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Anschlag auf Brexit-Gegnerin: Britische Politikerin Jo Cox ist tot

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  • Die britische Parlamentsabgeordnete Jo Cox ist tot
  • Ein Unbekannter hatte bei einer Bürgersprechstunde Schüsse auf die Labour-Politikerin abgefeuert und anschließend auf sie eingestochen
  • Die Mutter von zwei kleinen Kindern war daraufhin schwerverletzt in ein Krankenhaus eingeliefert worden und schwebte bis zuletzt in Lebensgefahr
  • Eine Zusammenfassung seht ihr oben im Video

Großbritannien unter Schock: Die britische Parlamentsabgeordnete Jo Cox, die am Nachmittag angeschossen wurde, ist tot. Wie britische Medien, darunter der "Guardian", übereinstimmend berichten, erlag die Politikerin der Labour-Partei am frühen Donnerstagabend ihren Verletzungen.

Bei einer Bürgersprechstunde in einer Bibliothek nahe Leeds war Cox angeschossen und niedergestochen worden.

"Das ganze Land verharrt heute in Schock über den furchtbaren Mord"

Jeremy Corbyn, Vorsitzender der Labour-Partei, veröffentlichte kurz nach der Todes-Meldung ein Statement im Namen seiner Partei, in der er seine tiefe Bestürzung zum Ausdruck brachte: "Die Labour Partei - und eigentlich das ganze Land - verharrt heute in Schock über den furchtbaren Mord an Jo Cox."

Weiterhin würdigte er die Karriere der Frau, die ihr ganzes Leben "für die Menschlichkeit" gearbeitet habe. "All unsere Gedanken sind bei Jos Mann Branden und bei ihren zwei kleinen Kindern."

Angreifer soll "Britain first" geschrien haben

Das Attentat ereignete sich im Wahlkreis der Politikerin im nordenglischen Birstall. Die Polizei teilte mit, ein 52 Jahre alter Mann sei festgenommen worden. Der Hintergrund der Tat war zunächst unklar.

Laut Augenzeugen soll der Angreifer allerdings "Britain first" ("Großbritannien zuerst") geschrien haben, bevor er das Feuer auf die Politikerin eröffnete.

Jayda Fransen, stellvertretende Vorsitzende der Partei "Britain first" distanzierte sich kurz darauf von der Tat. "Wir waren genauso schockiert wie alle anderen, als wir die Nachrichten hörten. Im Moment warten wir noch auf den Namen des Mannes, aber natürlich unterstützen wir diese Art von Verhalten in keiner Weise", sagte Fransen britischen Medien.

Ben Abdullah, ein Labour-Kollege von Cox, der vor Ort war, sagte gegenüber Sky News, der Mann habe Cox an den Haaren gepackt und zwei Mal auf sie geschossen. Die Politikerin sei auf den Boden gefallen, "ihr Gesicht blutete".

Premier Cameron reagierte entsetzt

Premierminister David Cameron zeigte sich tief erschüttert über den Tod seiner Kollegin: "Der Tod von Jo Cox ist eine Tragödie. Sie war eine engagierte und fürsorgliche Abgeordnete. Meine Gedanken sind bei ihrem Ehemann Branden und ihren beiden kleinen Kindern", schrieb er auf Twitter.

Das Pro-Brexit-Lager kündigte als Reaktion auf den Angriff an, den Wahlkampf für den heutigen Tag einzustellen. Auf Twitter schrieben die Befürworter eines Euro-Ausstiegs Großbritanniens: "Unsere Gedanken sind bei Jo Cox und ihrer Familie."

Cox war vehemente Brexit-Gegnerin und versucht vor der Abstimmung in einer Woche, die Briten von einem Verbleib in der Eurozone zu überzeugen.

"Warnsignal für uns alle"

Auch unter deutschen Politikern löste das tödliche Attentat großes Entsetzen aus. "Ich bin schockiert über den Tod der britischen Kollegin, die sich gegen den Brexit gestellt hat", sagte etwa Grünen-Chefin Simone Peter der Huffington Post.

"Wenn Nationalismus und die Spaltung der Gesellschaft zu Radikalisierung und Gewalt in einem solch unfassbaren Ausmaß führen, dann muss uns das allen ein Warnsignal mit Blick auf die Zukunft sein", so Peter.

Die Politikerin warnte vor den Folgen eines Euro-Ausstiegs Großbritanniens: "Ein Brexit würde die Spaltung in ganz Europa weiter vorantreiben und das Friedens- und Solidarprojekt Europa in massive Gefahr bringen."

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