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Fall Jo Cox: Mutmaßlicher Täter angeklagt, rechtsextremer Hintergrund wahrscheinlich

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JO COX
Verbindung zu Neo-Nazis? Mordanklage im Fall Jo Cox | dpa / HuffPost
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  • Der mutmaßliche Täter im Fall Jo Cox wird wegen Mordes angeklagt
  • Vor Gericht sagte er: "Tod den Verrätern, Freiheit für Großbritannien"
  • Indes verdichten sich die Anzeichen, dass die tat einen rechtsextremen oder nationalistischen Hintergrund hatte

Der 52-Jährige Mann, der auf die britische Labour-Abgeordnete Jo Cox geschossen und diese dann erstochen hatte, wird wegen Mordes angeklagt. Er wurde am Samstag dem Haftrichter vorgeführt werden.

Im Gerichtssaal in Westminster soll er gesagt haben "Tod den Verrätern, Freiheit für Großbritannien", als er gebeten wurde, seinen Namen zu bestätigen. Das berichten britische Medien übereinstimmend.

Damit gibt es einen klaren neuen Anhaltspunkt für die nationalistische Motivation seiner Bluttat.

Indizien für rechtsextremen Hintergrund

Damit gibt es einen weiteren klaren Anhaltspunkt für den nationalistischen Hintergrund der Tat. Eine mögliche Verbindung zu rechtsextremistischen Gruppierungen wird derzeit überprüft. Laut des britischen Senders BBC wurden in der Wohnung des mutmaßlichen Täters Nazi-Insignien gefunden.

Die Polizei gab nach Angaben des "Telegraph“ an, die Verbindung zu Neonazi-Gruppierungen sei der wichtigste Anhaltspunkt in den Ermittlungen.

Der Tatverdächtige sei längere Zeit Unterstützer der US-Gruppe Nationale Allianz gewesen, schrieb die "Washington Post" unter Berufung auf das Southern Poverty Law Center. 1999 habe er sich ein Handbuch bestellt, in dem auch eine Gebrauchsanweisung zum Bau einer Pistole enthalten gewesen sei.

Die britische Zeitung "Telegraph" berichtete zudem, der Mann habe früher eine Zeitung abonniert, die von einer südafrikanischen Pro-Apartheid-Organisation herausgegeben worden sei.

Psychische Probleme

Die Polizei gab jedoch bekannt, man untersuche weiter auch die mentale Gesundheit des Tatverdächtigen. Am Tag vor der Tat soll der 52-Jährige ärztliche Hilfe aufgrund einer Depression gesucht haben, bekam aber erst einen Sprechstunden-Termin am nächsten Tag.

Am Montag kommt das britische Unterhaus zu einer Sondersitzung zusammen, um die Tote zu ehren. In einer demonstrativen Geste der Gemeinsamkeit legten Premierminister David Cameron und Labour-Oppositionschef Jeremy Corbyn am Freitag Blumen in Birstall in Yorkshire nieder, wo Cox am Donnerstag brutal überfallen wurde.

Corbyn nannte das Verbrechen, das auch international Bestürzung auslöste, einen "Angriff auf die Demokratie", Cameron verurteilte Hass und Hetze in der politischen Debatte.

Mit Material der dpa.

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