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Sind russische EM-Hooligans eine Schlägertruppe aus dem Kreml?

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  • Die russischen EM-Hooligans könnten vom Kreml geschickt oder unterstützt worden sein
  • Großbritannien vermutet: Damit will Russland Macht demonstrieren und das russische Volk aufhetzen
  • Eine Zusammenfassung seht ihr im Video oben

Es sind die ganz hässlichen Szenen dieser Europameisterschaft: Russische Fans stürmen bei einem Vorrundenspiel in Marseille auf den englischen Block zu, überspringen Gitter, prügeln auf die anderen Zuschauer ein. Zwei der Opfer liegen im Koma, nachdem die Chaoten mit Hämmern und Eisenstangen auf sie eingeschlagen hatten.

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Wegen der Hooligan-Krawalle drohte der Fußballverband UEFA dem russischen Team bereits mit Disqualifikation und verhängte eine Geldstrafe. Doch offenbar haben die Ausschreitungen Dimensionen, die weder mit Fußball noch mit dem klassischen Hooligantum etwas zu tun haben.

"Hybride Kriegsführung"

Ein Verdacht, der britische Abgeordnete umtreibt: Bei den Hooligans handelt es sich um von der russischen Regierung unterstützte oder gar gesandte Aufmischertruppen. Derzeit untersuchen sie mögliche Verbindungen zwischen den Schlägern und dem Kreml, wie der "Guardian" berichtet.

"Es ist schwer, eine Unterstützung durch den Kreml nachzuweisen, aber wir sehen, dass einige von ihnen in den uniformierten Diensten von Russland dienen", sagte eine Quelle dem Blatt. Dabei handle es sich womöglich um "eine Fortsetzung der hybriden Kriegsführung" von Präsident Wladimir Putin.

Verbündung gegen Russland?

Soll heißen: Die Schläger sollen zum einen die Stärke Russlands zur Schau stellen, zum anderen sollen sie helfen, innerhalb des Landes einen Mythos aufzubauen. Nämlich, dass der Westen sich gegen den Staat verbündet hätte. Anzeichen dafür waren in den sozialen Netzwerken zu sehen: Auf Twitter entstanden gefälschte Profile, in denen behauptet wurde, die russischen Fans seien zu ihren Taten provoziert wurden.

Ebenfalls auf Twitter äußerte sich ein russischer Parlamentarier: "Ich sehe nichts Falsches dabei, wenn Fußballfans kämpfen. Im Gegenteil, gut gemacht, Jungs! Macht weiter, so!" Ein Zeichen, dass sich Russland mit dieser Art von Umgang im Recht sieht.

Putin findet die Krawalle zum Lachen

Umso erschreckender wirkt vor diesen Fakten das Verhalten von Präsident Putin. Auf dem Wirtschaftsforum in St. Petersburg sagte er unter dem Gelächter der Zuhörer: "Ich verstehe wirklich nicht, wie 200 von unseren Fans mehrere Tausend Engländer zusammenschlagen konnten."

Ein weiteres beängstigendes Indiz: Alexander Schprygin, der Vorsitzende des Dachverbands russischer Fußballfans (VOB), förderte die Taten offenbar. Sein Verband soll die Fahrt für russische Fans organisiert haben, die später in Marseille prügelten. Mittlerweile wurde er aus Frankreich ausgewiesen.

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