Huffpost Germany

Sind deutsche Soldaten auf syrischem Boden aktiv? Videos erhärten brisante Vorwürfe gegen Bundesregierung

Veröffentlicht: Aktualisiert:
SDF
Ein US-Soldat zwischen Kämpfern der SDF | Rodi Said / Reuters
Drucken
  • Das Assad-Regime hat Deutschland vorgeworfen, deutsche Soldaten operierten auf syrischem Boden
  • Auch aus Oppositionskreisen gibt es Berichte über eine deutsche Präsenz im Norden des Landes
  • Die Bundesregierung dementiert – doch Videomaterial heizt die Gerüchte an

Deutschland nimmt am Kampf gegen die Terror-Miliz Islamischer Staat teil. Das ist nicht neu. 254 (statt den vorgesehenen 1200) Soldaten sind für eine internationale Allianz bei der Operation Counter Daesh laut "Tagesspiegel“ im Einsatz. Die Bundeswehrsoldaten unterstützen die Militäraktion durch Aufklärungsflüge.

Doch jetzt wurde ein brisanter Vorwurf laut: Deutsche Spezialkräfte operierten auch direkt auf syrischem Boden. Das behauptete zuerst die staatliche syrische Nachrichtenagentur SANA. Am Mittwoch veröffentlichte die Agentur eine Meldung, in der es hieß: "Syrien verurteilt die Anwesenheit von französischen und deutschen Spezialkräften in Ain-Al-Arab und Manbidsch".

Nicht nur Assad berichtet von deutscher Präsenz

Die Bundesregierung dementierte prompt. Die Behauptungen der syrischen Regierungen seien falsch, hieß es aus Berlin. Die Regierung verurteilte die vermeintliche deutsche Präsenz über die eigene Nachrichtenagentur als eine "ungerechtfertigte Aggression“ und einen "Verstoß gegen die Prinzipien der UN-Charter".

Doch auch Berichte aus dem oppositionellen Lager – und aufgetauchtes Videomaterial - erhärten den brisanten Verdacht.

50 deutsche Soldaten vor Ort

In der Region Manbidsch stoßen die kurdisch geführten Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) derzeit gegen den IS vor. Noch wird die Kernstadt von der Terror-Miliz gehalten, die baldige Befreiung steht jedoch in Aussicht. Die Region Ain-Al-Arab liegt im kurdisch kontrollierten Gebiet im Norden Syriens, von den Kurden als Kobanê bezeichnet.

syria
Credit: edmaps.com

Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte, deren Berichte über die Lage in Syrien von internationalen Medien gerne und häufig zitiert werden und die als oppositionsnah gilt, schrieb – ebenfalls am Mittwoch – in einer Meldung: "Es sollte zur Kenntnis genommen werden, dass Spezialkräfte aus Deutschland, den USA und Frankreich an der Offensive an der Seite der SDF in Manbidsch teilnehmen."

Deutsche Kräfte seien mit 50 Soldaten vor Ort, davon 20 Militärberater. Sie nähmen an Aufgaben der Mienenentschärfung und in beratender und technischer Tätigkeit teil.

Videos sorgen für Verwirrung

Ein Video, das das Recherchenetzwerk "Correctiv“ sichtete, heizt die Gerüchte an: Die amerikanische Medienagentur Step News Agency, die in Syrien aktiv ist, veröffentlichte vor etwa zwei Wochen ein Video, das US-Soldaten bei Vorbereitungen auf einen Angriff in Manbidsch zeigen soll.

Auf dem Video sind westliche Soldaten mit Abzeichen der kurdischen YPG-Miliz zu sehen, die die Kerntruppe der SDF ausmacht. Weiter sind darauf Gesprächsfetzen der Soldaten zu hören, die meisten auf arabisch, einige in englischer Sprache.

An einer Stelle (Sekunde 51) hört man die deutschen Worte "Ja genau".

Bereits vor einem Jahr veröffentlichte die kurdische Agentur Hawar ein Video, auf dem Kämpfer der YPG zu sehen waren. Einer der Männer spricht deutsch. "Sag den Leuten hier, höchstens vier Stunden, um ins Krankenhaus zu kommen, allerhöchstens. Und dass sie ihn nicht schlafen lassen", ist darauf zu hören.

Ein politisches Desaster

Dass es sich bei den deutschsprachigen Männern tatsächlich um deutsche Spezialkräfte handelt, ist nicht gesagt. Ebenso wahrscheinlich ist es, dass die zu sehenden und zu hörenden Männer freiwillige Rekruten der Kurden-Miliz sind.

Würden sich die unwahrscheinlichen Berichte der syrischen Regierung und der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte jedoch bestätigen, wäre das für die Bundesregierung ein politisches Desaster.

Der Bundeswehr-Einsatz steht ohnehin in der Kritik, denn er ist aufgrund des nicht vorliegenden UN-Mandats völkerrechtlich fragwürdig. Ein stillheimliches Entsenden von Bodentruppen wäre zudem ein klarer Verfassungsbruch.

Passend zum Thema: Schicksalstage für Syrien: So dramatisch entwickelt sich der Kampf gegen den IS

Auch auf HuffPost:

Merkels Flüchtlings-Pakt steht vor dem Scheitern - die Ausreden sind peinlich


Jedes Kind braucht die Chance auf Bildung

Egal wo auf der Welt: Ohne Bildung haben Kinder aus armen Familien in der Regel keine Chance. Doch die ist mitunter teuer - und so vergrößern sich vielerorts das Ungleichgewicht. Dieses Problem versuchen Organisationen in aller Welt zu lösen.

Zusammen mit der Spendenplattform betterplace.org nennt die Huffington Post einige spannende Projekte, die jeder unterstützen kann.

Viele Kinder aus sozial schwachen Familien haben niemanden, der sich um ihre alltäglichen Sorgen kümmert. Ein Blick auf die Hausaufgaben, Konflikte mit Freunden - oder Gesundheitsprobleme: In dem Münchner Projekt Lichtblick Hasenbergl unterstützen Pädagogen junge Menschen bei all diesen Fragen. Hier erfahrt ihr mehr zu der Initiative.

In Ruanda haben 400.000 Kinder keine Chance auf einen Platz in der Schule; besonders Waisen und Mädchen sind benachteiligt. Das Projekt "Schulen für Afrika" von Unicef ermöglicht tausenden Kindern den Zugang zu Bildung. Hier könnt ihr die Initiative unterstützen.

Ein zuverlässiges Transportmittel kann für Menschen in einem Entwicklungsland alles verändern. World Bicycle Relief stattet Menschen in ländlichen Regionen Afrikas mit Fahrrädern aus und schenkt ihnen damit ein großes Stück Lebensqualität. Hier geht es weiter zu diesem faszinierenden Projekt.

(lk)