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Brexit-Beben: 4 Gründe, warum Großbritannien nun zerbrechen könnte

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SCOTS REFERENDUM
Ein Referendum über die Unabhängigkeit Schottlands scheiterte 2014 | Dylan Martinez / Reuters
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Nach dem Brexit-Referendum wird viel über ein Auseinanderbrechen der EU spekuliert. Darüber wird aber vergessen, dass nicht nur die Europäische Union, sondern auch Großbritannien ein Staatenbündnis ist. Und dessen Zerbrechen ist viel wahrscheinlicher. Hier vier Gründe, warum das United Kingdom vor dem Zerfall steht.

1. Die Engländer wollen raus aus der EU - aber die Schotten wollen rein

Trotz des Siegs der Brexit-Befürworter beim EU-Referendum in Großbritannien hat die Mehrheit der Schotten für einen Verbleib in der EU gestimmt.

Das Pro-EU-Lager konnte alle schottischen Wahlkreisen für sich gewinnen. Rund 62 Prozent der Wähler stimmten für einen Verbleib in der Europäischen Union. 38 Prozent stimmten für einen Brexit. Umfragen hatten allerdings einen noch deutlicheren Sieg für die EU-Befürworter erwartet.

Das heizt Spekulationen über ein neues schottisches Unabhängigkeitsreferendum an.

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2. Es gab bereits ein Unabhängigkeits-Referendum - mit knappem Ausgang

Die schottische Regierungschefin Nicola Sturgeon sagte nach Auszählung der Wahlzettel in Schottland am Freitag, das Ergebnis "zeige, dass das schottische Volk seine Zukunft als Teil der Europäischen Union sieht".

Erst 2014 war ein Referendum über die Unabhängigkeit Schottlands gescheitert - damals stimmten 54 Prozent für den Verbleib, 46 Prozent wollten die Unabhängigkeit. Vor dem Referendum über den EU-Austritt Großbritanniens hatte Sturgeon jedoch angekündigt, dass es zu einem weiteren Referendum kommen könnte, sollte Schottland gegen seinen Willen zu einem Austritt gezwungen werden.

Der ehemalige schottische Regierungschef Alex Salmond sagte der BBC, er sei "ziemlich sicher", dass Sturgeon nun ein erneutes Referendum anstreben werde.

3. Wenn die "Harry-Potter"-Autorin den Zerfall Großbritanniens hervorsagt, kann es gar nicht anders kommen

Auch die Harry-Potter-Autorin J. K. Rowling setzt sich nach dem britischen Brexit-Referendum für eine Loslösung Schottlands von der Londoner Zentalregierung ein.

"Schottland wird die Unabhängigkeit anstreben", twitterte sie. Premierminister David Camerons' Vermächtnis werde es sein, zwei Staaten-Bündnisse zu zerbrechen, sagte sie mit Blick auf die EU und das Vereinigte Königreich. "Beides hätte nicht sein müssen."

4. Der Brexit könnte den Nordirland-Konflikt anheizen

Auch den Nordirland-Konflikt könnte der Brexit anheizen. Da bisher sowohl Irland als auch Großbritannien in der EU waren, fanden keine Grenzkontrollen zwischen Irland und Nordirland statt. Jetzt könnten die bald wieder eingeführt werden. Viele befürchten daher wieder ein Aufflammen der Gewalt.

Text geht unter dem Video weiter …

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Die irisch-nationalistische Partei Sinn Fein fordert nach dem Brexit-Referendum in Großbritannien eine Abstimmung über eine Wiedervereinigung Irlands.

Ein solches Referendum zur Abschaffung der irischen Grenze sei ein "demokratischer Imperativ", sollte Nordirland für einen Verbleib in der Europäischen Union gestimmt haben, berichtete unter anderem der Sender Sky News am Freitagmorgen unter Berufung auf Parteiquellen.

"Die britische Regierung hat (...) jedes Mandat, die Interessen der Menschen in Nordirland zu repräsentieren, verloren", zitierte die "Irish Times" den Sinn-Fein-Vorsitzenden Declan Kearney.

Nordirland hat der BBC zufolge mit 55,7 Prozent für einen Verbleib in der EU gestimmt. Das Brexit-Lager schnitt damit aber stärker ab als erwartet.

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(cho)