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Brexit-Wahlprognosen konnten den Ausstieg nicht vorhersehen

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BREXIT
Wahlprognosen konnten den Brexit nicht vorhersagen | pidjoe via Getty Images
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  • Insgesamt scheinen Meinungsumfragen bezüglich des Brexit im Internet besser abgeschnitten zu haben als telefonische
  • Aktuellste Prognosen hatten vorhergesagt, dass die Briten mit einer knappen Mehrheit für den Verbleib in der EU stimmen würden

Meinungsumfragen bezüglich des Brexit scheinen im Internet besser abgeschnitten zu haben als telefonische.

Britische Nachrichtendienste hatten den knappen Wahlsieg der "Austritts"-Kampagne, welcher die Nacht über ausgezählt wurde, im Volksentscheid über die Mitgliedschaft in der Europäischen Union vorhergesagt. Die BBC hatte prophezeit, dass circa 52 Prozent für den Austritt stimmen würden.

Andere Wahlprognosen hatten angegeben, dass die Wahl sehr knapp ausfallen würde, aber die meisten Last-Minute-Befragungen hatten sich für den "Verbleib" ausgesprochen.

Ergebnisse der Umfragen variierten

Zwei im Internet aktive Meinungsforscher hielten Umfragen am Donnerstag - am Tag der Wahl - ab, die erst nach dem Schließen der Wahllokale bekannt gegeben wurden: YouGov und Ipsos-MORI gaben an, dass das "Verbleib"-Lager gewinnen würde – YouGov lag mit vier Prozent über dem tatsächlichen Ergebnis und Ipsos-Mori mit sechs Prozent.

Diese zwei Umfragen waren nicht Teil des von HuffPost-Meinungsforschern erzielten Durchschnitts der öffentlichen Prognosen bezüglich des Volksentscheids. Der Durchschnitt aller Meinungsumfragen vor der Öffnung der Wahllokale am Donnerstag zeigte "Verbleib" mit 0,5 Prozent in der Führung.

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Es wäre leicht zu sagen, dass, diesen Zahlen zufolge, die Umfragen versagt haben. Tatsächlich variierten die Ergebnisse der Umfragen insgesamt - je nachdem, welche Umfrage man heranzog.

Während der Wahlkampagne gingen die Ergebnisse der Umfragen - basierend darauf, ob diese im Internet oder telefonisch ausgeführt wurden - stark auseinander.

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Der Durchschnitt der Internetumfragen schätzte einen 1,2-prozentigen Vorsprung der “Austritts”-Kampagne, während telefonische Live-Abstimmungen "Verbleib" mit 2,6 Prozent in Führung prognostizierten. Laut der Trendlinien waren zwischen sechs und neun Prozent der Befragten unentschlossen.

Internetbefragungen waren aussagekräftiger

In diesem Fall waren die Internetbefragungen eindeutig aussagekräftiger bezüglich des Siegs des "Austritts"-Lagers. Das soll aber nicht heißen, dass es sich bei allen Internetprognosen um verlässliche Prädiktoren und bei telefonischen Meinungsumfragen um unzuverlässige handelte. Einige finale Internetvotings zeigten einen erheblichen Vorsprung für “Verbleib”.

Telefonische Umfragen favoritisierten während der letzten Wahlkampfwoche durchgängig "Austritts"-Sieg, schwankten während der letzten zehn Tage vor der Wahl allerdings wieder in Richtung "Verbleib".

Es gab Warnzeichen, dass die Prognosen falsch liegen könnten. Es gibt immerhin beachtliche Herausforderungen bei Wahlprognosen von Volksentscheiden, hauptsächlich da es in der jüngeren Geschichte keine Prognose gab, die Informationen bezüglich der Wahlbeteiligung hätte liefern können.

Allgemeine Skepsis gegenüber Wahlprognosen

Und es gab darüber hinaus auch keine Wahltagsbefragung am Ausgang der Wahllokale, die die demographische Wahlentwicklung verfolgen hätten können.

Eine allgemeine Skepsis gegenüber Wahlprognosen war seit der Parlamentswahl des letzten Jahres zu verzeichnen, während welcher die Umfragen das Ausmaß des Sieges der konservativen Partei gewaltig unterschätzt hatten. Meinungsforscher hatten angegeben, Verbesserungen bei der Lokalwahl im Mai implementiert zu haben.

Der Brexit-Volksentscheid repräsentierte diesbezüglich den ersten wichtigen Test. Einige Meinungsforscher bestanden diesen, andere haben anscheinend noch Arbeit vor sich.

Und es ist wieder einmal klar, dass es keinen zuverlässigen “goldenen Standard” für das Ausführen von Umfragen vor einer Wahl gibt.

Dieser Text erschien im Original auf Huffington Post USA und wurde von Virginia V. Hartmann aus dem Englischen übersetzt.

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