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Warum so viele Flüchtlinge beim Schwimmen verunglücken - und was die DLRG dagegen machen will

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FLCHTLINGE
Zwei aus dem Iran geflüchtete junge Männer lesen am 21.01.2016 im Hallenbad in Hermeskeil, Kreis Trier-Saarburg (Rheinland-Pfalz) die Baderegeln, die in deutscher, arabischer und englischer Sprache angebracht sind. | dpa
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  • Zuletzt waren mehrere Flüchtlinge bei Bade-Unfällen ums Leben gekommen
  • Die DLRG befürchtet für diesen Sommer noch mehr Tote
  • Ein großer Teil der Schutzsuchenden kann nicht schwimmen

Zwei Flüchtlinge ertrinken in einem Hamburger See, zwei Syrer in der Elbe und ein Afghane bei Leipzig - schon mehrere Migranten sind in diesem Jahr bei Badeunfällen gestorben.

Das einsetzende Sommerwetter lässt die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) Schlimmes befürchten. Nachdem im vergangenen Jahr bereits 27 Flüchtlinge ertranken, gehen die Wasserretter angesichts der großen Zahl von Migranten in diesem Jahr von weit mehr Unfällen aus. Das Problem müsse dringend angegangen werden, sagt DLRG-Referent Martin Holzhause.

Wie viele Flüchtlinge sind bislang beim Schwimmen ertrunken?

Eine tagesaktuelle Statistik führt die DLRG nicht. Schon vor Sommerbeginn aber passierten an den ersten warmen Tage Unfälle, zwei am vorletzten Wochenende in Hamburg etwa und zwei weitere im Raum Bremen. "Es wird in diesem Jahr wahrscheinlich mehr solcher Unfälle geben als im letzten Jahr." Viele der Flüchtlinge stehen jetzt vor ihrem ersten Sommer in Deutschland.

Weshalb kommt es zu so vielen Badeunfällen bei Flüchtlingen?

Die Schwimmfähigkeit der Schutzsuchenden ist deutlich geringer, als in Deutschland, wo 80 Prozent der Bevölkerung schwimmen kann. Faszination und Anziehungskraft des Wasser aber seien für alle Menschen gleich, auch die Flüchtlinge wollten sich im Sommer abkühlen, so Holzhause. Dabei überschätzten sie schnell die eigenen Fähigkeiten und unterschätzten Gefahren in unbekannten Gewässern.

Was unternimmt die DLRG, um den Flüchtlingen zu helfen?

Zunächst wurden die Baderegeln, die die DLRG in 30 Sprachen hat, in einer Kurzversion in Deutsch, Englisch, Französisch und Arabisch zusammengefasst.

Damit gehen die DLRG-Helfer auch in Flüchtlingsheime. Außerdem werden gerade Warnhinweise erarbeitet, die ohne Sprache auskommen und auch für Analphabeten geeignet sind. Bei den 2000 DLRG-Ortsgruppen ist die Nachfrage nach Hilfsmaterial für die Flüchtlinge groß.

Vielerorts hat die DLRG Flüchtlinge in bestehende Schwimmgruppen integriert oder Zusatzangebote geschaffen. Andererseits ist die Kapazität in den Schwimmbädern begrenzt und es gibt Wartelisten für Schwimmkurse.

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Flüchtlingskrise: Helft den Helfern!

Die Flüchtlingskrise bewegt die Deutschen wie kein anderes Thema. Viele blicken fassungslos auf das, was sich an Europas Grenzen abspielt. Auf das Leiden und die Nöte der Hilfesuchenden.

Dabei gibt es zahlreiche Menschen und Organisationen, die vor Ort helfen, die Probleme zu lösen. Zusammen mit der Spendenplattform betterplace.org nennt die Huffington Post spannende Projekte, die ihr direkt unterstützen könnt.

Die Nachrichten von ertrunkenen Flüchtlingen nehmen kein Ende. Auch, weil es viel zu wenig Rettungskräfte auf dem Mittelmeer gibt. Hier versucht die Mannschaft des Schiffes Sea Watch 2. zu helfen. Spenden benötigt die Crew für Nahrung, Schwimmwesten und Medikamente.

Auf der sogenannten Balkanroute ist ein großer Teil der Flüchtlinge unterwegs. Der Verein Soups & Socks versorgt Flüchtlinge hier mit einer warmen Mahlzeit und anderen lebensnotwendigen Dingen. Hier geht es weiter zur Soups & Socks Tour.

Ein weiteres Problem sind die vielen unbegleiteten, minderjährigen Flüchtlinge in Berlin. Ihnen vermittelt die Organisation Akinda beispielsweise einen gesetzlichen Vertreter. Wie das geht, beschreiben die Initiatoren hier.