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Frauke allein zu Haus: AfD-Chefin Petry ist zunehmend isoliert in ihrer Partei - jetzt ist ihre Spitzenkandidatur in Gefahr

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PETRY
AfD-Chefin Frauke Petry steht bei Teilen ihrer Partei in der Kritik | dpa/HuffPost
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  • AfD-Chefin Frauke Petry ist in ihrer Partei zunehmend isoliert
  • Eine Gruppe einflussreicher AfD-Politiker will Petry als Spitzenkandidatin für die Wahl 2017 verhindern
  • Co-Chef Alexander Gauland wird offenbar als möglicher Spitzenkandidat gehandelt

Es gab schon bessere Zeiten für Frauke Petry.

Erst diese Woche entlarvte eine Studie die AfD-Chefin als Lügen-Spitzenreitern in deutschen Talkshows, Nachbarschafts-Experte Alexander Gauland fällt ihr mit wirren "Das-hab-ich-nicht-so-gesagt"-Interviews regelmäßig in den Rücken - und der AfD-Abgeordnete Wolfgang Gedeon sorgt mit antisemitischen Schriften für heftigen Parteizank.

Doch all das dürfte nichts sein im Vergleich zu dem Spießrutenlauf, der Petry in den kommenden Monaten in der AfD droht.

Immer wieder hatte es in den vergangenen Tagen Berichte über interne Grabenkämpfe in der Parteispitze gegeben. Zuletzt soll ein Schreiben in der Parteiführung kursiert sein, in dem Petry wegen nicht abgestimmter "Einzelaktionen" heftig kritisiert wurde. Von "Eigenprofilierung" war da die Rede, die "unterbunden und abgestellt" werden müsse.

Das sind klare Worte an eine Frau, die angesichts der Bundestagswahl 2017 alles braucht - nur keine zerstrittene Parteiführung.

In einer Mail an alle Landesvorsitzenden hatte Petry zuletzt geschrieben, dass "einzelne AfD-Vertreter sich entscheiden müssen, ob sie sich für einen Erfolg der AfD einreihen möchten“.

Teile der AfD-Spitze scharren mit den Hufen

Anlass war ein Treffen der Parteichefin mit dem FPÖ-Vorsitzenden Heinz-Christian Strache auf der Zugspitze, das vor allem in Österreich medial prominent begleitet wurde.

Die AfD-Chefin wittert inzwischen, dass Teile der Partei mit den Hufen scharren. Und tatsächlich scheint sich der Anti-Petry-Kurs bei Teilen der Parteiführung zu manifestieren.

Eine Gruppe einflussreicher AfD-Politiker will Petry als Spitzenkandidatin für die Bundestagswahl 207 verhindern. Die AfD-Vorsitzende dürfe sich nicht als alleinige Spitzenkandidaten in Stellung bringen, berichtet am Donnerstagmorgen die Deutsche Presse-Agentur unter Berufung auf Kreise der Petry-Gegner.

Im Parteivorstand wird Gauland offenbar als Kanzler-Kandidat gehandelt

Zu ihnen zählen neben dem Vorsitzenden der Thüringer AfD-Landtagsfraktion, Björn Höcke, auch Mitglieder des Bundesvorstandes der Partei.

Wen sie sich sonst auf diesem Platz wünschen, ließen sie zwar zunächst offen - im Parteivorstand wird jedoch schon länger der stellvertretende Vorsitzende Alexander Gauland als möglicher Kandidat gehandelt.

AfD-Co-Vorsitzender Jörg Meuthen denkt offenbar in eine ganz andere Richtung: Am Donnerstag brachte er in der "Bild"-Zeitung seine Vorstandskollegin Alice Weidel als Spitzenkandidatin ins Gespräch - und kündigte vieldeutig an, Weidel werde sich "in wenigen Tagen öffentlich äußern".

Brisant: Weidel ist Co-Autorin des Vorstandspapiers, das Petry zuletzt für ihre Alleingänge kritisiert hatte.

Klar ist: Der Streit um die AfD-Spitzenkandidatur bei der Bundestagswahl dürfte sich in den kommenden Wochen noch weiter zuspitzen.

Poggenburg regt an, zwei Spitzenkandidaten ins Rennen zu schicken

André Poggenburg, Landeschef in Sachsen-Anhalt und Mitglied des Bundesvorstands, hatte vor einigen Tagen mit einem fragwürdigen Vorschlag für Schlagzeilen gesorgt: Poggenburg regte an, zwei Spitzenkandidaten 2017 ins Rennen zu schicken.

"Eine Doppelspitze würde die Breite der Partei besser abdecken“, sagte der Vertraute des Thüringer AfD-Scharfmachers Björn Höcke der "Bild". Auch Höcke werde nachgesagt, ebenfalls in den Bundestag wechseln zu wollen, berichtete das Blatt - Höcke selbst hat sich dazu jedoch noch nicht geäußert.

Es wird spannend sein zu beobachten, wie sich die Macht-Tektonik in der Partei verschieben wird. Dass sich die Partei vor der Bundestagswahl noch einmal neu häutet, ist nicht ausgeschlossen - zu groß sind inzwischen die Gräben zwischen Petry und den radikaleren Kräften in der AfD.

Mit Material der dpa

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(lp)