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Wie Udo Lindenberg seinen treuen Bodyguard feuerte

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Eddy Kante (l.) war jahrelang treuer Begleiter an der Seite von Udo Lindenberg

Keine Frage, der Typ ist gewöhnungsbedürftig. Eddy Kante (56) trägt Glatze, Tattoos und Totenkopfringe wie Auszeichnungen. Ein Bad Boy, der wegen seiner krummen Touren im Kiez-Milieu von St. Pauli Jahre im Knast saß. Doch dann entdeckt ihn Udo Lindenberg (70). Und Eddy wurde eine Berühmtheit.

Das heißt: So richtig berühmt wurde Frank Uwe Schröder, so heißt er wirklich, erst, als Udo Lindenberg ihn feuerte. Eddy hatte das Buch "In meinem Herzen kocht das Blut - Ein Leben auf der Kante" veröffentlicht. Und das passte Udo überhaupt nicht.

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30 Jahre Freundschaft

In einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" schildert der 56-Jährige, wie Lindenberg ihn vor zweieinhalb Jahren zur Rede gestellt hatte. "Er stand auf einmal vor mir: 'Ey, pass mal auf. Du schreibst jetzt, dass du Schutzgeld kassiert hast, Leute verdroschen hast.' Ich sag: 'Udo, das ist 40 Jahre her.' Er: 'Ja, aber das geht so nicht. Ich singe, 'ich bin ein Rocker und stehe nicht auf Gewalt' und du bist Rocker und erzählst, wie du Leute verdroschen hast.'"

Fast 30 Jahre war Eddy Kante Bodyguard von Lindenberg. Mehr noch: Er war sein Freund, sein Vertrauter, der durch den Rockstar eine gewisse Popularität erlangt hatte und einige kleine Rollen in TV-Serien wie "Großstadtrevier", "Bella Block" oder "K11 - Kommissare im Einsatz" bekam. Mit seinem Chef nahm er sogar eine gemeinsame Single auf und spielte in Lindenbergs Musikvideo "Ganz anders" mit.

Zuerst nahm er die Kündigung nicht ernst

Dann der Bruch wegen des Buches. "Als Udo mir das erste Mal gesagt hat, er muss mich kündigen, habe ich noch drüber gelacht. Ich konnte mir das nicht vorstellen. Udo hat mir blind vertraut. Ich habe seine Kreditkarte gehabt, alles." Doch damit war ab November 2013 mit der Beurlaubung von seinem Dienst Schluss. Kante strengte einen Prozess gegen Lindenberg an - wegen vermeintlich ausstehender Lohnzahlungen in Höhe von 563.000 Euro. Man einigte sich außergerichtlich, über die Höhe der Summe dürfe er nicht reden.

Vorsorge Dschungelcamp?

Von dem Geld, das ihm zugesprochen wurde, "kriegt die Merkel die Hälfte". Nach Steuerabzug sei das Ende abzusehen. Und eine Altersvorsorge habe er nicht. Man müsse sich Gedanken um die Zukunft machen. Er organisiert Kiez-Führungen durch Hamburg, "16 Touren im Monat. Freitags eine und samstags drei. Jede dauert zwei Stunden. Dabei kriege ich das Doppelte von dem, was ich bei Udo verdient habe".

Eine Art Vorsorge wäre für Eddy das Dschungelcamp. "Das mach ich doch! Du futterst zwei Wochen Würmer und verdienst so viel, dafür müssen andere ein ganzes Jahr malochen. Das kannst du dann schon mal bunkern. Und das Geile - da hab ich mich schon erkundigt - versteuert wird's in Australien", sagte Kante der "SZ".

Bisweilen sehe er seinen früheren Chef. "Aber das ist nicht mehr so wie früher. Das kann man nicht vergleichen." Eddy Kante sagt, er möge Lindenberg noch immer. Neulich habe er sich sein neues Album runtergeladen. "Hab' eine Stunde lang Rotz und Wasser geheult." Ihm sei bewusst geworden, dass dies Udo Lindenbergs letztes Album ist. "Das hörst du raus, glaubt es mir. Davor habe ich ja auch Schiss. Er ist nicht mehr der Jüngste. Stell dir vor, irgendetwas passiert, und er ist tot. Da kannst du mich gleich danebenlegen, das schwöre ich dir."