Chance zu geben.

Zum parteiinternen Streit über eine eventuelle Spitzenkandidatur von Frauke Petry für die Bundestagswahl 2017 äußerte sich Gauland auch. „Es ist dringend notwendig, dass in dieser Frage Beruhigung eintritt“, sagte er der „Welt am Sonntag“.

Da die AfD mangels Größe keinen Kanzlerkandidaten benötige, müsse sie „nicht nervös auf Kandidatensuche gehen“. Vielmehr solle die Partei „gelassen überlegen, ob wir ein Spitzenteam bilden oder nur eine Person oder zwei an die Spitze stellen“.

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(ben)