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Macht immer ein Foto eures Hotelzimmers - ihr könntet einem Kind damit das Leben retten

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HOTEL ROOM
Eine App will Hotelzimmer registrieren, um Menschenhändlern das Handwerk zu legen | Henry Lederer via Getty Images
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Wenn wir ein Hotelzimmer betreten, denken wir selten darüber nach, wer vor oder nach uns in diesem Raum war oder sein wird.

Und nur wenige wissen, dass ein einfaches Foto des Hotelzimmers möglicherweise das Leben eben dieses Menschen retten könnte.

Denn: Menschenhändler benutzen typischerweise Hotelzimmer. Online finden sich abertausende Fotos, auf denen Frauen und Kinder in Hotelzimmern abgelichtet sind.

Bisher ließen sich die Räumlichkeiten aber nur schwer zuordnen.

Mit dieser App könnten Menschenhändler gestoppt werden

Das will eine App namens TraffickCam ändern, die Ermittlern helfen soll. Über sie können Hotelbesucher Fotos ihres Zimmers hochladen, inklusive Standort. Diese werden über die App dann mit Daten der Ermittler abgeglichen.

So soll die Suche nach Opfern in Zukunft erleichtert werden.

Die Idee kam auf, als sich eine amerikanische Polizeistation vor einigen Jahren mit der Non-Profit Exchange Initiative zusammentat, um an Technologien gegen Menschenhandel zu arbeiten.

Die Behörde zeigte dem Team damals ein Foto - zufälligerweise wusste eine Mitarbeiterin sofort, in welchem Hotel das Foto aufgenommen worden war, erklärte ein Mitarbeiter im Gespräch mit der Nachrichtenseite "AOL News".

Menschenhandel in Europa

Auch in Europa ist Menschenhandel gang und gäbe. Kinder und Jugendliche in der Europäischen Union landen immer häufiger in den Fängen von Menschenhändlern. Darauf verweist ein Bericht, den die EU-Kommission im Mai 2016 in Brüssel vorstellte.

Demnach nutzen kriminelle Händler zudem immer mehr die Flüchtlingskrise in Europa aus, um Menschen in ihre Gewalt zu bringen und etwa zum Zweck der sexuellen Ausbeutung zu verkaufen.

Mehr als 2300 Minderjährige wurden 2013 und 2014 in der EU als Opfer von Menschenschmugglern registriert. Insgesamt seien in dem Zeitraum rund 15 800 Frauen, Männer, Mädchen und Jungen erfasst worden, die entweder gegen ihren Willen oder unter falschen Versprechungen in die Hände von Menschenhändlern gerieten, teilte die EU-Kommission mit.

Die Brüsseler Behörde geht zudem davon aus, dass es eine große Dunkelziffer gibt und die tatsächlichen Opferzahlen deutlich höher liegen. Dies sei wohl nur die Spitze des Eisbergs, sagte die EU-Koordinatorin für die Bekämpfung des Menschenhandels, Myria Vassiliadou.

Die mit Abstand am weitesten verbreitete Form ist demnach Menschenhandel zur sexuellen Ausbeutung. Rund drei Viertel aller registrierten Opfer waren Frauen. Entlang der Migrationsrouten müssten Frauen und Kinder besonders geschützt werden, hieß es.

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(vr)