Huffpost Germany

Türkische Jugend hinter Gittern: Um an der Macht zu bleiben, bringt Erdogan sogar Kinder vor Gericht

Veröffentlicht: Aktualisiert:
ERDOGAN
Jugend hinter Gittern: Um an der Macht zu bleiben, bringt Erdogan sogar Kinder vor Gericht | ASSOCIATED PRESS
Drucken
  • Erdogan ist in der Türkei für sein hartes Durchgreifen gegenüber Regimegegnern gefürchtet
  • Um die Bevölkerung einzuschüchtern, macht er sogar vor Kindern nicht Halt
  • Hier sind einige der Fälle, in denen minderjährige Kritiker vor Gericht landeten

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan ist im eigenen Land für seine harte Hand gefürchtet. Oppositionspolitiker warfen dem türkischen Präsidenten unlängst vor, wie ein Diktator zu regieren.

Mehr als 2000 Menschen hat Erdogan in den letzten zwei Jahren seit seiner Vereidigung als Präsident wegen Beleidigung angeklagt. Unter den Verfolgten sind sogar Kinder.

Die Wochenzeitung "Die Zeit“ dokumentiert im Magazinteil ihrer neusten Ausgabe 286 Fälle – einige davon sind besonders schockierend. Die Zusammenstellung macht anschaulich: Erdogan hat die eigene Bevölkerung im Würgegriff. Jede kritische Stimme soll unterdrückt werden. Und er macht selbst vor den Jüngsten nicht Halt.

Die jüngsten Angeklagten sind 12 und 13 Jahre alt

Weil zwei Schüler im Alter von 12 und 13 Jahren im kurdisch geprägten osttürkischen Diyarbakir im Mai vergangenen Jahres ein Plakat des Präsidenten abgerissen hatten, wurden die Kinder festgenommen.

Zwei Jahre und fünf Monate Haftstrafe forderte die Staatsanwaltschaft. Die Jungen sollten aus ihren Familien gerissen und zum Vollzug in ein staatliches Waisenhaus gebracht werden.

Im Februar wurden die Jungen zwar freigesprochen, doch ihre Geschichte spricht Bände über die schockierenden Einschüchterungs-Methoden des autoritär regierenden Präsidenten.

Haft wegen Korruptionsvorwürfen

Denn sie ist kein Einzelfall: Am 24. Dezember 2014 wurde im zentralanatolischen Konya ein 16-Jährige in Haft genommen. Er ist Mitglied einer linken Jugendgruppe und hatte Erdogan der Korruption bezichtigt. Der neu gebaute Präsidentenpalast Erdogans sei illegal, sagte er.

Dass der türkische Staat seit jeher von Korruption durchzogen ist, von der auch Erdogan maßgeblich profitiert, ist kein Geheimnis. Aussprechen sollte man es nicht. Der Jugendliche wurde zu fast einem Jahr Haft verurteilt, später auf Bewährung freigelassen.

Erdogan späht bei Facebook

Auch die sozialen Netzwerke sind vor Erdogans wachsamen Augen nicht sicher. Das zeigt sich nicht nur an sein Kampf gegen den Nachrichtendienst Twitter. Am 21. Oktober nahmen türkische Beamte einen 14-Jährigen fest, der in einem Internetcafé Facebook-Beiträge gegen den Präsidenten verfasst hatte.

Im Februar kam es zu einem ähnlichen Fall: Ein Sondereinsatzkommando stürmte in einem Außenbezirk Istanbuls ein Haus und nahm einen 13-jährigen Jungen fest. Auch er hatte bei Facebook kritische Äußerungen über den ehemaligen AKP-Vorsitzenden verfasst.

Das Vorgehen hat System

Die Unterdrückungspolitik des türkischen Staatsoberhauptes gegen die kritische Jugend hat System. Denn seit den Taksim-Protesten 2013 weiß Erdogan, wie gefährlich der Freiheitsdrang der türkischen Jugendlichen für seine Machtbasis werden kann.

Mehrere Wochen lang protestierten über drei Millionen Menschen im Sommer gegen die Regierung des damaligen Ministerpräsidenten.

Erdogan konnte an seinem Posten festhalten. Er zerschlug die Proteste, die auf dem Gelände des Istanbuler Gezi-Parks ihr Zentrum fanden.

Mit der harten Hand, die er auch heute noch walten lässt.

Auch auf HuffPost:

Erdogan zeigt, wie sehr er die Werte des Westens verachtet


Kindern helfen

Seit Jahren schon warnen Experten, dass allein in Deutschland jedes fünfte Kind in Armut lebt. Viel schwieriger noch die Situation von Kindern in Südeuropa, Afrika oder Südasien. Doch was fehlt ihnen wirklich? Wie kann man ihnen wirkungsvoll helfen?

Zusammen mit der Spendenplattform betterplace.org nennt die Huffington Post einige spannende Projekte, die jeder unterstützen kann.

Viele Kinder in Deutschland sind so arm, dass ihre Eltern sich nicht einmal eine warme Mahlzeit leisten können. Ihnen hilft das Deutsche Kinderhilfswerk mit Kinderhäusern. Hier können die Kinder in Ruhe essen, Hausaufgaben machen und sogar an Kochkursen teilnehmen. Das ist nur mit Spenden möglich.

Die Wirtschaftskrise in Griechenland trifft Kinder ganz besonders. Der Verein KRASS e.V.“ möchte den Kindern in Athen und wo immer möglich in Griechenland, eine Auszeit mit Spiel, Kunst und Spaß unter professioneller Begleitung ermöglichen.”Details findet ihr hier.

Ihr könnt auch einfach Zeit spenden: Als Vorlesepate von Kindern im Raum Stuttgart bei Leseohren e.V.

Oder ihr werdet gleich Pate für ein Kind und schenkt ihm ein Stück unbeschwerte Freizeit: Solche Paten vermittelt zum Beispiel das Projekt Biffy Berlin.

(lk)