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Insider: "Ich arbeitete bei Coca Cola - was ich dort sah, erschreckte mich"

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Ich arbeitete bei Coca Cola - was ich dort sah, erschreckte mich | Carlos Garcia Rawlins / Reuters
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"Jeder, der einer so genannten Studie glaubt, die uns bescheinigen will, dass Softdrinks nicht dick machen, ist ein Idiot. Aber das ist nicht das Problem. Das wahre Problem ist, was Coca Cola Tag für Tag tut und niemand stört sich daran", schrieb Chris Hemmings in einem Kommentar in der Online-Ausgabe des "Independent" aus dem Oktober 2015.

Er war regionaler Vertriebsmitarbeiter des Getränkegiganten. Seine Aufgabe war es, von Laden zu Laden zu fahren und die altbekannten - und neuen - Produkte an Abnehmer zu verkaufen.

"Es hat genau zwei Tage gedauert bis ich völlig entzaubert war", so Hemmings. Ein Schlüsselerlebnis, das ihn zum Nachdenken angeregt haben soll, ereignete sich in einer Tankstelle.

Ein 14-jähriger Junge, übergewichtig, soll im Laden gestanden haben, während der Vertriebsmitarbeiter seine Produkte an den Verkäufer weitergab. "Er war komplett rot im Gesicht, weil sogar das Stehen für ihn zu anstrengend war", beschreibt Hemmings den Vorfall.

Coca Cola soll systematisch den Alltag unterwandern

Man könnte meinen, dass jeder für seine Gesundheit und die seiner Kinder selbst verantwortlich ist - so auch dieser Junge. Doch Hemmings, der nach diesem Vorfall nicht kündigte und noch Jahre für Coca Cola tätig war, sieht ein systematisches Problem:

"Wenn die Läden, die ich belieferte, Produkte von anderen Firmen im Kühlschrank hatten, gab es sofort drohende Briefe an die Ladenbesitzer. Es spielte keine Rolle, ob sich die Produkte verkauften oder nicht - sie waren vertraglich daran gebunden, den Kühlschrank, den Coca Cola ihnen zur Verfügung stellte, mit deren Produkten zu füllen".

Softdrinks werden mit Sportevents in Verbindung gebracht

Hemmings beschreibt zwei persönliche Tiefpunkte, die er während seiner Zeit bei Coca Cola hatte. Zum einen schämt er sich dafür, Energydrinks an eine Zielgruppe verkauft zu haben, für die sie gar nicht gedacht sind, nämlich Kinder. "Eine Dose enthält 47 Prozent der Tagesdosis an Zucker, die wir zu uns nehmen sollten, und 160 Milligramm Koffein. Das ist, als wenn man eineinhalb Tassen Kaffee mit 10 Stück Zucker trinkt. Gib das mal deiner Teenager-Tochter."

Zum anderen erschreckte ihn, wie ein weltweites Ereignis wie die Olympischen Spiele in London 2012 von Coca Cola missbraucht wurde, um die Produkte zu verkaufen. Ein Event, bei dem es um körperliche Aktivität geht, wurde mit einem Softdrink in Verbindung gebracht. "Bei diesem hohen Level an Werbung, Sponsoring und Branding, haben die Kunden keine Wahl mehr, das ist ein unterbewusster Trigger, den Cola da bedient".

Heute ist Hemmings nicht mehr für Coca Cola tätig und warnt die Leute: "Wenn ihr glaubt, dass Vitaminwasser gut für euch ist, dann verdient ihr einen dreifachen Bypass."

Coca Cola finanziert Studien

Der Getränkegigant Coca Cola versucht alles, um den Kunden weiszumachen, dass seine Produkte nicht dick machen. Und eine Vielzahl von Studien der vergangenen Jahre, über die Medien berichtet haben, unterstützen diese These.

Die Huffington Post hat im Februar berichtet, dass viele der angeblich seriösen Studien von Coca Cola in Auftrag gegeben wurden. Die Berliner Charité etwa hat sich über fünf Jahre hinweg mit insgesamt einer Million Euro von Coca-Cola sponsern lassen. Der Brause-Hersteller finanzierte Forschungsprojekte zum Thema Herzerkrankungen - für deren Entstehung zuckerhaltige Getränke mitverantwortlich sind.

Schätzungen der Harvard School of Public Health zufolge gehen weltweit 180.000 Todesfälle pro Jahr auf das Konto solcher Getränke.


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