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"Europäische Variante des Weltuntergangs": Das sind die ersten Reaktionen auf den Brexit

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BRUSSELS
Jean-Claude Juncker vor einer Rede. | ASSOCIATED PRESS
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Die eine Hälfte Großbritanniens feiert - die andere ist geschockt. Die Briten haben für einen Brexit gestimmt. Und für Europa beginnt heute wohl eine neue Zeitrechnung. Entsprechend fallen europaweit die Reaktionen aus.

Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD) reagiert bitter enttäuscht auf die sich abzeichnende Entscheidung der Briten für einen EU-Austritt.

Der europäische Grünen-Chef Reinhard Bütikofer erwartet nach dem Brexit-Referendum eine drastische Verschärfung der ohnehin schon schwierigen Lage der EU. "Der 23. Juni wird als tiefschwarzer Tag in die Geschichte Europas eingehen", sagte der EU-Abgeordnete der Deutschen Presse-Agentur.

"Brauchen ein Europa, das liefert"

Viele Europapolitiker fordern jetzt auch einen harten Kurs gegenüber Großbritannien. "Wenn die Briten raus wollen, dann müssen sie raus, und das muss schnell passieren", sagte der Fraktionschef der Europäischen Volkspartei (EVP), Manfred Weber (CSU), am Freitag im Brüsseler EU-Parlament.

Im Radiosender B5 sprach sich Weber für eine EU-Reform für mehr demokratische Legitimation der Entscheidungen aus. «Die Menschen fühlen sich bei den europäischen Entscheidungen nicht mitgenommen.» Deswegen müssten künftig mehr Entscheidungen im Europäischen Parlament fallen. Zudem sei ein «klarer Aufgabencheck» nötig, wofür Europa gebraucht werde.

Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Europaparlament, Elmar Brok (CDU), hat den Ausgang des Brexit-Referendums als "Warnschuss" für die 27 anderen EU-Mitgliedsländer gewertet. "Wir müssen endlich ein Europa bauen, das liefert, was die Bürger von Europa erwarten", sagte Brok am Freitag im ZDF-"Morgenmagazin". "Das muss ein Warnschuss sein an die nationalen Regierungen."

"Europäische Variante des Weltuntergangs wird Wirklichkeit"

Brok sprach sich für ein hartes Vorgehen bei den wahrscheinlich bevorstehenden Trennungsgesprächen mit Großbritannien aus. "Draußen ist draußen", sagte der CDU-Politiker. Jetzt müssten "Nachahmer-Effekte" verhindert werden. "Das war eine Fehlentscheidung, für die bitter bezahlt werden muss."

Die Linken-Politikerin Sarah Wagenknecht twitterte:

Der Herausgeber des Handelsblattes Gabor Steingart schrieb: "Die europäische Variante des Weltuntergangs wird Wirklichkeit: Großbritannien hat mehrheitlich beschlossen, sich selbst zu schaden. Das Land wird nach Monaten heftigster anti-europäischer Allergie die Europäische Union verlassen. 52 Prozent der Wähler stimmten für den Bruch mit den anderen europäischen Staaten, nur 48 Prozent sahen innerhalb der EU eine Zukunft, die es nun nicht mehr geben wird. Die Wahlbeteiligung lag bei 72 Prozent."

Der Politik-Chef der "BILD" schrieb in einem Kommentar: "Also doch: Die Briten sind irre. Sie haben mit Mehrheit beschlossen, die Europäische Union zu verlassen und sich damit allesamt selbst in den Kopf zu schießen."

Und weiter: "Die EU ist sterblich, mindestens ist sie umkehrbar. Es ist eine beängstigende Frage, was das mit einem Organismus machen wird, der 60 Jahre lang immer nur in eine Richtung marschiert – und gewachsen ist."

"Referendum in Deutschland jetzt!"

Auch die Europagegner in Deutschland triumphieren. Der AfD-Landesverband Rheinland-Pfalz twitterte:

Der österreichische FPÖ-Politiker Norbert Hofer twitterte:

Marion Le Pen, die Tochter der Führerin des rechtspopulistischen Front National Marien Le Pen, twitterte: SIEG!

Auch der niederländische Rechtspopulist Geert Wilders freute sich. Er schrieb: "Hurra den Briten! Jetzt sind wir an der Reihe. Zeit für ein niederländisches Referendum!

Die Stimmen der Rechtspopulisten deuten schon darauf hin, wie es mit Europa weitergehen könnte. Die aktuelle Stimmung fasste dieser Twitter-Nutzer ironisch zusammen:

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