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Gesichter des Hasses: Das treibt die Donald Trumps dieser Welt

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HASS
Auf der ganzen Welt sind Rechtspopulisten auf dem Vormarsch. | Own
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Donald Trump war nicht der Erste. Und er ist nicht alleine. Seine Nachricht wird auch nicht so schnell verhallen, selbst dann nicht, wenn er im November eine große Niederlage einfährt. Denn es gibt nicht nur einen amerikanischen Trump, sondern viele andere Trumps weltweit.

In Großbritannien ist es der Brexit-Befürworter Nigel Farage, in Frankreich ist es die Familie Le Pen, in Österreich ist es Norbert Hofer. In Deutschland es eine Partei mit dem plakativen Namen „Alternative für Deutschland“. In Ungarn ist es Viktor Orbàn und in Russland ist es der Ur-Typ aller Trumps, Wladimir Putin.

In immer mehr Ländern sind die Trumpianer auf dem Vormarsch und sie machen sich die immer gleichen Ängste zunutze: nämlich dass die finanzielle, digitale, logistische, politische, ethnische und religiöse Globalisierung dazu führen wird, dass das jeweilige Land die eigene Kultur, Arbeitsplätze und sogar das Leben seiner Bürger nicht mehr wird schützen kann.

Nationalisten auf dem Vormarsch

Was ist ein Land wert, so argumentieren die Trumpianer, wenn es seine Arbeiter, Bürger und Traditionen nicht gegen die Stürme der Einwanderer, mit dem IS sympathisierende Terroristen, Wall Street-Kapitalisten, Silicon Valley-Technik, Soziale Netzwerke und chinesische Waren schützen kann?

Die Antworten, die die Trumps dieser Welt geben, sind einfach. In Ländern überall auf der Welt, besonders in westlichen Demokratien, erleben nationalistische und anti-globale Gefühle eine Blütezeit.

Eine Umfrage unter den 15 internationalen Ausgaben der Huffington Post zeigt, dass Nationalisten und Globalisierungsgegner weltweit im Aufwind sind, von Australien bis nach Japan.

Der US-Meinungsforscher Frank Lutz hat sich in Europa umfassend umgehört und festgestellt, dass Wähler hier sowie auch in den USA die Politik immer häufiger als Wahl zwischen Isolierung und globalem Engagement betrachten.

Globalisierung wurde als Win-Win-Situation gesehen

"Immer mehr Menschen lehnen die etablierten Parteien und eine orthodoxe Parteienstruktur ab", schrieb er Anfang dieses Monats. "Das hat verheerende Folgen für die Politiker und die politischen Strukturen."

Diese Orthodoxie, das Objekt ihrer Wut, hat einen in den USA einen eigenen Namen: Der Washington-Konsens, eine Bündelung wirtschaftlicher Maßnahmen, die nach dem Kalten Krieg bei Eliten sowie einfachen Bürgern in der westlichen Welt auf fruchtbaren Boden stießen.

Globaler Handel und soziale Integration wurden weltweit als eine Win-Win-Situation angesehen, aus der steigender Wohlstand durch Innovationen hervorgingen, die durch neue demokratische Freiheit entfesselt wurde.

Von Davos über die Downing Street bis nach Cannes empfindet die Elite das bis heute so. Auf Amerikas Straßen aber stirbt dieser „Konsens“ gerade, ebenso in vielen europäischen Städten und Gemeinden.

"Schuld sind die Fremden!"

Denn das Wachstum in Europa stagniert. Ausländische Konkurrenz um Arbeitsplätze gibt es überall. Die Reichen sind reicher als jemals zuvor. Die Neuankömmlinge sehen anders aus, sprechen eine andere Sprache und üben eine Religion aus, die vielen als blasphemisch oder gar gefährlich erscheint.

Die Einheimischen fragen sich: Wer schützt uns?

Trump und seine Trumpianer bieten eine simple und komfortable Antwort: Schuld sind die Fremden. Und dieses Land gehört euch. So war es immer, so soll es immer sein.

Während ihre politischen Vorschläge sich unterscheiden, haben Trumpianer in ihren Methoden und Charakterzügen doch vieles gemein:

1. Durch Teilung statt Einigung wollen sie zu politischer Macht gelangen.
2. Sie zeichnen sich durch vulgäre aber effektive Statements aus und einen obsessiven und raffinierten Gebrauch der sozialen Netzwerke.
3. Sie behaupten, Außenseiter des politischen Systems zu sein
4. Sie verbindet auch die Verachtung von Intellektuellen und die Geringschätzung von Journalisten und der freien Meinungsäußerung
5. Autoritarismus geboren aus den eigenen, vor Wut rasenden Egos
6. Und die Fähigkeit, die „gute alte Zeit“ zynisch als eine einfachere Zeit aussehen zu lassen. Eine Zeit, die außer in den Köpfen ihrer Anhänger nie existiert hat.

Der Inhalt ihrer Botschaften variiert zwar in gewissem Maße, die Methoden der Trumpianer weltweit sind aber die gleichen.

Das Ende der Imperien

nigel farage
(Nigel Farage von der UK Independence Party steht auf dem Podium in Thurrock, England, am 15. April 2015. Von seinen Unterstützern erntet er Applaus für das Wahl-Manifest seiner Partei.)

Auftritt Donald Trump. Mit seinen Versprechen vom leicht verdienten Reichtum, seinen ausschweifenden Hassreden und seinem verkäuferischen Talent, das Gute einfach aussehen zu lassen und alles Schlechte den Einwanderern zur Last zu legen.

Wenn Trump verkündet, Amerika wieder groß machen zu wollen, dann spricht er tatsächlich von einem Wunschdenken, einer Fantasie: Die Vereinigten Staaten in eine Zeit zurückzubringen, in der sie die absolute Kontrolle über ihr nationales Schicksal in den Händen hatten.

Seine vergifteten rassistischen, ausländerfeindlichen und wirtschaftlich-populistischen Parolen werden von der Hysterie und Angst der Weißen getragen, ihren Platz zu verlieren. Nicht nur in der Welt, sondern auch in der US-amerikanischen Kultur selbst.

London hat jetzt einen Bürgermeister mit pakistanischen Wurzeln

Die Wähler in Großbritannien, dem Mutterland der USA, hegen schon lange keine imperialistischen Illusionen mehr, die sie verlieren könnten. Aber auch, wenn die Sonne über dem Empire schon lange untergangen ist, glauben die besonders Ängstlichen immer noch dafür kämpfen zu müssen, die Überbleibsel der alten Zeit zu erhalten.

Als eine besonders bekannte Ironie der Geschichte sind es jetzt die Einwanderer der äußersten östlichen Grenzen des verblassten Reiches (Pakistan und Indien insbesondere), die jetzt in London, der alten imperialen Stadt, an die Macht streben.

Das alles feuert die Bewegung in Großbritannien, aus der EU auszutreten, weiter an und verhilft Nigel Farage, dem einst mit Skepsis betrachteten Anführer der UK Independence Party (kurz Ukip), zu immer mehr Wählern.

Zehn Jahre lang hat Farage immer wieder damit getönt, dass Großbritannien in Wirklichkeit von der EU gelenkt würde. Keiner schenkte ihm Gehör.

London hat jetzt einen Bürgermeister mit pakistanischen Wurzeln

Im Jahr 2004 begann Farage, vermehrt über Einwanderung zu sprechen und plötzlich hatte er die Aufmerksamkeit von Millionen von Wählern.

Farage ist Mitglied des Europäischen Parlaments - allerdings scheiterte es siebenmal, ins britische Parlament gewählt zu werden. Er ist davon überzeugt, dass die Regelung der EU, seinen Wohn- und Arbeitsort frei wählen zu dürfen, der deutlichste Beweis dafür ist, dass die Gesetzgeber in Großbritannien die Kontrolle über ihr Land längst verloren haben.

Die Taktik, ständig die Einwanderung zu thematisieren, hat Farages Partei von einer Außenseiterposition, von der aus sie lediglich unzufriedene Wähler der Konservativen ansprachen, in den Fokus der Aufmerksamkeit gerückt. Ukip versammelt eine große Zahl von Working-Class-Wählern hinter sich, die sich von den etablierten Politikern in ihrer Sorge über die steigenden Einwandererzahlen übergangen und vergessen fühlen.

Mit einem Pint in der einen und einer Zigarette in der anderen Hand, hat Farage das Bild von sich als den einfachen Mann aus dem Volk kultiviert. Jemand, der sich nicht scheut, das auszusprechen, was der einfache Wähler denkt.

Farage spricht ganz offen über die angeblichen Gefahren des Lebens in einem „deutsch-dominierten Europa“. Nur zu gerne verkündet er (ohne einen sicheren Beweis zu besitzen), dass HIV-positive Einwanderer nach Großbritannien kämen, um das dortige Gesundheitssystem auszunutzen.

Farage gibt Einwanderern die Schuld

Die Probleme des Gesundheitssystems, der Schulen und des Wohnungsbaus gingen vollständig auf unkontrollierte Einwanderung zurück. Er zögert nicht, auf kontroverse Themen zurückzugreifen, um seine Agenda voranzutreiben. Farage behauptet, es bestünde die Gefahr massiver sexueller Übergriffe in Großbritannien, wenn die Türkei der EU beitreten sollte und verweist dabei auf die Übergriffe an Silvester in Deutschland.

Während viele darüber verärgert sind, dass Farage die dunkle Seite der Politik für sein persönliches Vorankommen ausnutzt, denken nicht wenige auch, dass Farage ein frischer Wind auf die politische Bühne bringt, der die Elite gehörig durcheinanderwirbeln kann.

Fast vier Millionen Menschen haben UKIP bei den letzten Wahlen ihre Stimme gegeben, und es war einzig das verzwickte britische Wahlsystem, dass der UKIP trotzdem nur zu einem Sitz im britischen Unterhaus verholfen hat.

Idealbild versus Realität in einem vereinten Europa

Frankreich und Deutschland sind die Zwillingsmotoren der „Europäischen Idee“, der Bemühung, eine blühende Demokratie mit 500 Millionen Einwohnern zu schaffen, die sich von Irland bis an die Küste des Schwarzen Meeres erstreckt.

In vielerlei Hinsicht hat das funktioniert: Die EU ist das größte Handelswesen des Planeten, aber die Regierungen in sowohl Frankreich wie auch Deutschland werden von den Konsequenzen ihres eigenen Idealismus‘ heimgesucht.

Die Franzosen sehen sich selbst als Hüter der idealen Menschenrechte und die Deutschen sind größtenteils entschlossen, der Welt zu beweisen, dass Hitler eine unaussprechliche Verirrung unter Menschen war, deren künstlerische und wissenschaftliche Leistungen und Erfolge die Grundlage des modernen Lebens sind. Obwohl Hitler in Österreich geboren wurde, wissen die Deutschen, dass er immer mit Deutschland in Verbindung gebracht werden wird.

Aber das Projekt, die EU auf großen moralischen Werten aufzubauen, wird nun von einem Protest der Wähler gegen Einwanderung und Flüchtlinge herausgefordert.

Front National will die Mitte erobern

Für Frankreich bedeutete das den Aufstieg des Front National, einer reaktionären Partei, die die Stimmen von mehr als einem Viertel aller Wähler gewinnen konnte, und das in einem Land, mit einem weitgefächerten Meinungsspektrum.

Der Front National unterstützt Donald Trumps „Anti-Establishment“-Kampagne. Aber die Vorsitzende der Partei, Marine Le Pen, die derzeit eher in die Mitte rückt, um die zweite Runde der Präsidentschaftswahlen im nächsten Jahr zu erreichen, verbittet sich jegliche Vergleiche mit dem Milliardär.

„Ich bin keine Amerikanerin… Ich verteidige das französische Volk, ganz gleich welcher Religion es angehört“, sagt Le Pen, und weißt damit auf den Unterschied zwischen sich und Donald Trump hin, der Muslimen ganz offen feindselig gegenüber steht.

marin le pen
(Marine Le Pen, Vorsitzende der rechten französischen Partei Front National, gestikuliert während eines Treffens im Geschäftssitz in Nanterre, westlich von Paris. 27. Mai 2014.)

Mehr als mit Marine Le Pen werden Trump und seine Provokationen mit dem früheren Vorsitzenden des Front National in Verbindung gebracht, dem Holocaust-Leugner Jean-Marie Le Pen, dem Vater von Marine (der verkündete, Trump zu wählen, wenn er es könnte).

Auch Sarkozy ahmt Trump nach

Andere jedoch nehmen sich ein Beispiel an Trump, ganz besonders der frühere Präsident Frankreichs, Nicolas Sarkozy. Er will Stimmen mit einer Kampagne gewinnen, die die Einwanderung und die französische Identität in den Fokus stellt.

Auch wenn er Trumps rüpelhaftes Verhalten und seine aufrührerischen Ideen vielleicht nicht gutheißt, so sieht Sarkozy doch auch Vorteile in der Strategie des Immobilien-Tycoons.

„Seht euch die US-Kandidaten, die von den Medien und dem Establishment unterstützt werden, doch an: Sie werden von den Kandidaten des Volkes weggespült“, so Sarkozy. „Ihr werdet sehen, wie es im November in Frankreich laufen wird.“

Auch Sarkozy ahmt Trump nach

Deutschland hat es nicht mit einem einzelnen großen Trump zu tun, sondern mit einer Vielzahl von kleinen Trumps bei der AfD, die in den Landtagswahlen dieses Jahr große Gewinne erzielen konnten. Ihre Medienstrategie gleicht Donald Trumps Kampagne, geladen mit Anspielungen und Zweideutigkeiten. Zuerst provozieren, Schlagzeilen machen, dann für Deeskalation sorgen. Ob bei AfD-Chefin Frauke Petry oder Alexander Gauland - es ist immer dieselbe Taktik.

Im benachbarten Österreich, einem Land, das eine eigene virulente nationalsozialistische Vergangenheit hat, aber keinen politischen Führer von der Statur einer Angela Merkel besitzt, ist die Politik dem Vorbild Trumps noch weiter gefolgt. Die Anti-Einwanderungspartei FPÖ scheiterte nur knapp bei der Wahl zum Bundespräsidenten.

Wie geht es jetzt weiter?

norbert hofer
(Norbert Hofer, Kandidat für das Amt des österreichischen Bundespräsidenten)

Aber trotz ihres kometenhaften Aufstiegs ist den Trumpianern der Erfolg nicht sicher.

Ein Fehltritt nach dem anderen

In Großbritannien überwiegen die Befürworter eines Verbleibes des Landes in der EU wieder, nicht zuletzt auch wegen des schockierenden Attentats auf die beliebte Labour-Abgeordnete Jo Cox aus Nordengland.

In Frankreich könnte Le Pen, Sarkozy und allen anderen der Erfolg so lange versagt bleiben, bis sie so weit in die politische Mitte rücken, dass sie alle Qualitäten eines Trumpianers verlieren.

In den USA scheint Donald Trump ein Opfer seiner eigenen egomanischen Missachtung des Anstands und selbst des Gesetzes zu werden.

Innerhalb von zehn desaströsen Tagen hat Trump es geschafft, in jedes nur mögliche Fettnäpfchen zu treten. Er bezichtigte einen in den USA geborenen Bundesrichter aufgrund seiner mexikanischen Wurzeln als befangen. Er setzte die Washington Post, eine der wichtigsten Zeitungen des Landes, auf seine mediale Schwarze Liste. Nach dem furchtbaren Amoklauf in einem Nachtclub für Homosexuelle in Orlando fiel Trump in seiner ersten Prüfung als möglicher amerikanischer Präsidentschaftskandidat durch, als er weiter Zwietracht säte, statt ruhige Worte des Zusammenhaltes zu wählen.

Letztendlich werden Trump und Konsorten vielmehr der Schlusssatz als die Ouvertüre sein, mehr ein Schrei der Verzweiflung als ein Wegweiser in eine kraftvolle Zukunft.

Mit Berichten von Owen Bennett aus Großbritannien, Geoffrey Clavel aus Frankreich und Benjamin Reuter aus Deutschland, sowie Beiträgen anderer internationaler Ausgaben der Huffington Post.

Dieser Artikel erschien zuerst in der Huffington Post USA und wurde von Cornelia Lüttmann aus dem Englischen übersetzt.

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