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Brexit-Referendum: Junge Abgeordnete schreiben emotionalen Brief

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REMAIN
Junge Abgeordnete schreiben emotionalen Brief: "Wir wollen nicht die Generation Brexit sein" | Getty / Reuters
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  • Junge Abgeordnete verschiedener Parteien werben in einem emotionalen Brief für den EU-Verbleib Großbritanniens
  • Die britischen Politiker wollen nicht als "Generation Brexit" in die Geschichte eingehen
  • Am Donnerstag steht das EU-Referendum an

In Großbritannien wird am Donnerstag über den Verbleib des Landes in der EU abgestimmt. Das Referendum könnte auch zum Aufeinandertreffen der Generationen werden. Eine Gruppe junger Abgeordneter unterschiedlicher Parteien mahnte jetzt junge Wähler, sich nicht von den von den Brexit-Befürwortern geschürten Ängsten verunsichern zu lassen.

Mit nur noch zwei Tagen bis das Land im EU-Referendum abstimmt, haben sich 16 Abgeordnete der konservativen, der Labour und der schottischen Nationalpartei zusammengeschlossen und einen gemeinsamen Brief unterzeichnet, der vor dem von UKIP-Vorsitzenden Nigel Farage gezeichneten "wütenden, intoleranten und begrenzten“ Bild des Vereinigten Königreichs warnt.

Großbritannien als Land der Zukunft

Darin schreiben sie: “Der Volksentscheid bezüglich der EU ist nicht nur eine wirtschaftliche Entscheidung, sondern auch eine darüber, was für eine Art von Land das Vereinigte Königreich ist - und sein sollte. Ein Land der Zukunft: offen, gesellschaftlich liberal, tolerant und florierend“.

Unter den Unterzeichnenden des Briefes sind Lisa Nandy und Luciana Berger, beide Schattenminister der Labour-Partei, Chloe Smith, ehemalige Ministerin im Schatzamt der Konservativen Partei, und Callum McCraig, Frontbencher der Scottish National Party (SNP).

Wahl der Generationen

Tendenziell ergeben die Prognosen, dass junge Menschen am Donnerstag eher zu Gunsten der EU-Mitgliedschaft abstimmen werden, ältere Briten neigen eher zum Brexit-Vote.

Die Abgeordneten der drei opponierenden Parteien schreiben, dass, obwohl sie in vielen Dingen anderer Meinung sind, sie alle an die EU-Mitgliedschaft des Vereinigten Königreichs glauben:„Junge Menschen könnten diese Wahl entscheiden. Mehr als jemals zuvor haben für die Wahl registriert. Wir sind diejenigen, die am meisten davon profitieren werden, in der EU zu bleiben, und gleichermaßen am meisten zu verlieren haben, sollte die Wahl negativ ausfallen.“

"Wir sind nicht aufgewachsen, um alte Kämpfe auszutragen"

„Wir alle sind deutlich später geboren worden als die meisten anderen Abgeordneten. Wir sind nicht aufgewachsen um erneut alte Kämpfe auszutragen. Wir sind in die Politik gegangen um die Zukunft gestalten zu können. Und obgleich wir die meisten Dinge aufs Äußerste im Parlament debattieren, teilen wir eine gemeinsame Ansicht: dass die bestmögliche Zukunft für unsere Generation eine innerhalb der Europäischen Union ist.

Weiter heißt es: "Wir wollen nicht die ‚Generation Brexit’ sein – ärmer, abgeschnitten von der Außenwelt und weniger in der Lage die globalen Probleme, die das Vereinigte Königreich betreffen, verändern zu können.“

Brexit trifft gerade die jungen Menschen

Die Abgeordneten warnen, dass ein Brexit wahrscheinlich einen Konjunkturrückgang hervorrufen würde, der 16 bis 24-Jährige am schlimmsten treffen würde. Die EU, so die Abgeordneten, führe dagegen günstigeren Reise- und Telefonkosten herbei. "Als Nächstes wird die EU die Download-Kosten für Filme senken. Unsere Generation baut ihre Zukunft darauf auf, vernetzt zu sein."

"Gemeinschaftliches Arbeiten ist nicht immer einfach. Es kann oftmals zu Problemen oder Rückschlagen führen. Innerhalb einer Gruppe ist es nicht immer möglich, die eigene Meinung durchzusetzen. Dennoch ist es besser, gemeinsam mit anderen Nationen die Probleme unserer heutigen Zeit zu lösen zu versuchen- und häufig gelingt es uns. Wir bevorzugen die Vorteile der Mitgliedschaft zu der Alternative des Alleingangs, dieser ‚Wir gegen die Anderen’-Dystopie.", heißt es in dem Brief.

Auch Ed Miliband bemüht sich um junge Stimmen

Lasst uns der EU nicht den Rücken zukehren, unsere Ambitionen herunterschrauben oder den Horizont aus den Augen verlieren. Unsere Generation weigert sich, Großbritannien als ein nach innen gerichtetes, isoliertes Land wahrzunehmen.“

Um die Jugend zu aktivieren, veröffentlichte auch der ehemalige Parteichef der Labour Party Ed Miliband ein Video, das die Pro-EU-Kampagne als „zukunftsorientierte, positiv optimistisch“ darstellt.

Der Brief in voller Länge

Der Volksentscheid bezüglich der EU ist nicht nur eine wirtschaftliche Entscheidung, sondern auch eine darüber, was für eine Art von Land das Vereinigte Königreich ist- und sein sollte. Ein Land der Zukunft - offen, gesellschaftlich liberal, tolerant und florierend. Oder Nigel Farages Großbritannien - wütend, intolerant, begrenzt, sepiafarben.

Wir alle sind deutlich später geboren worden als die meisten anderen Abgeordneten. Wir sind nicht aufgewachsen um erneut alte Kämpfe auszutragen. Wir sind in die Politik gegangen um die Zukunft gestalten zu können. Und obgleich wir die meisten Dinge aufs Äußerste im Parlament debattieren, teilen wir eine gemeinsame Ansicht: dass die bestmögliche Zukunft für unsere Generation eine innerhalb der Europäischen Union ist.

Wir wollen nicht die ‚Generation Brexit’ sein – ärmer, abgeschnitten von der Außenwelt und weniger in der Lage die globalen Probleme, die das Vereinigte Königreich betreffen, verändern zu können.

Bei der EU handelt es sich nicht nur um ein historisches Projekt. Es ist ein praktisches Projekt, welches dafür sorgt, jene Dinge umzusetzen, die für unsere Generation wichtig sind, und welche ein auf sich allein gestelltes Vereinigtes Königreich nicht beeinflussen kann.

Seien es der Klimawandel und dessen weltweite Folgen, das Beschützen unserer Umwelt, die fortlaufende Flüchtlingskrise oder der Kampf gegen weltweite Armut- die besten Resultate benötigen eine europäische Kooperation. Kein Land, wie stark und reich es auch sein mag, kann mit den aktuellen weltweiten Herausforderungen im Alleingang umgehen.

Nehmen wir die Umwelt als Beispiel. Es macht wenig bis keinen Sinn, wenn jedes Land für sich versucht, diese Probleme zu bekämpfen. Es bedarf gemeinsamer Bemühungen. Seit den Neunzigern hat die EU Vorkehrungen getroffen um wildlebende Tiere zu schützen und den Klimawandel in Angriff zu nehmen. Durch das Herstellen einer Wettbewerbsgleichheit, hat die EU geholfen, europaweit einen Abwärts-Wettlauf bezüglich der Umweltstandards zu verhindern und somit den globalen Diskurs geprägt.

Dann gibt es da die weltweite Armutsbekämpfung. Die EU koordiniert die Hälfte der weltweiten Hilfsmittel. Dank dieser Hilfe wurden bereits Millionen von Menschen aus der Armut geführt mit Zugang zu sauberem Wasser, Müttergesundheit und grundlegenden Bildungsmaßnahmen. Das Vereinigte Königreich ist eine Entwicklungs-Großmacht, aber durch die Zusammenarbeit mit der gesamten Europäischen Union können wir zur ersten Generation werden, die das Ende extremer Armut herbeiführen konnte.

Praktischer betrachtet, hat die EU das Reisen einfacher und günstiger gemacht. Überdies sind Flüge dank verschärfter Sicherheitsvorkehrungen und verbesserter Luftraumüberwachung sicherer geworden. Und wenn wir innerhalb Europas verreisen, sind Anrufkosten günstiger als je zuvor.

Die im Rahmen der EU-Reformen geschaffene Verbesserung des Telekommunikationsmarktes, kombiniert mit neuster Technik, führte zu den günstigeren Preisen: In den letzten 30 Jahren sind die Kosten für internationale Telefongespräche sind um mehr als 80 Prozent gesunken. Darüber hinaus sind auch Mobilfunk-Roaminggebühren beträchtlich gesunken. Als Nächstes wird die EU die Download-Kosten für Filme senken. Unsere Generation baut ihre Zukunft darauf auf, vernetzt zu sein.

Gemeinschaftliches Arbeiten ist nicht immer einfach. Es kann oftmals zu Problemen oder Rückschlagen führen. Innerhalb einer Gruppe ist es nicht immer möglich, die eigene Meinung durchzusetzen. Dennoch ist es besser, gemeinsam mit anderen Nationen die Probleme unserer heutigen Zeit zu lösen zu versuchen- und häufig gelingt es uns. Wir bevorzugen die Vorteile der Mitgliedschaft zu der Alternative des Alleingangs, dieser ‚Wir gegen die Anderen’-Dystopie.

Lasst uns der EU nicht den Rücken zukehren, unsere Ambitionen herunterschrauben oder den Horizont aus den Augen verlieren. Unsere Generation weigert sich, Großbritannien als ein nach innen gerichtetes, isoliertes Land wahrzunehmen.

Vor allem lasst uns keine Rezession riskieren, die besonders der jüngeren Generation Schaden wird. Jeder unabhängige Experte warnt vor den wirtschaftlichen Konsequenzen eines EU-Ausstiegs. Besonders die jungen Menschen Großbritanniens hatten die Last der Finanzkrise zu tragen: die größte Gruppe der Arbeitslosen waren die 16 bis 24-Jährigen. Sollte das Vereinigte Königreich aus der EU austreten, wird es wieder verstärkt diese Altersgruppe treffen.

Junge Menschen könnten diese Wahl entscheiden. Mehr als jemals zuvor haben sich für die Wahl registriert. Wir sind diejenigen, die am meisten davon profitieren werden, in der EU zu bleiben, und gleichermaßen am meisten zu verlieren haben, sollte die Wahl negativ ausfallen. Deswegen werden wir am 23. Juni unsere Stimme dafür abgeben, in der EU zu bleiben.

Unterzeichner

Die Labour-Partei

Jess Phillips
Ali McGovern
Wes Streeting
Lisa Nandy
Melanie Onn
Luciana Berger

Die Konservative Partei

Chloe Smith
Luke Hall
Craig Williams
Chris Skidmore
Robert Jenrick
Ben Howlett

Die Schottische Nationalpartei

Callum McCaig
Kirsty Blackman
Stuart Donaldson
Stewart McDonald

Der Artikel erschien ursprünglich bei der Huffington Post UK und wurde von Virginia Hartmann übersetzt.

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