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EU-Austritt Großbritanniens: So wird jeder von uns den Brexit im Alltag spüren

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So wird jeder von uns den Brexit im Alltag spüren | Getty/HuffPost
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Die Briten verlassen die EU. Eine Entscheidung, die Papiere aufwirbeln wird in Brüssel, London und Berlin, aber sonst wenig bedeutet?

Nein, es geht nicht nur um ein Land weniger. Der Austritt Großbritanniens aus der Union wird für den Rest Europas deutlich zu spüren sein. Und zwar auch bei alltäglichen Dingen.

Diese Folgen könntet ihr nach dem Brexit selbst zu spüren bekommen:

1. Reisen werden teurer

Ein Städtetrip nach London oder eine Erkundungstour durch die Landschaften von Cornwall: Das wird künftig wohl teurer zu haben sein. Durch die EU-Mitgliedschaft waren die Flughafengebühren stark gesunken - abzulesen am Erfolg der Billigfluggesellschaften.

Die Gebühren wurden zuvor durch die Wettbewerbsaufsicht der EU gedrückt. Die hat den britischen Flughäfen bald aber nichts mehr zu sagen. Höhere Entgelte der Airports werden die Fluggesellschaften an ihre Kunden weitergeben müssen. Für das Ticket wird nach dem Austritt wohl mehr zu bezahlen sein.

2. Einkäufe werden billiger - vorerst

In Sachen Kosten sind Urlauber durch den Preissturz des britischen Pfund derzeit deutlich im Vorteil. Waren in Pfund sind in Euro gerechnet deutlich günstiger. Daran haben jedoch Spekulanten einen erheblichen Anteil: Wegen schlechter wirtschaftlicher Aussichten durch den Brexit kaufen Investoren verstärkt andere Währungen.

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In zwei Jahren könnte das Pfund aber wieder auf Normalniveau liegen - der Markt wird sich an die neue Situation gewöhnen. Die Währung ist jedoch nicht der einzige Kostenfaktor.

3. Nach dem Austritt kosten britische Produkte mehr

Whisky aus Schottland oder Tee aus London kommen vielleicht nicht jeden Tag auf den Tisch. Fakt ist aber, dass alle Produkte, die aus Großbritannien nach Kontinentaleuropa exportiert werden, künftig mit Zöllen belegt wären - es sei denn, die Briten schließen ein Freihandelsabkommen mit der EU ab. Zu erwarten ist, dass UK-Produkte hierzulande im Preis steigen.

4. Urlaub ja, Arbeit nein

Personalausweis einpacken und losfliegen - das ist alles, was Urlauber in Sachen Einreisebestimmungen zu beachten haben. Sollten sich Großbritannien und die EU nicht auf ein gegenseitiges Abkommen einigen (wie beispielsweise mit der Türkei oder der Schweiz), wären nach dem Austritt Reisepass und Visum Pflicht - in beiden Richtungen.

Wahrscheinlicher ist aber, dass sich durch ein solches Abkommen nichts bei normalen Urlaubs- und Geschäftsreisen ändert. Ein anderer Fall ist jedoch gegeben, wenn EU-Bürger im Königreich wohnen oder arbeiten wollen. Dafür wird künftig ein Aufenthaltstitel erforderlich sein - schließlich war die Angst vor einer überbordenden Einwanderung einer der wichtigsten Antriebe für die Brexit-Befürworter.

Gleiches gilt natürlich auch für Briten, die auf dem Festland wohnen oder arbeiten wollen. Die Tausenden, die bereits hier leben, müssen angesichts einer ungewissen Zukunft um ihr Aufenthaltsrecht bangen. Und auch Kontinentaleuropäer könnten nach dem wirksamen Austritt zur Rückkehr gezwungen sein. Viele bemühen sich daher um die britische Staatsbürgerschaft.

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5. Einfach zum Arzt geht nicht mehr

Wer in Großbritannien zum Arzt muss, kann dort künftig nicht mehr seine europäische Krankenversicherungskarte vorlegen und sich kostenlos behandeln lassen. Stattdessen muss er vorher eine separate Reiseversicherung abschließen oder den Mediziner gar aus eigener Tasche löhnen. Alternativ können Reisende nur darauf hoffen, dass die Regierung ein Akzeptanzabkommen mit der EU abschließt.

6. Ausländische Studenten müssen mehr zahlen

In den vergangenen zwei Jahren waren rund 125.000 europäische Studenten an britischen Unis eingeschrieben. Laut EU-Vorschrift müssen Studenten aus Unionsländern gleich hohe Studiengebühren wie ihre britischen Kommilitonen zahlen. Jura-Studenten aus Nicht-EU-Staaten zahlen etwa in Oxford rund 15.000 Pfund, britische und Studenten aus den EU-Ländern nur 4.000 Pfund. Dieselben hohen Gebühren drohen dann künftig allen Nicht-Briten.

7. Deutsche Arbeitsplätze sind in Gefahr

Auch die patriotischen Briten nutzen oft und gern Produkte aus dem Ausland - beispielsweise deutsche Autos. Auf die werden nach dem EU-Austritt Zölle fällig. Wahrscheinlich ist, dass in der Folge die Nachfrage sinken wird. Das ist gefährlich, denn das Königreich ist Deutschlands drittwichtigster Abnehmer nach den USA und Frankreich. Brechen Exporte dorthin ein, sind etliche Arbeitsplätze in der deutschen Industrie in Gefahr.

8. Die Roaming-Gebühren könnten zurückkehren

Bis Juni 2017 müssen die EU-Länder die Roaminggebühren für Kunden abschaffen, die mit ihrem heimischen Handy im Ausland telefonieren. Das gilt natürlich auch für Großbritannien, das mindestens zwei Jahre lang noch Mitglied der EU bleibt. Danach aber könnte die Regierung das Gesetz tilgen und den Anbietern des Landes ermöglichen, von Ausländern Extra-Gebühren zu verlangen.

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(lk)