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Dieser Mann will ein Jahr lang keinen Sex haben, weil er Blut spenden möchte

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Der Amerikaner Jay Franzone ist 21 und in einer festen Beziehung. Trotzdem ist er fest entschlossen, ein Jahr lang auf Sex zu verzichten.

Das letzte Mal hatte er deshalb im Dezember 2015 Geschlechtsverkehr.

Warum tut ein junger, gesunder – und verliebter – Mensch das? Im Gespräch mit dem Online-Portal "BuzzFeed" erklärte der Student seine Beweggründe.

Franzone will Blut spenden. Doch als Homosexueller darf er das in den USA erst dann, wenn der letzte Geschlechtsverkehr mit einem Mann über ein Jahr zurückliegt. Diese Regelung gilt übrigens auch in Deutschland - mit noch strengeren Auflagen.

"Diskriminierende Regelung"

In einer Erklärung der FDA, der zuständigen Behörde des amerikanischen Ministeriums für Gesundheitspflege und Soziale Dienste, wird diese Regelung folgendermaßen begründet: Homosexuelle Männer, die sexuell aktiv sind, hätten ein höheres Risiko, an HIV zu erkranken.

Die Regelung gehe an der Realität vorbei, sei diskriminierend – und könne sogar gefährlich sein, sagen Franzone und diverse LGBT-Gruppen.

Homosexuelle, gesunde Menschen werden ausgeschlossen

Denn: Momentan werden homosexuelle Männer auch dann ausgeschlossen, wenn sie nachweislich nicht an HIV erkrankt sind – und andersrum können heterosexuelle Menschen ungetestet – möglicherweise infiziertes - Blut spenden.

"Von Menschen zu verlangen, ein Jahr lang abstinent zu leben, ist verrückt", sagte Franzone im Interview mit "BuzzFeed". Mit seiner Aktion hofft er, auf die diskriminierende Regelung aufmerksam machen zu können.

Die Debatte erlangte aktuell traurige Brisanz. Beim Attentat auf den Pulse-Club in Orlando am 12. Juni gehörte die Mehrzahl der Opfer zur LGBT-Gemeinschaft. 49 Menschen starben, etliche wurden verletzt.

Was kommt nach Orlando?

Blutspenden wurden dringend benötigt – und vielen Homosexuellen waren durch die Regelung legal die Hände gebunden. "Wenn unsere Gemeinschaft angegriffen wird, wollen wir helfen", erklärte Franzone "Buzzfeed".

"Doch wir dürfen nicht, weil wir schwul sind. Diskriminierung ist nach wie vor in den veralteten gesetzlichen Vorschriften verankert."

Durch das Drama in Orlando ist nun auch der amerikanische Kongress auf die Regelung aus dem Jahr 1977 aufmerksam geworden.

Über hundert Kongressmitglieder appellieren nun an die Behörde, die Regelung zu überarbeiten - und die Voraussetzung zum Blutspenden zukünftig von persönlichen Risikofaktoren, anstatt von der sexuellen Orientierung, abhängig zu machen.

Noch strengere Regelung in der EU

In Deutschland gibt es nicht nur ein ähnliches Gesetz wie in den USA, es ist sogar noch deutlich schärfer: Hierzulande werden homosexuelle Männer auf Grundlage einer EU-Richtlinie pauschal vom Blutspenden ausgeschlossen.

Hier erfahrt ihr mehr zum Thema: Schwule dürfen in Deutschland nicht Blut spenden - das ist ein Skandal

Und diese Diskriminierung beruht nicht auf einem veralteten Gesetz: Erst im April 2015 hat der Europäische Gerichtshof diese Regelung bestätigt. Auch hier wurde die Entscheidung damit begründet, dass Homosexuelle grundsätzlich ein höheres HIV-Risiko tragen würden - ungeachtet der Frage, wie hoch ihr individuelles Risiko tatsächlich ist.

Mit Material von dpa


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