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Diese Familie flüchtete wegen der "BRD-Diktatur" nach Russland – und bekommt dort kein Asyl

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"Wer Deutschland nicht liebt, soll Deutschland verlassen." So tönte es im vergangenen Jahr bei vielen Pegida-Demos. Die Familie Griesbach aus Mecklenburg-Vorpommern nahm sich das zu Herzen. Zumindest den zweiten Teil der Parole.

Die achtköpfige Familie verließ Deutschland im Dezember letzten Jahres. Allerdings nicht, weil sie Deutschland nicht liebe. Mit den Pegida-Anhängern ist sie in vielen Punkten wohl ganz auf Linie.

"Humanes Beutegut"

Die Familie Griesbach verließ Deutschland, weil es ihrer Ansicht nach nicht anders ging. Ein Verbleib schien unmöglich, denn die "völkerrechtswidrigen" Zustände in der "BRD-Diktatur" zwangen sie zur Flucht. In Deutschland seien sie "humanes Beutegut". Behaupten sie.

So machten sie sich auf die Reise, respektive "Flucht". Zu acht im feuerroten VW-Multivan. Über Polen und die baltischen Staaten tuckerten sie 2.300 Kilometer ihrer finalen Destination entgegen: die Russische Föderation.

Was sie sich davon erhofften: Asyl zu bekommen. Asyl vor der ihrer Ansicht nach menschenverachtenden, repressiven deutschen Regierung. Die Familie stellte einen Antrag beim Kreml.

Kreml lehnte Asylantrag ab

Der zeigte sich allerdings wenig beeindruckt von den Grund- und Menschenrechtsverletzungen, die in Deutschland laut den Griesbachs begangen werden. Deutschland ist ein sicheres Herkunftsland, konstatierte der Kreml. Die Griesbachs hätten demnach kein Recht auf Asyl.

Ein herber Rückschlag für die Familie um die 51-jährige Mutter Carola. Diese hatte sich extra außerordentlich viel Mühe gegeben, alle Beweggründe für die "Flucht" ausführlich und fundiert niederzuschreiben.

Sie veröffentlichte dazu ein zehnseitiges Facebook-Pamphlet.

Verschwörungstheorien über Flüchtlinge

Darin steht, Deutschland würde in Kindergärten – und bald auch in Krippen – frühsexualisiert, es komme die "Zwangs-Chipung", bei der man den Staatsbürgern elektronische Fremdkörper einpflanze, sowie ein Toleranzgesetz, nach dem man nichts mehr gegen die Migranten sagen dürfe.

Apropos Migranten: Diese seien den Griesbachs zufolge 80 Prozent Männer – "bewaffnete" und mit "modernster Kommunikationstechnik" ausgestattete "Söldner" zwischen 18 und 35 Jahren.

Durch diese "Söldner" seien "Vergewaltigungen von Kindern und Frauen, Raub und Überfälle" in Deutschland alltäglich geworden. Man könne sich nicht mehr sicher fühlen.

"Die Regierung ist an allem Schuld"

In ihrem Epos schreiben sie viele weitere Gründe auf, die einen Aufenthalt in Deutschland ihrer Meinung nach unmöglich machen: "Impfzwang, Kinderklau, Enteignung, Vernichtung der Kultur".

Hinter alldem stecke ein ausgeklügeltes behördliches System unter Führung der Bundesregierung von Angela Merkel. Aus diesen Gründen gab es für die Griesbachs nur eine Wahl: Deutschland verlassen.

Erst informieren, dann auswandern

Umfassend geplant haben sie ihre Auswanderung aber offenbar nicht. Über Moskau schreiben sie auf Facebook: "Dort befindet sich die alliierte Hauptverwaltung der russischen Besatzungszone. Da Deutschland noch keine Friedensverträge abgeschlossen hat und noch immer auf der UN-Feindstaatenklausel gelistet ist, obliegen die Zuständigkeit und die Verantwortlichkeit für das Gebiet der ehemaligen DDR, der Russischen Föderation."

Das ist falsch. Zum einen gilt der Zwei-plus-vier-Vertrag, den die BRD 1990 mit der DDR, der USA, Großbritannien, Frankreich und der Sowjetunion geschlossen hat, als Friedensvertrag.

Außerdem ist darin auch die Volkssouveränität geregelt. In Artikel 7 heißt es: "Das vereinte Deutschland hat demgemäß volle Souveränität über seine inneren und äußeren Angelegenheiten."

Kleinkinder sind die Leidtragenden

Man könnte die teils komödiantische und dilettantische Flucht der Verschwörungstheoretiker belächeln, wäre da nicht der traurige Part der Geschichte: Die Familie hat inzwischen große finanzielle Probleme.

Anfangs konnte die Familie noch in einem Hostel leben. Seit die Kohle aufgebraucht ist, hausen alle Acht aber wieder im Kleinbus. Das ist besonders traurig, da Kinder mit von der Partie sind. Der kleinste, Säugling Marc Alexander, ist noch nicht einmal ein Jahr alt, Hanna Katharina erst zwei.

Vergeblicher Spendenaufruf der Schwester

Schwester Stephanie versucht zwar von Deutschland aus Spenden für die Auswanderer zu mobilisieren, aber der Erfolg hält sich in Grenzen.

Das mag auch daran liegen, dass die Schwester nicht gerade eine seriöse Sympathieträgerin ist: Sie geht gerne mal auf Demos der "Gegen die BRD GmbH" und zeigt sich auf Facebook mit Jürgen Elsässer, Chefredakteur des rechtspopulistischen Magazins "Compact".

Ob die Familie inzwischen mehr Spenden mobilisieren konnte oder ob sie Russland wieder verlassen musste, erfahrt ihr im Video oben.

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