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Nach EM-Ausschreitungen: Frankreich wirft russischen Hooligan-Rädelsführer aus dem Land

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HOOLIGAN
Nach Ausschreitungen: Frankreich wirft russischen Hooligan-Rädelsführer aus dem Land | dpa
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Französische Behörden haben 20 russische Fußball-Anhänger aus dem Land geworfen - darunter befindet sich laut BBC auch Alexander Schprygin, der als Rädelsführer bei den jüngsten Ausschreitungen russischer Hooligans aufgefallen war.

Schprygin gilt als zentrale Figur in der russischen Fußballszene, er leitet den 2007 von ihm gegründeten Allrussischen Fanverband (WOB).

Schprygin hat gute Kontakte bis hinein in den Kreml

Schprygin - Kampfname "Kamantscha" - ist Rädelsführer ultrarechter Fangruppen. Zugleich rühmt er sich bester Kontakte in die Politik bis in die höchste Ebene. Fotos von 2010 zeigen den kräftig gebauten Mann zusammen mit Kremlchef Wladimir Putin.

Der 38-jährige Schprygin ist zudem Mitarbeiter von Parlamentsvize Igor Lebedew, Sohn des Ultranationalisten Wladimir Schirinowski. Lebedew hatte nach den Attacken russischer Hooligans auf englische Fans in Marseille die Anhänger via Twitter aufgestachelt: "Weiter so!"

Russische Spieler sollen "slawische Gesichter" haben"

2015 erregte Schprygin Aufsehen mit rassistischen Äußerungen. Wenn die russische Nationalelf zur Eröffnung der Heim-WM 2018 die Nationalhymne singe, "dann möchte ich, dass die Spieler slawische Gesichter haben", sagte er in einem Interview.

"Das ist unsere russische Erde, unsere Mannschaft sollte aus russischen Spielern bestehen" - nicht etwa aus eingebürgerten Brasilianern.

Entscheidung birgt politische Sprengkraft

Die Entscheidung Frankreichs könnte für einen diplomatischen Eklat sorgen. Der russische Außenminister Außenminister Sergej Lawrow hatte am Mittwoch bereits die Festnahme Dutzender Russen in Frankreich kritisiert.

Er sehe darin einen Verstoß gegen internationale Regeln, sagte Lawrow am Mittwoch in Moskau. Er habe seinem Kollegen in Paris eine Botschaft geschickt, sagte er der Agentur Interfax zufolge. Die französische Polizei hatte am Dienstag einen Bus mit 43 Russen festgesetzt.

Gewalt bei der EM eskaliert

Das harte Durchgreifen ist eine Reaktion auf die ausufernde Gewalt der ersten Turniertage. Seit Beginn der Fußball-Europameisterschaft hat die französische Polizei 323 Menschen vorläufig festgenommen. Dabei ging es insbesondere um Gewalttaten, Diebstahl oder Sachbeschädigung, wie das Innenministerium am Donnerstag in Paris mitteilte.

196 von ihnen seien für längere Zeit in Polizeigewahrsam genommen worden. Elf Täter wurden den Angaben zufolge bereits verurteilt: drei von ihnen zu Bewährungsstrafen, acht müssen laut Urteil ins Gefängnis. Gegen 24 Fans ordneten die Behörden eine Ausweisung aus Frankreich an. Nach früheren Angaben der zuständigen Stellen in Marseille und Lille handelt es sich um 23 Russen und einen Ukrainer.

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