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Sechs kaum beachtete Folgen, die ein Brexit hätte

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BREXIT
Am 23. Juni wird über den Brexit entschieden | George Clerk via Getty Images
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  • Das britische Volk entscheidet am 23. Juni über den Verbleib in der EU
  • Ein Brexit hätte gravierende Folgen für Europa
  • Die Huffington Post zählt sechs kaum beachtete Konsequenzen auf, die viele Menschen betreffen würden

Viel ist in den vergangenen Wochen über mögliche Folgen des Brexit geschrieben worden. Wie Europa nach einem Brexit zerbrechen würde und wie die Wirtschaft auf dem Kontinent leiden könnte. Doch es gibt auch ungewöhnlich und teils kuriose Folgen eines Brexit, über die bisher wenig berichtet wurde. Hier sind 6 von ihnen:

1. Die britische Wirtschaft würde plötzlich unter Arbeitermangel leiden

Zwischen den Jahren 1995 bis 2015 hat sich die Zahl der Migranten in Großbritannien von 0.9 Millionen bis auf 3.3 Millionen Menschen mehr als verdreifacht. Vor allem die Öffnung der EU nach Osten im Jahr 2004 hat dazu geführt, dass viele Menschen vor allem aus Polen nach Großbritannien emigriert sind.

Der Austritt aus der EU hätte zur Folge, dass Menschen ohne britische Staatsangehörigkeit schwieriger einen Job erhalten. Die Menschen müssten sich erstmal um eine Arbeitserlaubnis kümmern, was potenzielle Arbeiter abschrecken würde.

Dabei "sind aus wirtschaftlicher Sicht die ausländischen Arbeitskräfte unerlässlich“, warnte kürzlich die Ökonomin Miray Erinc.

2. Brexit würde zum Verlust von Sicherheit führen

Christoph Meyer, Politik-Professor am Kings College in London, warnte in der Zeitung „The Telegraph“, dass der Brexit die EU und Großbritannien unsicherer machen würde. Denn der Informationsfluss innerhalb den Sicherheitsinstitutionen der EU würde wohl gestoppt werden müssen, eine länderübergreifende Fahndung wie bei den Terrorattacken in Paris im November 2015 würde schwieriger.

3. Reisen nach Großbritannien würden wohl teurer

Urlaub in London würde nach einem Brexit wohl teurer. Denn die EU-Mitgliedschaft Großbritanniens hat unter anderem zur Folge, dass die Flughafengebühren stark gesunken sind. Das ist unter anderem ein Grund für den Erfolg der Billigfluggesellschaften.

Bei einem Austritt würden die Flugkosten nach Großbritannien ansteigen. Zusätzlich wären Krankheiten im Urlaub mit größeren Komplikationen verbunden. Die europäische Krankenversicherungskarte (EHIC) ermöglicht es, überall in Europa eine kostenlose Behandlung zu bekommen.

Bei einem Brexit müsste man sich entweder eine zusätzliche Versicherung anschaffen oder die Arztgebühren vor Ort zahlen. Außerdem wäre es nach einem Brexit teurer, von Großbritannien aus zu telefonieren, weil die Roaming-Gebühren stiegen würden. In der EU sollen die Roaming-Gebühren im Juni 2017 abgeschafft werden.

4. Studenten vom Kontinent müssten mehr für die Uni zahlen

In den vergangenen zwei Jahren waren rund 125.000 europäische Studenten an britischen Unis eingeschrieben. Für viele ist ein Studium in Großbritannien nicht nur wegen der Qualität der Unis interessant, sondern auch, um die Sprache perfekt zu lernen.

Laut EU-Regeln müssen Studenten aus EU-Ländern gleich hohe Studiengebühren wie ihre britischen Kommilitonen zahlen. Ein Brexit könnte zur Folge haben, dass die Studiengebühren für Europäer ansteigen. In Oxford zum Beispiel zahlen Studenten aus Nicht-EU-Staaten im Fach Jura rund 15.000 Pfund, britische und Studenten aus den EU-Ländern nur 4.000 Pfund.

5. Die Forschung in Großbritannien würde leiden

Auch die Forschung und - damit verbunden - der Arbeitsmarkt für Hochqualifizierte würden einen Brexit spüren, warnt der Bildungsökonom Stefan Wolter von der Universität Bern.

"Wenn es zu einem Ausschluss von EU-Forschungsgeldern kommen sollte, könnte es größere Verschiebungen geben. Viele dieser Forscher sind höchst mobil, sie dürften sich dann schnell in Richtung anderer Länder orientieren." Das habe man teils auch in der Schweiz gesehen, "als wir 2014 von den europäischen Töpfen ausgeschlossen wurden".

6. Der englische Fußball würde leiden

Der flammendste Appell aus der Welt des Fußballs gegen einen Brexit kommt von David Beckham. Die Sport- und Werbe-Ikone erinnerte an frühere europäische Teamkollegen wie Frankreichs Eric Cantona und beendete sein Plädoyer gegen den EU-Austritt Großbritanniens mit einem Wahlentschluss: "Remain" (Bleiben).

Spieler mit einem Pass eines EU-Mitglieds dürfen bislang ohne Einschränkung für einen Club aus dem Vereinigten Königreich arbeiten. Dies wäre nach aktuellen Bestimmungen bei einem Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union nicht mehr der Fall. Die Spieler würden dann wie Akteure aus einem Nicht-EU-Staat behandelt, und strikte Kriterien für den Erhalt einer Arbeitserlaubnis erfüllen.

In der vergangenen Saison hätte rund eine dreistellige Zahl an Spielern aus EU-Ländern allein in der Premier League keine Arbeitserlaubnis erhalten - der "Telegraph" kommt auf 95. Die BBC rechnet mit gut 100, in den obersten beiden Ligen Englands und Schottlands seien insgesamt 332 Spieler betroffen. Deutsche Profis wie Emre Can oder Robert Huth würden keine Arbeitserlaubnis bekommen.

Mit Material der dpa

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(lp)