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Bericht: Sächsische Polizei soll einen jungen Flüchtling schikaniert haben

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Dem "Focus" zufolge geriet ein 17-jähriger Flüchtling aus Syrien mit seinem Fahrrad in eine Kontrolle. Die Polizisten hätten bemängelt, dass die Lampe nicht funktionierte. | Heiko Küverling via Getty Images
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  • Im sächsischen Grimma ist es zu einem mutmaßlich rassistischen Zwischenfall gekommen
  • Einem Syrer wurden die Ventile seiner Fahrradreifen weggenommen
  • Der Polizeipräsident lässt den Fall überprüfen

Auf dem Polizeirevier im sächsischen Grimma ist es laut einem Bericht des "Focus" offenbar zu einem fremdenfeindlichen Vorfall gekommen. Beamte sollen einem Flüchtling die Fahrrad-Ventile abgezogen haben.

Dem "Focus" zufolge geriet ein 17-jähriger Flüchtling aus Syrien mit seinem Fahrrad in eine Kontrolle. Die Polizisten hätten bemängelt, dass die Lampe nicht funktionierte. Dann habe ein Beamter die Luft aus den Reifen gelassen und nahm die Ventile mitgenommen, um eine Weiterfahrt zu verhindern.

"Anschein der Fremdenfeindlichkeit"

Als der Syrer sein Eigentum am nächsten Tag auf dem Polizeirevier abholen wollte, habe es lapidar geheißen, die Ventile seien "weg". Leipzigs Polizeipräsident Bernd Merbitz sagte dem "Focus", dass er eine dienstrechtliche Prüfung des Vorfalls veranlasst habe, weil das Handeln der Beamten "mindestens den Anschein der Fremdenfeindlichkeit in sich trägt".

Merbitz: „Außerdem rief ich sofort den Revierleiter an und sagte: Wenn so etwas noch einmal passiert, brennt die Luft.“

Auf Anfrage der Huffington Post war die Pressestelle der Polizeipräsidium Grimma am Sonntag zunächst nicht erreichbar.

Wie nahe stehen Sachsens Polizisten der rechten Szene?

Auch im sächsischen Clausnitz hatten im Februar dieses Jahres Flüchtlinge über Übergriffe durch Migranten geklagt. Die Polizei hatte diese Darstellung jedoch umgehend widersprochen.

Auch gab es in der Vergangenheit immer wieder Berichte über die Nähe von einzelnen sächsischen Polizisten zur rechten Szene. So wurden insbesondere im Raum Leipzig im vergangenen Jahr mehrere solcher Verdachtsfälle bekannt: Im Mai 2015 gab es Ermittlungen wegen eines Chatverlaufs, den die Plattform „Indymedia“ veröffentlicht hatte.

Ein Leipziger Polizist soll, wie "Focus Online" bereits im Februar berichtet hatte, über WhatsApp mit einem befreundeten Neonazi ausgetauscht haben – auch über geheime Einsatzpläne. Außerdem sympathisierte er offenbar mit der islamkritischen Bewegung „Legida“. Ein zweiter Beamter stand zur gleichen Zeit wegen rechtspopulistischer Kommentare auf Facebook in der Kritik, ein dritter wegen Sympathiebekundungen zur Dresdner „Pegida“.

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Dabei gibt es zahlreiche Menschen und Organisationen, die vor Ort helfen, die Probleme zu lösen. Zusammen mit der Spendenplattform betterplace.org nennt die Huffington Post spannende Projekte, die ihr direkt unterstützen könnt.

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Ein weiteres Problem sind die vielen unbegleiteten, minderjährigen Flüchtlinge in Berlin. Ihnen vermittelt die Organisation Akinda beispielsweise einen gesetzlichen Vertreter. Wie das geht, beschreiben die Initiatoren hier.

(VK)