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Der Drahtzieher der russischen Hooligan-Krawalle hat Verbindungen bis in die Politik

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RUSSIAN HOOLIGANS
Russische Hooligans stürmen den englischen Block bei einem Spiel der Gruppe B in Marseille | Michael Regan - The FA via Getty Images
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  • Die Anreise der russischen Hooligans scheint von einem Fan-Verband organisiert zu sein
  • Dessen Vorsitzender ist ein bekennender Rechtsradikaler
  • Er hat Verbindungen in die Politik und Sportverbände

Die britischen Hooligans hatten keine Chance. Als die Engländer in der Innenstadt von Marseille auf russische Hooligans trafen, machten die Russen kurzen Prozess mit ihnen.

Der Unterschied hätte nicht deutlicher sein können. Auf der einen Seite die fahnenschwenkenden Briten, die müde von Sonne und Alkohol versuchten, einige Schwinger zu landen. Und auf der anderen Seite die nüchternen, organisierten und vorbereiteten Russen.

Die russischen Schläger waren trainiert, gingen in Teams vor, griffen schnell in Gruppen an uns zogen sich schnell wieder zurück. Sie waren mit Schlagringen ausgerüstet und schienen Erfahrung in Kampfsport zu haben - und filmten ihre Taten mit Körperkameras.

"Sie waren da, um die Briten zu zerschlagen", sagte Dominique Mesquida, ein Gewerkschaftsvertreter der Polizei. Als "paramilitärische Gruppen" bezeichnete er die Hooligans: "Sie waren ausgerüstet. Sie wussten, was sie tun würden."

Russischen Hooligans haben Verbindungen in Sportverbände und Politik

Es kommt der Verdacht auf, dass es sich hier nicht nur um ein paar verrückte Fans handelt, sondern dass mehr dahintersteht. Wie "Bild " und "Spiegel Online" unabhängig voneinander berichten, scheinen die russischen Hooligans Verbindungen in russische Sportverbände und bis in die Politik hinein zu haben.

Im Zentrum dieser Verdächtigungen steht Alexander Schprygin, der Vorsitzende des Dachverbands russischer Fußballfans (VOB). Er soll mit einer offiziellen UEFA-Akkreditierung als Teil der russischen Delegation in Frankreich sein. Der nationale Verband RFS erklärte jedoch, Schprygin habe weder mit dem Verband noch mit der offiziellen EM-Delegation etwas zu tun.

Schprygin ist ein bekennender Rechtsradikaler. Auf einem Foto von 2007 ist er mit einer rechtsradikalen Band dabei zu sehen, wie er den Hitler-Gruß zeigt. "Alle Fans mögen die Idee der weißen Macht und ich mag die Migrationspolitik des Staates nicht", sagte Schprygin in einem Interview. Er möchte nur "slawische Gesichter" in der Nationalmannschaft sehen.

Die VOB soll die Fahrt für russische Fans organisiert haben, die später in Marseille prügelten. Nach Angaben der "Bild" rief die Organisation am 3. Juni auf ihrer Website dazu auf, sich für kostenlose Busse und eine Hotelübernachtung für nur 30 Euro in Marseille zu registrieren.

VOB-Chef stellte sich hinter prügelnde Fans

"Spiegel Online" schreibt, dass die Hooligans mit einer vom VOB organisierten Chartermaschine am 10. Juni in Marseille gelandet seien. Fünf der Teilnehmer hätten die französischen Behörden laut Meldungen russischer Medien am Flughafen die Einreise verweigert.

VOB-Chef Schprygin war schon zuvor durch seine demonstrative Unterstützung russischer Hooligans aufgefallen. Als 2012 während eines Qualifikationsspiels gegen Tschechien russische Hooligans auf Ordner eingeprügelt hatten, kündigte er demonstrativ Unterstützung für die russischen Hooligans an. Damals hatte die UEFA Russland zum Abzug von sechs Punkten auf Bewährung sowie zu 120.000 Euro Geldstrafe verurteilt.

"Gut gemacht, Jungs!"

Schprygin hat auch Verbindungen in die Politik. Er arbeitet als Assistent des russischen Politikers Igor Lebedew. Der ist Mitglied der rechten "Liberal-Demokratischen Partei Russlands" und Mitglied des Exekutivkomitees der russischen Fußballunion. Auf Twitter schrieb er: "Ich sehe nichts Falsches dabei, wenn Fußballfans kämpfen. Im Gegenteil, gut gemacht, Jungs! Macht weiter, so!"

Das Schprygin der Drahtzieher der Hooligan-Krawalle ist, haben auch die französischen Behörden erkannt. Am Dienstag stoppten Polizisten in Cannes einen seiner Busse, der mit einer Landung Randalieren auf dem Weg nach Lille war. Dort spielt heute Russland gegen die Slowakei.

Der Bus sei nach Marseille gelenkt und 43 mutmaßlichen Hooligans festgenommen worden. Ihnen droht nun die Ausweisung oder ein Verfahren.

Mit Material der dpa und der AP

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