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Letzte TV-Debatte vor dem Referendum endete für Brexit-Gegner im Desaster

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  • Die letzte TV-Debatte vor dem Referendum endete in einer Niederlage für die Brexit-Gegner
  • Die Brexit-Gegner brachten zwar Wirtschaftsstudien und sachliche Argumente vor
  • Doch Londons Ex-Bürgermeister Boris Johnson appellierte an den Nationalstolz - und erntete stürmischen Applaus

Morgen Abend könnte sich Europa radikal verändern. Denn am Donnerstag werden die Briten an die Wahlurnen treten, und über einen Austritt aus der Europäischen Union abstimmen.

Doch Panik ist weder in Brüssel noch Berlin zu spüren. An den Währungsbörsen sind keine großen Ausschläge bei Pfund und Euro zu sehen. Und das, obwohl die Umfragen zeigen: Alles ist möglich.

Dennoch wird die Brexit-Diskussion hierzulande häufig als eine weitere britische Exzentrität angesehen, so wie "Monty Pythons"-Sketche und labbriges Rührei und Bohnen zum Frühstück. Die Briten eben: herrlich verrückt!

TV-Debatte fasste die ganze Brexit-Diskussion perfekt zusammen

Die letzte TV-Debatte in Großbritannien vor dem Referendum fasste die ganze Brexit-Debatte exemplarisch zusammen: Die Brexit-Gegner brachten sachliche und gute Argumente für einen Verbleib in der EU, während die Befürworter an den gekränkten Nationalstolz der Briten appellierten - und dafür stürmischen Applaus ernteten.

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Die in der BBC übertragene Fernsehdebatte sollte die letzte große Schlacht um noch unentschlossene Wähler werden. Umfragen zufolge, haben bis zu einem Drittel der Wahlberechtigten noch keine Wahlentscheidung getroffen.

Das Lager der Brexit-Gegner wurde von Londons muslimischem Bürgermeister Sadiq Khan angeführt: Smart, gut gekleidet, gut vorbereitet und sachlich warb er für die EU -obwohl er wegen des Ramadan den ganzen Tag nichts gegessen und getrunken hatte.

"Ihr Wahlkampf war 'Projekt Hass'"

Die Befürworter wurden vom Ex-Bürgermeister Londons Boris Johnson angeführt - der wie eine britische Version von Donald Trump wirkte: lautstark, provozierend und mit verstrubbelten Haaren.

Die Gegner eines Austritts Großbritanniens aus der EU verwiesen in der Debatte auf die zahlreichen Experten und Institutionen, die vor einem wirtschaftlichen Schock im Falle eines Brexit warnen.

"Nennen Sie mir ein Land, das uns ein besseres Freihandelsabkommen anbietet, wenn wir die EU verlassen", fordert Ruth Davidson, Brexit-Gegnerin und Vorsitzende der schottischen Konservativen, ihren Parteifreund Johnson auf.

Johnson warf der Gegenseite vor, sie habe nichts als Furcht verbreitet. Khan bezichtigte ihn dagegen einer Hass-Kampagne gegen Zuwanderer. "Was das Thema Zuwanderung angeht, war Ihr Wahlkampf nicht das 'Projekt Angst', sondern das 'Projekt Hass'", schleudert er den Brexit-Befürwortern entgegen.

Die letzten Worte der Debatte gehörtem dem Brexit-Befürworter

Johnson sei sich auch für "dicke, fette Lügen" nicht zu schade. Und das, obwohl nach dem grausigen Mord an der Labour-Abgeordneten Jo Cox in der vergangenen Woche beide Seiten zur Mäßigung aufgerufen hatten.

An dem Punkt sah es aus, als habe Khan die Debatte gewonnen. Doch die letzten Worte der Debatte gehörten Johnson.

Er sagte, die Briten stünden vor der Wahl "zwischen denen, die unser Land ununterbrochen schlecht gemacht haben und uns, die wir an Großbritannien glauben. Sie sagen: wir schaffen es nicht. Wir sagen: sie schaffen es!"

Die Briten müssten sich die Kontrolle zurückholen über ihre Grenzen, ihre Finanzen und die Demokratie, "welche die Basis für unseren Wohlstand ist", sagte Johnson.

"Sie unterschätzen furchtbar, was dieses Land tun kann"

"Sie sagen, wir haben keine Wahl, uns Brüssel zu beugen. Sie unterschätzen furchtbar, was dieses Land tun kann", rief Johnson.

"Wenn wir für die Demokratie aufstehen, sprechen wir für Hunderte Millionen von Menschen in Europa, die mit uns einer Meinung sind, aber keine Wahl haben. Wenn wir gehen und uns die Kontrolle zurückholen, bin ich überzeugt, kann dieser Donnerstag zu unserem Independence Day werden", schloss Johnson.

Stürmischer, minutenlanger Applaus im Publikum - mit wenigen Worten hatte Johnson das Duell für sich entschieden.

Die Sendung zeigt, warum die Gefahr eines Brexit unterschätzt wird: Nationalstolz kann über sachliche Argumente siegen.

Mit Material der dpa

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