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Dieser Mann schaffte es in einem Jahr vom Asylbewerber zum Unternehmensgründer

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  • Ein Mann aus Nigeria schaffte es in einem Jahr vom Asylbewerber zum Firmenleiter
  • Der Fall zeigt, wie entscheidend der Faktor Arbeit für die Eingliederung von Flüchtlingen ist

Asylbewerber, die in Europa arbeiten wollen, stehen vor großen Hürden: Neben fehlenden Sprachkenntnissen steht vor allem die Bürokratie vieler Länder zwischen Mensch und Jobangebot.

Umso beeindruckender ist die Geschichte von Charles Onybuchi, von der die österreichische Zeitung "Der Standard" berichtet.

Der 29-Jährige flüchtete demnach vor knapp über einem Jahr aus Nigeria nach Österreich und kam dort in einer Asylunterkunft unter. Arbeiten konnte Onybuchi wegen seines Status noch nicht.

"Selbstständigkeit ist die einzige Möglichkeit für Asylbewerber legal arbeiten zu können"

Onybuchi hatte Schwierigkeiten, Anschluss zu finden – bis er den Österreicher Stefan Bitschnau kennenlernte. "Ich bin darauf gekommen, dass Selbstständigkeit die einzige Möglichkeit für Asylbewerber ist, legal arbeiten zu können", erklärt Bitschnau im Interview mit dem "Standard".

Denn: Drei Monate nach ihrer Zulassung zum Asylverfahren dürfen Asylbewerber in Österreich eine selbstständige Tätigkeit aufnehmen – wenn sie sonst alle bürokratischen Auflagen für eine Unternehmensgründung erfüllen.

Die Geburt von "Bergzebras"

Also gründete Bitschnau zusammen mit seinem Freund Onybuchi, der vor seiner Flucht Betriebswirtschaft studiert hatte, zusammen die Bergzebras Dienstleistungen OG. Sechs Monate habe es bis zur Firmenbucheintragung gedauert, erzählt Bitschnau.

Seit Anfang Juni läuft der Betrieb, der Dienstleistungen rund um Haus und Garten anbietet. Ziel der Unternehmer ist es, Einnahmen zu erreichen, die über der sogenannten Mindestsicherung liegen - einer Art Sozialgeld in Höhe von gut 800 Euro pro Monat.

Während Onyebuchi für Telefondienst, Terminvereinbarungen und die manuellen Arbeiten zuständig ist, kümmert sich Bitschnau um Behördengänge und die finanzielle Starthilfe. Gegenüber der Zeitung sagte Onybuchi, dass er unabhängig von staatlicher Unterstützung sein wolle. Zudem helfe die Arbeit ihm, in Österreich Anschluss zu finden: "Ich möchte hier integriert sein, die Arbeit hilft mir dabei."

"Arbeit ist der beste Weg zur Integration"

Als selbstständig arbeitender Asylbewerber ist Onybuchi eher ein Ausnahmefall. Mit dem Zuzug von Schutzsuchenden nehmen diese insgesamt aber immer häufiger am Erwerbsleben teil: Bis zum Frühjahr 2016 erhielten in Deutschland 20.300 Asylbewerber eine Arbeitsmarktzulassung - eine Verdreifachung innerhalb eines Jahres.

Wie die "Thüringer Allgemeine" berichtete, wurden bei den Arbeitsagenturen zwischen Januar und April 2016 knapp 27 000 Anträge auf eine Arbeitsmarktzulassung gestellt, im Vorjahreszeitraum waren es noch 11 200. Dies entspricht einer Steigerung um 140 Prozent. Drei Viertel der Anträge (75,5 Prozent), insgesamt etwa 20.300, wurde stattgegeben, sodass die Betroffenen noch während des laufenden Asylverfahrens eine Stelle annehmen konnten. Im Vorjahreszeitraum wurden lediglich 7.700 dieser Arbeitsmarktzulassungen erteilt.

Die Daten wurden der Zeitung von der Bundesagentur für Arbeit (BA) auf Anfrage übermittelt. Eine BA-Sprecherin sagte der Zeitung, die Menschen, die nach Deutschland kommen, seien mehrheitlich jung und gut motiviert.

"Unsere Erfahrung zeigt, dass viele von ihnen rasch Geld verdienen möchten, weil sie zum Beispiel die Familie in der Heimat unterstützen oder die Kosten der Flucht begleichen wollen." Grundsätzlich gelte Arbeit als der beste Weg zur Integration.

Mit Material von dpa

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