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Studie: Fast jeder siebte Ostdeutsche stimmt einer Diktatur zu

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PEGIDA
Studie: Fast jeder siebte Ostdeutsche hält eine Diktatur "unter Umständen" für die bessere Staatsform | dpa
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  • Neue Studie: AfD wird zur politische Heimat für immer mehr Rechtsextreme
  • Fast jeder siebte Ostdeutsche hält eine Diktatur "unter Umständen" für die bessere Staatsform

Rechtsextreme finden in Deutschland ihre politische Heimat offenbar zunehmend in der AfD. Das behaupten zumindest die Autoren einer aufwändigen Studie der Uni Leipzig mit dem Titel "Die enthemmte Mitte".

Die repräsentative Erhebung ist der neueste Teil eines Langzeitforschungsprojekts, das seit 2002 politische Einstellungen in Deutschland untersucht.

Rechtsextreme Wähler wandern von etablierten Parteien ab

Die Studie belegt: In den vergangenen zwei Jahren haben sich die Präferenzen der Wähler der Alternative für Deutschland massiv verändert. Waren 2014 noch SPD und Union die beste Wahl-Alternative von Rechtsradikalen, ist es nun die AfD. Die relativ neue Partei wird von 35 Prozent der Rechtsextremisten präferiert.

Vor zwei Jahren zog die SPD noch ein Viertel der rechtsextremistischen Wähler an, die Union 21 Prozent. Aktuell sind es nur noch 15 beziehungsweise 11 Prozent.

Fast jeder Siebte stimmt einer Diktatur zu

Manche der Ergebnisse sind schockierend: "Was Deutschland jetzt braucht, ist eine einzige starke Partei, die die Volksgemeinschaft insgesamt verkörpert" - 21,9 Prozent der Deutschen stimmen dieser Aussage zu, im Osten ist es sogar jeder vierte.

Der These, dass Deutschland "durch die vielen Ausländer in einem gefährlichen Maß überfremdet" sei, stimmt mehr als ein Drittel der Befragten "überwiegend" oder "voll und ganz zu“.

Mehr noch: Im Osten Deutschlands findet fast jeder Siebte (13,8 Prozent), dass eine Diktatur im nationalen Interesse unter bestimmten Umständen die bessere Staatsform sei. Im Westen ist die Zustimmungsrate nur halb so hoch.

Die Hälfte der Befragten gab zudem an, "sich durch die vielen Muslime (...) manchmal wie ein Fremder im eigenen Land" zu fühlen. 2014 waren es noch 43 Prozent gewesen.

Mehr als 40 Prozent der Bürger sind der Meinung, Muslimen sollte die Zuwanderung nach Deutschland untersagt werden (2014: 36,6 Prozent). Auch die Vorbehalte gegenüber Asylbewerbern sowie Sinti und Roma haben laut der Studie zugenommen. Besonders verbreitet sind solche Positionen demnach unter AfD-Anhängern.

Allgemeine rechtsextreme Einstellungen wie generelle Ausländerfeindlichkeit oder eine Verharmlosung des Nationalsozialismus blieben laut der Untersuchung auf ähnlichem Niveau wie in den Vorjahren. Menschen mit rechtsextremer Einstellung seien allerdings zunehmend bereit, zur Durchsetzung ihrer Interessen Gewalt einzusetzen, erklärten die Autoren. Zu beobachten sei eine zunehmende Polarisierung und Radikalisierung in Deutschland.

AfD bedient rechtsextreme Wählerschaft

Die AfD sieht sich selbst iN teilen als rechtskonservativ, in Teilen als liberal an. Unstrittig sind islamfeindliche Tendenzen.

Der Verfassungsschutz soll in Bayern einzelne Parteimitglieder unter Beobachtung gestellt haben. Der stellvertretende Sprecher der Behörde, Sönke Meußer erklärte kürzlich: "Das sind Personen, die schon vor ihrer Parteizugehörigkeit in rechtsextremistischen oder islamfeindlichen Bereichen auffällig geworden sind.“

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(lk)