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Dieser Vermieter erlässt seinen Hausbewohnern einen Teil der Miete, wenn sie Flüchtlingen helfen

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EINDHOVEN
Häuser in Eindhoven in den Niederlanden | EschCollection via Getty Images
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  • Ein holländischer Vermieter reagiert kreativ auf Spannungen zwischen einheimischen Bewohnern und Asylbewerbern
  • Wer den Flüchtlingen hilft, bekommt 100 Euro Mietminderung
  • Die Idee: Wer sich kennenlernt, versteht sich besser.

Der klassische Flüchtlingshelfer ist zwischen 20 und 30 Jahren alt und wohnt eher in größeren Städten als auf dem Dorf, so zumindest die Ergebnisse einer gemeinsamen Studie der University of Oxford und der Humboldt-Universität Berlin.

Er gehört einer Bevölkerungsgruppe an, die oft noch halbwegs viel Zeit und wenig Verpflichtungen hat und gleichzeitig aber meist wenig Geld. Die Mieten in den angesagten Großstädten sind hoch, Wohnraum Mangelware.

Die Idee eines niederländischen Vermieters aus Eindhoven könnte deshalb genau in die richtige Kerbe schlagen. Er erlässt seinen Mietern 100 Euro der monatlichen Zahlung, wenn sie Flüchtlingen helfen. Der Anreiz entspricht fast 25 Prozent der durchschnittlichen Miete in den Immobilien - also eine gehörige Erleichterung.

Behördengänge, Arbeitswelt, Müll webringen

Wer für zehn Stunden wöchentlich Asylbewerber dabei unterstützt, sich in der Bürokratie der Behörden und in ihrer neuen Nachbarschaft zurechtzufinden, kann den Rabatt in Anspruch nehmen. Durch die Mietminderung könnten nun auch Niederländer zur Hilfe motiviert werden, die bisher nicht zum ehrenamtlichen Engagement bereit waren, so der Plan.

"Wir wollen Leute im Häuserkomplex finden, die Flüchtlingen dabei helfen, sich hier wohl zu fühlen und die Sitten des Landres kennenzulernen", sagte Thom Aussems, der Direktor der Immobilienunternehmens Trudo gegenüber dem Lokalsender "Omroep Brabant".

Beispielsweise sollen die Mieter frisch angekommenen Flüchtlingen erklären, wie man sich über Ausbildungen informieren kann, wie das Sozialsystem funktioniert oder auch einfach wo man den Müll hinbringt.

Zusammenarbeit statt Spannungen

In Aussems Immobilien wohnen derzeit 85 Flüchtlinge, nächstes Jahr sollen es laut dem "Independent" doppelt so viele sein - da liegt es auch in seinem eigenen Interesse, die Spannungen zwischen den Anwohnern zu verringern.

Die Idee: Wer persönlich Flüchtlinge kennenlernt, hat hoffentlich weniger Vorurteile - und wenn sich die Ankommenden schneller zurechtfinden, wird weniger Anlass gegeben, dass Vorurteile sich bestätigen könnten.

"Spannungen entstehen, wenn Menschen sich nicht kennen, verstehen oder nicht kommunizieren können", erklärt Aussems gegenüber dem "Guardian". Man könne effektiv gegensteuern, wenn man Menschen die Möglichkeit zum Vernetzen und Zusammenarbeiten gebe.

Rechtsruck in den Niederlanden

Im letzten Jahr hatten auch die Niederlande wie der Großteil der EU-Staaten mit Anti-Flüchtlings-Bewegungen zu kämpfen, nationalistische Parteien sind auf dem Vormarsch.

Inspiriert hat den Initiator Aussems ein ähnliches Programm, bei dem Studenten ein Teil der Miete erlassen wurde, wenn sie Mentoren für Schulkinder werden. Dabei konnte laut "Dutch News" 350 Kindern geholfen werden.

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(lp)