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Brexit: EU-Politiker sehen im EU-Austritt Großbritanniens eine Chance

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VERHOFSTADT EU
"Keine Angst vor dem Brexit": EU-Politiker sehen im möglichen Ausschied Großbritanniens eine Chance | Anadolu Agency via Getty Images
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  • In Brüssel wächst wenige Tage vor dem Brexit-Referendum die Sorge vor einem britischen EU-Austritt
  • Die Angst vor möglichen fatalen Folgen des Austritts für ganz Europa ist groß
  • Jetzt haben führende EU-Politiker aber die Chancen betont, die der Brexit birgt

In acht Tagen, am 23. Juni, steht ein Schicksalstag für Großbritannien an. Die Briten stimmen über den Brexit, den Austritt aus der Europäischen Union, ab.

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In Europa wächst die Sorge vor einem Zerbrechen der Staatengemeinschaft, gleichzeitig bereiten sich führende Europapolitiker auf den Brexit vor. Einige sehen in der drohenden Abspaltung auch eine Chance.

Verhofstadt: "Warum sollten wir Angst haben?"

"Manchmal ist eine Scheidung besser als ein Nebeneinanderleben mit zu vielen Kompromissen“, sagte Viviane Reding, langjährige Vizepräsidentin der EU-Kommission, im Gespräch mit der "Zeit“.

Auch der frühere belgische Premierminister Guy Verhofstadt stellt sich gegen die Unkenrufer, die im möglichen Brexit das "Ende der westlichen politischen Zivilisation“ sehen, wie es EU-Ratspräsident Donald Tusk jüngst formulierte.

Verhofstadt erklärte: "Warum sollten wir Angst haben vor dem Brexit? Wenn es passiert, können wir das zum Anlass nehmen, Europa neu zu gestalten.“

EU als kleinerer Kernverbund

EU-Politiker und Politikexperten diskutieren unlängst darüber, wie eine solche Neugestaltung aussehen könnte. Führende Köpfe sehen die Zukunft der EU in einem kleineren, enger integrierten Staatenverbund.

Besonders in Frankreich erfreut sich die Idee eines "Kerneuropa“ großer Beliebtheit. Wirtschaftsexperten und Politiker flirten offen mit dem Brexit. Der Ökonom Philippe Chalmin etwa schrieb bereits im Februar: "Wir können den 'Brexit' als wunderbare Gelegenheit für einen neuen europäischen Aufbruch sehen

Auch Reding sieht eine Verkleinerung der Union als Lösung. "Wir brauchen ein Kerneuropa, das müssen wir schnell durchsetzen“, sagte sie der "Zeit“.

EU driftet auseinander

Nur gemeinsam könnten Europas Nationen Probleme wie Terrorismus oder die Flüchtlingskrisen in den Griff bekommen, so der deutsche EU-Kommissar Günther Oettinger: "Europa muss erwachsen werden.“

Gemeinsam: Daran hakt es derzeit in Europa. Zahlreiche Staaten wollen die gemeinsame Flüchtlingspolitik der EU nicht mittragen. In Polen sammelt etwa eine nationalistische Bewegung Unterschriften für eine Volksabstimmung, bei der die Bürger über die Aufnahme von Flüchtlingen entscheiden sollen. Kommt es zu dem Referendum, dürfte Polen als Partner in der Krise wegfallen.

"Die EU ist ein schlechter Witz"

Auch in Frankreich, den Staaten des Baltikums, in Tschechien und Ungarn unterstützen breite Bevölkerungsschichten und politische Einflussparteien nationale Lösungen in der Flüchtlingspolitik. Die EU-Skepsis wächst.

Auch deshalb geht Verhofstadt mit der heutigen EU hart ins Gericht. "Ich will solch eine Europäische Union nicht weiter erleben“, sagte er. "Sie ist ein schlechter Witz.“

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(lk)