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Bild von totem Flüchtlingskind mit rechter Parole beschmiert

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AYLAN KURDI
dpa
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  • Das Frankfurter Wandgemälde des Flüchtlingsjungen Aylan Kurdi wurde mit einer rechten Parole beschmiert
  • Die beiden Künstler werden schon länger wegen ihrem Graffito bedroht
  • Mit ihrem Werk wollten sie wie viele Künstler die Flüchtlingspolitik der EU anprangern

Zum zweiten Mal innerhalb von drei Monaten ist es passiert: Das Frankfurter Wandbild, das den ertrunkenen Flüchtlingsjungen Aylan Kurdi zeigt, wurde beschmiert.

Schon Mitte März hatten Unbekannte das Graffito, das weltweit für Aufmerksamkeit sorgte, mit weißen Farbklecksen beschädigt. Dieses Mal war die Botschaft noch eindeutiger. Gesicht und Oberkörper des Kindes wurden mit silberner Farbe übermalt, darauf wurde der Spruch "Grenzen retten Leben", ein Appell für eine weniger liberale Flüchtlingspolitik, geschrieben.

Die zynische Parole "Grenzen retten Leben" wurde von der rassistischen "Identitären Bewegung" geprägt, die in Sachsen bereits vom Verfassungsschutz beobachtet wird.

"Es ist so respektlos gegenüber diesem Jungen“, sagt Oguz Sen, einer der beiden Künstler des Wandgemäldes gegenüber der "Frankfurter Rundschau". „Wir werde hier gerade von rechts orientierten Menschen angegriffen, da hört für mich der Spaß auf.“ Schon seit Monaten würden er und Justus Becker rassistische Drohmails erhalten.

Die Fotos des Leichnams sorgten weltweit für Entsetzen

Am liebsten würden die beiden das Bild nun so schnell wie möglich wiederherstellen. Nur: Aktuell fehlen ihnen die benötigten 500 Euro für Gerüst und Farbe.

Oguz Sen und Justus Becker hatten das 20 mal sechs Meter große Wandgemälde im März in Frankreich gesprüht. Sie erinnern damit an den drei Jahre alten Flüchtlingsjungen Aylan Kurdi, der vergangenen September bei der Überfahrt von der Türkei nach Griechenland im Mittelmeer ertrunken war.

Bei dem Bootsunglück in der türkischen Ägäis waren fünf Flüchtlinge ums Leben gekommen, darunter neben Aylan auch dessen Bruder und Mutter. Aylans Körper war im Urlaubsort Bodrum angespült worden. Das Foto seines leblosen Körpers ging um die Welt und wurde zum Symbolbild der Flüchtlingsmisere.

Ai WeiWei, Cat Stevens und Co: Protest gegen die Flüchtlingspolitik der EU

Weltweit griffen viele Künstler das Bild auf, um gegen die Flüchtlingspolitik der EU zu protestieren. Unter anderem Ai Weiwei posierte in einem Tribut als Aylan Kurdi. Der chinesische Konzeptkünstler engagiert sich seit Beginn der Flüchtlingskrise in seiner Kunst und vor Ort für Flüchtlinge.

Ein indischer Künstler stellte den leblosen Jungen aus Sand nach und kritisierte die mangelnde Menschlichkeit der EU.

Und der Musiker Yusuf Islam, ursprünglich Cat Stevens, widmete dem kleinen Jungen einen Song.

Das dänische Satiremagazin "Spot" wies in einer Zeichnung darauf hin, dass Aylan Kurdis schreckliches Schicksal bei weitem kein Einzelfall ist.

Im Fall des syrischen Jungen wurden zwei Schlepper wegen Menschenschmuggel im März zu jeweils vier Jahren und zwei Monaten Haft verurteilt. Von dem Vorwurf der fahrlässigen Tötung habe das Gericht die beiden Syrer aber freigesprochen.


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(lp)