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4 Gründe, warum die EU ohne die Briten sozialer werden könnte

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  • Der Brexit kann auch Vorteile für Europa haben
  • Die EU könnte sozialer werden
  • Eine Zusammenfassung der Punkte gibt es im Video

Jetzt ist sicher: Die Briten wollen die EU verlassen. Der mögliche psychologische Schaden ist nicht zu unterschätzen. Die ersten Reaktionen auf den Brexit zeigen das: Rechtspopulisten in Europa triumphieren, die Börsen stürzen ab.

Doch mittelfristig könnte der Brexit auch positive Folgen haben. Die Europäische Union könnte ohne Großbritannien sozialer werden – vor allem in vier Bereichen. Die Huffington Post zeigt, welche das sind.

1. Eine Finanztransaktionssteuer würde die Arbeitnehmer hierzulande massiv entlasten

Eine geplante Umsatzsteuer auf Finanzgeschäfte könnte Deutschland jährlich bis zu 45 Milliarden Euro pro Jahr einbringen. Zu diesem Ergebnis kam 2015 ein Gutachten des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin.

Geld, das für neue Kindergärten, marode Schulen, Straßen und Schienen hierzulande dringend nötig wäre. Alternativ könnte auch die Mehrwertsteuer von 19 auf 14 Prozent gesenkt werden.

Doch es gibt ein großes Problem: Von den großen EU-Staaten sind zwar die meisten für eine solche Steuer – doch vor allem Großbritannien legt sich quer. Auch Deutschland, Frankreich und Italien zögern deshalb. Denn führen sie eine Finanztransaktionssteuer ein, könnte es ihnen ergehen, wie einstmals Schweden –viele Börsen- und Devisengeschäfte könnten ins Ausland fließen. Statt einem Plus an Steuereinnahmen, hätten die jeweiligen Staaten ein dickes Minus an Jobs.

Wären die Briten nicht in der EU, wären sie für die innerhalb der EU angesiedelten Banken innerhalb der Europäischen Union von einem Tag auf den anderen weitgehend uninteressant. Eine Abwanderung von Finanzinstituten als Folge der neuen Steuer vom Kontinent auf die Insel wäre daher unwahrscheinlich.

Eine Finanztransaktionssteuer würde vor allem Wohlhabende belasten. Profitieren würden insbesondere Arbeitnehmer. Der Staat müsste sie für notwendige Investitionen weniger belasten.

Passend zum Thema: Video-Kommentar: Bye, bye Britannien – für euch wird der Brexit viel härter als für uns

2. Banken und Zocker-Fonds könnten endlich strenger reguliert werden

Es war ein Verhandlungs-Marathon: 16 Stunden versuchten die EU-Finanzminister im Mai 2012 ihren britischen Kollegen von der Notwendigkeit strengerer Eigenkapital-Regeln für europäische Banken zu überzeugen – doch der Schatzkanzler aus London blieb hart. Wie so oft.

Seit die Lehman-Pleite 2008 die Finanzbranche und in deren Folge auch die Realwirtschaft in eine schwere Krise stürzte, versucht die EU, Banken und insbesondere den sogenannten grauen Finanzmarkt strenger zu regulieren. In letzterem agieren etwa Hedgefonds und andere Marktteilnehmer noch immer ungehemmt in undurchsichtigen Finanzgeschäften.

Der Erfolg Brüssels ist freilich überschaubar. Dies liegt auch an Großbritannien – zu wichtig ist für das Land der Finanzplatz London. Selbst Gesetze, die offensichtlich nicht die normalen Banken, sondern nur Finanz-Hasardeure in ihre Schranken weisen wollen, stoßen auf erbitterten Widerstand von der Insel.

Text geht unter dem Video weiter …

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3. TTIP-Verhandlungen könnten Verbraucher stärker berücksichtigen

Auch bei den TTIP-Verhandlungen sollen die Briten in der EU-Delegation bei Arbeitnehmer- und Verbraucherrechten zuletzt eher zu den Bremsern gehört haben. Ein Freihandelsabkommen könnte ohne die Briten in der EU womöglich mehr deutsche und französische Interessen berücksichtigen

4. EU könnte zu einer sozialeren Marktwirtschaft werden

Bei vielen Verfahren für EU-Richtlinien haben in der Vergangenheit britische Regierungen eine konzernfreundliche Position eingenommen. Die Insel ist seit der Regierung Thatcher in den 1980er-Jahren ein Verfechter eines sehr freien Marktes und eines wenig regelnden Staates.

Sollte Großbritannien austreten, könnte die Brüsseler Gesetzgebung möglicherweise künftig verbraucherfreundlicher ausfallen. Denn andere Staaten wie Deutschland würden bei der Ausgestaltung von EU-Richtlinien weiter an Kompetenz gewinnen.

Passend zum Thema: Alle Entwicklung rund um den Brexit erfahrt ihr in unserem News-Blog

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