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Nicolas Sarkozy attackiert EU-Politik: "Merkel hätte nie alleine mit Erdogan verhandeln dürfen"

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Nicolas Sarkozy attackiert EU-Politik: "Merkel hätte nie alleine mit Erdogan verhandeln dürfen" | Jacky Naegelen / Reuters
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  • Der französische Ex-Präsident Sarkozy geht hart mit der europäischen Politik ins Gericht
  • Er fordert eine neue "Schengen"-Regelung, der ein neues EU-Organ vorsitzen sollte
  • Außerdem kritisierte er die französische Zurückhaltung bei der Aushandlung des Türkei-Abkommens

Der ehemalige französische Präsident Nicolas Sarkozy hat in einem Interview scharfe Kritik an der europäischen Außenpolitik geübt. Das Problem Europas und der ganzen Welt sei der Mangel an Führung, sagte Sarkozy in der "Welt“.

Das zeige sich besonders an einem Beispiel: Angela Merkel hätte er "niemals alleine mit Herrn Erdogan verhandeln lassen“. Es sei ein schreckliches Signal für Europa gewesen, dass Deutschland den Flüchtlingsdeal im Alleingang ausgehandelt habe. Dies wolle er jedoch nicht als Kritik an Berlin verstanden wissen.

Sarkozy: "Schengen liegt am Boden"

"Dass Frankreich an diesen Verhandlungen nicht teilgenommen hat, liegt ganz allein an François Hollande“, erklärte Sarkozy. Es sei die Aufgabe aller Länder, Kompromisse zu finden und Europa gemeinsam zu führen. In der Flüchtlingskrise und im Antiterrorkampf sei dies bisher nicht gelungen.

Mehr noch: Europa habe es versäumt, eine Alternative zum Schengen-Abkommen zu entwickeln, das die Abschaffung von Grenzkontrollen regelt. Sarkozy kritisierte: "Schengen liegt seit zwei Jahren am Boden, und es gibt keinen ernst zu nehmenden Vorschlag. Der einzige Vorschlag, die Quotenlösung, ist zum Heulen.“

Sarkozy will starken EU-Präsidenten

Sarkozy forderte daher eine Regelung, die er als "Schengen II“ bezeichnet. Im Zentrum dieses Modells müsse ein neues EU-Organ nach dem Vorbild der Euro-Gruppe stehen, das aus den Innenministern der Ländern bestehe. Den Vorsitz müsse "ein stabiler Präsident“ übernehmen, der dann für die europäische Grenzsicherheitsorganisation Frontex verantwortlich sei.

Auch in der Terrorismusbekämpfung schlägt Sarkozy neue Wege vor. Die westliche Welt befinde sich in einem "Krieg, den wir gegen den Islamischen Staat und al-Qaida führen“. Dazu seien in Syrien auch Bodentruppen nötig.

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"Es braucht am Ende immer Bodentruppen, die abschließen, was die Luftstreitkräfte erreicht haben“, erklärte Sarkozy. Dabei müsse es sich aber um arabische Truppen handeln. Europa dürfe keinen Krieg Orient gegen Okzident riskieren.

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Flüchtlingskrise: Helft den Helfern!

Die Flüchtlingskrise bewegt die Deutschen wie kein anderes Thema. Viele blicken fassungslos auf das, was sich an Europas Grenzen abspielt. Auf das Leiden und die Nöte der Hilfesuchenden.

Dabei gibt es zahlreiche Menschen und Organisationen, die vor Ort helfen, die Probleme zu lösen. Zusammen mit der Spendenplattform betterplace.org nennt die Huffington Post spannende Projekte, die ihr direkt unterstützen könnt.

Die Nachrichten von ertrunkenen Flüchtlingen nehmen kein Ende. Auch, weil es viel zu wenig Rettungskräfte auf dem Mittelmeer gibt. Hier versucht die Mannschaft des Schiffes Sea Watch 2. zu helfen. Spenden benötigt die Crew für Nahrung, Schwimmwesten und Medikamente.

Auf der sogenannten Balkanroute ist ein großer Teil der Flüchtlinge unterwegs. Der Verein Soups & Socks versorgt Flüchtlinge hier mit einer warmen Mahlzeit und anderen lebensnotwendigen Dingen. Hier geht es weiter zur Soups & Socks Tour.

Ein weiteres Problem sind die vielen unbegleiteten, minderjährigen Flüchtlinge in Berlin. Ihnen vermittelt die Organisation Akinda beispielsweise einen gesetzlichen Vertreter. Wie das geht, beschreiben die Initiatoren hier.

(lk)