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Das ist die Wahrheit über den Polizeibericht über Michael Jackson

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  • Ein Polizeibericht schockt Fans von Michael Jackson weltweit
  • Er enthält mutmaßliche Details über die sexuellen Vorlieben des Musikers

Vor mehr als einem Jahrzehnt gab Michael Jackson dem britischen Journalisten Martin Bashir ein Interview für dessen Dokumentation „Living with Michael Jackson“, in dem der King of Pop erzählte, dass er manchmal mit den Kindern anderer Leute im Bett schlafe.

Im Dezember 2003 wurde er in sieben Fällen von Kindesmissbrauch und zwei Fällen von Verabreichung berauschender Mittel angeklagt.

Die Anklage wurde erhoben, nachdem die Polizei seine Neverland Ranch durchsuchte und mehr als 80 Videoaufnahmen und Festplatten, sowie Notizen, Tagebücher, Dokumente, Fotos und Audiokassetten in Beschlag genommen hatte.

Am Dienstag veröffentlichte das Klatsch-Portal "RadarOnline" einen bisher unbekannten Polizeibericht, der zu der Durchsuchung von Michael Jacksons Anwesen in Santa Barbara erstellt wurde. Aus ihm soll hervorgehen, dass der Sänger eine Sammlung von Kinderpornografie und Nacktfotos besaß.

Ein Großteil der Dokumente aus dem unveröffentlichten Bericht wurde allerdings bereits als Beweismaterial für Michael Jacksons Verfahren im Jahre 2005 verwendet. Dass der Bericht jetzt, 11 Jahre nach dem Gerichtsverfahren und sieben Jahre nach dem Tod Jacksons, veröffentlicht wurde, sorgt für Verwirrung.

Hier sind einige Fakten, die ihr zu dem neu aufgetauchten Polizeibericht wissen solltet.

Der Polizeibericht, der "RadarOnline" zugespielt wurde, ist echt

Das Polizeirevier in Santa Barbara hat am Dienstag ein Statement veröffentlicht, in dem angegeben wird, dass die „Dokumente, in denen unser Polizeirevier in der Kopfzeile angeführt ist, eine Fallnummer haben“, also handle es sich um ein echtes Dokument aus deren Büro.

Der Großteil des 88-seitigen Berichts besteht aus Dokumenten, die dem Polizeirevier zugeordnet werden können, trotzdem ist die Authentizität der Fotos und Videoaufnahmen in diesen Dokumenten nicht eindeutig festzustellen.

„Die Beweisfotos, die angeblich unsere Ermittler gemacht haben, könnten auch aus dem Internet stammen“, sagte ein Zuständiger des Polizeireviers.

Jackson war nicht in Besitz von Fotos, die vom Gericht als „Kinderpornografie“ beurteilt wurden

Die Polizisten aus Santa Barbara schreiben in ihrem Bericht weiter, dass Michael Jackson wegen der Fotos, die in der Neverland Ranch gefunden wurden, laut Gesetz nicht für den „Besitz von Kinderpornografie“ angeklagt werden konnte. Die Ermittler fanden Nacktfotos von Kindern, sowie Fotos, in denen Kinder an gewissen Stellen ihres Körpers unbekleidet waren. Allerdings wären die Fotos nicht pornografischer Natur gewesen – der Kontext ist dabei wichtig.

Im Polizeibericht wird immer wieder erwähnt, dass das Material aus Jacksons Haus allerdings „von Menschen, die ein Kind missbrauchen wollen, verwendet werden könnte, um das potentielle Opfer zu locken, dessen Scham zu schmälern und so den Missbrauch in die Wege zu leiten.“

Die Fotos, sowie Jacksons Porno-Sammlung wurden bereits für das Verfahren als Beweismaterial eingereicht

Im Januar 2005 brachte die Staatsanwaltschaft mehrere “homosexuelle und heterosexuelle Bücher, Videos und Magazine in den Prozess, die am 13. November 2003 im Schlafzimmer des Anwalts des Angeklagten auf der Neverland Ranch beschlagnahmt wurden“.

Die Bezirksstaatsanwaltschaft von Santa Barbara schrieb: “Das aufgeführte Material ist zulässig und relevant als nebensächliches Beweismittel hinsichtlich der Intention, der Motive und der Methoden des Angeklagten. Sie geben Hinweise auf seinen Plan, Jungen zu verführen und sind ein Beweis, dass er deren Verführung vorbereitete. Sie geben Indizien für seine Methode.”

Während der Gerichtsverhandlung legte die Staatsanwaltschaft Beweismittel vor, die bestätigten, dass Fingerabdrücke von Jackson, seinem 13-jährigen Ankläger und dessen jüngerem Bruder auf einem Pornomagazin gefunden wurden, das im Haus des Sängers sichergestellt wurde.

Gleichzeitig berichtete CNN, 12 Fingerabdrücke von Jackson seien auf acht verschiedenen Magazinen gefunden worden: fünf von seinem Ankläger auf drei Magazinen und zwei von dessen jüngerem Bruder auf einem Magazin. Der Fund der Fingerabdrücke war wichtig, denn er bestätigte die Aussage des Klägers, Jackson habe ihm Pornografie gezeigt.

Die Anschuldigungen gegen Michael Jackson lauteten wie folgt:

Der Kläger sagte aus, dass der Sänger seine Hand in seine Hose gesteckt und ihn berührt haben soll. Der Teenager gab weiter an, dass er und sein Bruder mit Michael Jackson im Bett schliefen, während er in der Neverland Ranch war. Er sagte außerdem vor Gericht, dass Jackson ihm Pornografie gezeigt und ihm Rum, Wodka, Whiskey und Wein zu trinken gegeben hätte.

Die Aussage des Klägers wurde von der Verteidigung in Zweifel gezogen, die ihn dazu brachte, zuzugeben, dass er gegenüber einem Lehrer gesagt habe, Michael Jackson hätte ihn nicht berührt.

Später gab er an, dass er nur deshalb in der Schule nicht zugab, dass Michael Jackson ihn missbraucht habe, weil er gemobbt wurde. „Alle Kinder machten sich sowieso schon in der Schule über mich lustig und ich wollte nicht, dass irgendjemand wusste, was wirklich vorgefallen war“, sagte er.

Die meisten Informationen, die in dem Polizeibericht stehen, kamen schon während des Prozesses heraus

Sowohl die Details über Jacksons riesige Pornosammlung, als auch mehrere Bilder von nackten und leicht bekleideten Kindern tauchen in dem Bericht auf. Einige dieser Bilder fanden die Ermittler in Fotobänden, unter anderem in “Cronos” von Pere Formiguera - welches, wie der Polizeibericht anmerkt, gesetzlich nicht in den Bereich der Kinderpornografie fällt, aber dazu benutzt werden kann, potentielle Opfer “anzuziehen”.

Auch das Buch “Room to Play” von Simen Johan, das sexualisierte Bilder von Kindern enthält, deren Gesichter auf die Körper von Erwachsenen montiert wurden, untersuchte die Polizei erneut auf diesen Aspekt hin.

Die Behörden stießen zudem in einem Safe im Pausenraum der Angestellten auf zahlreiche Fotos von Kindern.

All diese Beweise lagen bereits 2005 vor, aber die Ermittler konzentrierten sich auf Jacksons Pornosammlung – kamen in diesem Fall aber nicht weit. Nachdem die Geschworenen den Popstar im Juni 2005 von allen Anklagepunkten freisprachen, sagte ihr Sprecher, Paul Rodriguez, gegenüber CNN: “Das sind Magazine für Erwachsene. Jeder darf sie besitzen. Sie bestätigen die Anklage nicht.”

Die Nachlassverwaltung von Michael Jackson veröffentlichte am Dienstag ein Statement, in dem sie der Polizei vorwarf, den Bericht mit Absicht am Geburtstag des verstorbenen Sängers der Presse zugespielt zu haben.

Dieser Text erschien ursprünglich bei der Huffington Post USA und wurde von Lea Kosch und Valentina Resetarits aus dem Englischen übersetzt.

(ben)