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J.K. Rowling hat eine eindrückliche Botschaft an die Brexit-Befürworter

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"Ich weiß, wie man ein Monster erschafft": J.K. Rowling hat eine eindrückliche Botschaft an die Briten | dpa / HuffPost
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  • Am Donnerstag stimmen die Briten über den Verbleib in der EU ab
  • Auch zahlreiche Promis haben sich jetzt in den Wahlkampf eingeschaltet

Kurz vor dem Referendum erreicht die Diskussion um den Brexit ihren Höhepunkt. Jetzt hat sich auch eine weltbekannte Britin eingeschaltet: Autorin J.K. Rowling wirft Ukip-Chef und Brexit-Befürworter Nigel Farage vor, bei seiner Kampagne zum EU-Referendum Nazi-ähnliche Propaganda zu verwenden.

In einem Artikel, den sie Anfang der Woche auf ihrer Website veröffentlichte, schrieb die Harry-Potter-Autorin, die Wähler müssten sich vor ihrer Entscheidung für den Brexit eines vor Augen führen: nämlich dass die "Leave-Kampagne" für den Austritt Großbritanniens aus der EU von "Rassisten" angeführt werde.

Rowling warnte davor, dass bei der Kampagne auf beiden Seiten versucht werde, die Wähler "mit dem Monster ihrer jeweiligen Wahl einzuschüchtern".

Brexit-Kampagne: "Monster, um unsere Ängste zu schüren"

"Das Bild von Nigel Farage, wie er vor einem Plakat mit syrischen Flüchtlingen und der Aufschrift 'Breaking Point' (dt. Belastungsgrenze, Anm. d. Red.) steht, ist praktisch identisch mit denen, die Rechtsextreme zu Propagandazwecken verwenden“, schreibt sie.

(Nigel Farage vor dem umstrittenen Plakat)

Der Chef der UK Independence Party (Ukip) wurde von beiden Lagern des Referendums für das Plakat kritisiert. Farage hingegen warf David Cameron und anderen Parlamentsabgeordneten, die sich für den Verbleib Großbritanniens in der EU aussprechen, vor, das Plakat ungerechterweise mit dem Mord an der Labour-Abgeordneten Jo Cox in Verbindung zu bringen.

In ihrem Artikel merkt Rowling an, dass die Kampagnen zum Referendum "uns deshalb ansprechen, weil wir das universelle Bedürfnis in uns tragen, uns die Welt durch erfundene Geschichten zu erklären. Und die Kampagnen schrecken nicht einmal davor zurück, Monster heraufzubeschwören, um damit unsere tiefsten Ängste zu schüren."

"Ich bin nicht in besonders vielen Bereichen Expertin, doch ich weiß, wie man ein Monster erschafft“, schreibt sie.

"Ich finde auch nicht, dass die EU perfekt ist"

An die Befürworter des "Leave-Lagers" richtet die Autorin, die selbst für den Verbleib Großbritanniens in der EU stimmen will, harsche Kritik.

"Es ist unehrenhaft, allen Anhängern der 'Leave-Kampagne' vorzuwerfen, dass sie Rassisten und Fanatiker seien, wie dies in der Vergangenheit sehr häufig geschah. Und dennoch ist es ebenso absurd, so zu tun, als gebe es nicht scharenweise Rassisten und Fanatiker unter den Befürwortern der 'Leave-Kampagne' oder als führten diese nicht auf gewisse Weise die Kampagne an. Allein diese Tatsache sollte ausreichen, um einige von uns nachdenklich zu machen", sagte sie.

"Ich finde auch nicht, dass die EU perfekt ist. Welche menschliche Vereinigung könnte nicht ein paar Verbesserungen vertragen? Es gibt überall Schwachstellen und Meinungsverschiedenheiten, ob es dabei nun um Freundschaften, Ehen, Familien, Arbeitsverhältnisse oder um politische Parteien, Regierungen und kulturelle und wirtschaftliche Unionen geht. Weil wir eben Menschen sind."

"Trumps Wurstfinger sind erschreckend nahe an den Atomwaffen-Codes der USA"

Rowling nahm auch Donald Trump, den Präsidentschaftskandidaten der Republikaner, der noch in dieser Woche nach Großbritannien reisen wird, ins Visier. Er sei "außer dem Namen nach durch und durch ein Faschist".

"Seine Wurstfinger sind erschreckend nahe an den Atomwaffen-Codes der USA dran", schreibt sie.

"Sein Temperament gleicht dem eines unausgeglichenen Diskotheken-Türstehers. Er freut sich, wenn bei seinen Wahlkampfveranstaltungen Gewalt ausbricht und er trägt seine Verachtung gegenüber Frauen und Minderheiten voller Stolz vor sich her. Möge Gott Amerika helfen. Möge Gott uns allen helfen."

Farages Kampagne löste nicht nur bei Brexit-Gegnern wie Rowling, sondern auch bei Befürwortern Entsetzen aus. Michael Gove, der Chef der "Vote-Leave-Kampagne", sagte, Farages Plakat habe ihn "erschaudern lassen".

Farages Verhalten ist "widerlich"

Der konservative Finanzminister George Osborne, der für einen Verbleib Großbritanniens in der EU wirbt, sagte, das Plakat sei "widerlich" und verglich es ebenfalls mit Nazi-Propaganda. Premierminister David Cameron urteilte, es handle sich dabei um den "verantwortungslosen Versuch, den Menschen Angst einzujagen".

Farage selbst verteidigte seine Aktion. "Als ich das Plakat veröffentlichte, gab es überhaupt keinen Wirbel darum", behauptete der Ukip-Chef am Montag im Interview mit dem britischen Radiosender LBC.

Dieser Artikel ist ursprünglich bei der Huffington Post UK erschienen und wurde von Susanne Raupach aus dem Englischen übersetzt.

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