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Kursmassaker: Brexit sorgt für schlimmsten Absturz der deutschen Börsengeschichte

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  • Anleger hat der Brexit schwer getroffen
  • Der Dax verzeichnet einen Rekord-Kursrutsch
  • Ein Ökonom sieht die Eurozone allerdings in einer vorteilhaften Lage im vergleich zu Großbritannien

Sehr viele Anleger dürften an diesem Morgen sehr viel ärmer aufgewacht sein, als sie am Donnerstag ins Bett gegangen sind: Um gut 10 Prozent ist nach dem Votum für den EU-Austritt der Briten etwa der DAX abgerutscht - noch bevor um neun Uhr der Parketthandel in Frankfurt beginnt. Der Index steht nun bei schmerzhaften 9.200 Punkten.

Damit handelt es sich um den schwersten Kursrutsch in der Geschichte des deutschen Börsenhandels: "Der bislang schwärzeste Tag war 1978 mit einem Rutsch um 9,39 Prozent", sagte ein Händler. Der britische Index FTSE startete mit einem Verlust von rund 8 Prozent in den Tag.

Um die Dramatik der Kurstafeln zu verdeutlichen, muss man sich die Zahlen vor Augen führen, die dahinter stecken: Fünf Billionen Dollar verbrannte der Exit dem Aktienstrategen Christian Kahler von der DZ Bank zufolge. Das heißt: Anleger weltweit verloren 5.000.000.000.000 Dollar.

Passend zum Thema: Alle Entwicklung rund um den Brexit erfahrt ihr in unserem News-Blog

Bei weltweit einbrechenden Aktienmärkten flüchteten die Anleger in sichere Häfen. Vor allem der Yen blieb als Fluchtwährung gesucht. Das Pfund wertete gegenüber der japanischen Währung um bis zu 15 Prozent ab. Auch Gold und Anleihen waren am Morgen gefragt.

Besonders unter Druck sind Aktien von Banken - zum einen, weil sie in den kommenden Jahren ständig mit den wirtschaftlichen Folgen des Brexits umgehen müssen, zum anderen, weil London das wichtigste Finanzzentrum Europas war. Bislang.

"Es wird kurzfristig sehr zerstörend"

Die Deutsche Bank allerdings sieht sich für Turbulenzen gut gerüstet. "Das ist kein guter Tag für Europa. Die Konsequenzen lassen sich noch nicht vollständig absehen. Sie werden aber für alle Seiten negativ sein", erklärte Konzernchef John Cryan. "Sicherlich sind wir als Bank mit Sitz in Deutschland und einem starken Geschäft in Großbritannien gut darauf vorbereitet, die Folgen des Austritts zu mildern."

Der Internationale Bankenverband IIF forderte eine schnelle Klärung der künftigen Beziehung zwischen der EU und Großbritannien. Es liege in der Verantwortung der Politik, die Unsicherheiten für die Wirtschaft zu begrenzen, sagte IIF-Chef Tim Adams in Washington. Das ganze Ausmaß der Entscheidung werde erst in einiger Zeit deutlich werden. "Aber feststeht: Es wird kurzfristig sehr zerstörend." Das Wirtschaftswachstum werde abreißen und langfristig würden Arbeitsplätze wegfallen - vor allem in Großbritannien selbst.

Ökonom: Euroraum wird besser wegkommen als Großbritannien

Allianz-Chefvolkswirt Michael Heise sieht trotz des Brexits keinen Anlass für übertriebene Konjunkturskepsis in Europa. "Die konjunkturelle Aufwärtsentwicklung im Euroraum ist inzwischen robust genug, dass sie dieses Ereignis mit deutlich geringeren Wachstumsverlusten als Großbritannien übersteht", sagte er.

Erhebliche Schwankungen an den Finanzmärkten dürften in nächster Zeit jedoch kaum zu vermeiden sein. "Vernunft und Weitsicht ist nun von Politikern und Investoren gefordert", sagte der Ökonom. Die EU sollte an ihren Projekten wie der Weiterentwicklung des Binnenmarktes festhalten.

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