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"Stolz darauf, ein Nazi zu sein": AfD-Politiker sorgt mit Eintrag auf Facebook für Empörung

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AFD DEMONSTRATION
Ein AfD-Kommunalpolitiker sorgte mit einem Facebook-Post für Empörung | JOHN MACDOUGALL via Getty Images
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  • Ein hessischer AfD-Politiker hat mit einem Facebook-Post für Empörung gesorgt
  • Andreas Schmehl teilte einen Post mit dem Satz "Ich bin stolz, ein Nazi zu sein"
  • Der Ausländerbeirat der Stadt Dreieich wirft dem Kommunalpolitiker geistige Brandstiftung vor

Dass sich Politiker der rechtspopulistischen Alternative für Deutschland in der Öffentlichkeit böse im Ton vergreifen, ist leider keine Seltenheit:

Man denke nur an Beatrix von Storchs Forderung nach einem "Schießbefehl" an der Grenze gegen Flüchtlinge oder an die Debatte um Alexander Gaulands umstrittene Aussagen über den Fußballer Jérôme Boateng.

Nun hat mit Andreas Schmehl, Stadtverordneter in der hessischen Kleinstadt Dreieich im Landkreis Offenbach, ein weiterer AfD-Funktionär für Empörung gesorgt.

Wie die "Frankfurter Neue Presse" zuerst berichtete, hat der Kommunalpolitiker auf seiner Facebook-Seite ein Bild mit folgendem Text geteilt:

"Wenn Nazi bedeutet, unsere Kinder und Frauen zu verteidigen, unser Land und Kultur zu schützen und uns gegen Diebe und Verbrecher zu wehren, dann bin ich stolz ein Nazi zu sein! Es lebe Deutschland.“

afd

"Geistige Brandstiftung"

Beim Ausländerbeirat der 40.00-Einwohner-Stadt sorgte Schmehls Posting für Empörung. Auf Facebook spricht der Beirat von "geistiger Brandstiftung" und "Missbrauch der Sehnsucht nach einer heilen Welt". Mit diesem Post sei die Volksverhetzung durch die AfD auch in ihrer Stadt angekommen.

"Deutsche Werte mit Füßen getreten"

Das Gremium wirft dem AfD-Mann vor, dieselben Argumente zu verwenden, wie sie auch Islamisten gebrauchen: "Auch sie beklagen eine degenerierte, unmoralische, familienfeindliche, sexualisierte, fremdgesteuerte Gesellschaft. Während die AfD Wähler Angst vor Islamisierung haben, haben fanatische Islamisten Angst vor Christianisierung."

"Als Ausländerbeirat Dreieich fragen wir uns, ob denn die AfD und ähnlich Gesinnte nicht merken, dass sie die deutsche Kultur, die sie angeblich vertreten mit Füßen treten?"

Wer glaube, dass nur deutsche Werte wie Liebe und Familie, Mitmenschlichkeit, Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft, Gerechtigkeit und Wahrhaftigkeit kennen, sei schlichtweg einfältig.

"Ich bin schockiert"

Heftige Kritik kam auch aus den Reihen der Dreieicher Parteipolitik: "Ich bin schockiert“, zitiert die "Frankfurter Neue Presse" Dreieichs SPD-Bürgermeister Dieter Zimmer: "Das bestätigt leider die menschenverachtenden Parolen der AfD im Bund. Ich hätte nicht gedacht, dass es bei uns auch so extrem ist."

Auch die Dreieicher CDU findet solche Aussagen nicht hin­nehm­bar. Dennoch müsse man das Gespräch mit der AfD suchen, da auch sie die Politik der Stadt repräsentieren würde.

Screenshots von Schmehls Facebook-Seite sprechen für sich

Schmehl gibt zu, den Satz "Stolz darauf, ein Nazi zu sein" geteilt zu haben. Auf Anfrage der Huffington Post schreibt er zu seinen Beweggründen:

"Wenn man heutzutage deutsche Werte vertritt, wird man verunglimpft. Gleichzeitig scheinen viele Beifall zu klatschen, wenn die Grünen "Deutschland verrecke" skandieren oder jetzt sogar die deutsche Nationalflagge abschaffen wollen. Ich sehe das anders: wir fordern Respekt für unser Land, unsere deutsche Leitkultur, die uns den Wohlstand gebracht hat, und fordern Schutz vor Verbrechen."

Bei dem Satz, der er auf seinem Profil geteilt habe, handele es sich "um eine Reaktion eines Users auf die ungeheuerliche Stellungnahme des SPD-Vorsitzenden Gabriel". Der habe "nicht etwa einzelne Parteifunktionäre, sondern alle AfD-Wähler pauschal in die Nähe des Dritten Reiches gebracht. Möge sich jeder selbst ein Bild darüber machen".

Wie Politiker aus Dreieich der Huffington Post sagten, trat die AfD dort eigentlich mit dem Anspruch an, keine rechte Politik zu machen. Die Abgeordneten wollten sich deutlich von den radikalen Strömungen in der Partei abgrenzen. Dieser Versuch muss als gescheitert gelten.

UPDATE 16.06, 09:30 UHR: Andreas Schmehl hat sich zu zwei Fotos geäußert, die eine Userin auf dem Profil von Schmehl gefunden hat und die er dort laut der Userin geteilt haben soll. Die Fotos waren in einer früheren Version dieses Artikels eingebunden. Nachweislich wurden die Bilder aber von Facebook-Usern als Kommentar auf dem Profil von Schmehl veröffentlicht und nicht von ihm geteilt.

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