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"Der Kampf ist noch lange nicht vorbei": Auch zu EM-Beginn herrscht in Frankreich weiter Ausnahmezustand

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  • Bei einer Kundgebung in Paris gegen die Arbeitsmarktreform der Regierung ist es zu Ausschreitungen gekommen
  • Auch in anderen Teilen des Landers protestieren Menschen, Gewerkschaften wollen die EM lahm legen
  • Zudem erschüttern Terror und Fußball-Randalen des Land

Die Fußball-Europameisterschaft ist in vollem Gange. Nach fünf Turniertagen sind es aber eher die Bilder wütender und randalierender Fangruppen, als die schöner Tore, die in Erinnerung bleiben.

Und auch abseits der Fußball-Randale befindet sich Frankreich weiter in Aufruhr. Am Dienstag protestierten erneut Gewerkschaften gegen die umstrittene Arbeitsmarktreform von Staatschef François Hollande.

Brennende Autos in Paris

In Paris kam es dabei zu heftigen Szenen: Demonstranten zündeten Autos an, die Polizei setzte Wasserwerfer und Tränengas ein. Vermummte warfen Steine auf Polizeibeamte, Schaufenster wurden zerstört. Auch in anderen Teilen des Landes demonstrierten Menschen gegen die angestrebte Lockerung des Arbeitsrechtes.

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Am Montag hat Frankreichs Senat die Beratung der umstrittenen Arbeitsmarktreform begonnen. Ziel sei es, gegen wachsende soziale Unsicherheit mit zahlreichen befristeten Arbeitsverträgen vorzugehen, sagte Arbeitsministerin Myriam El Khomri am Montag vor den Senatoren.

Parlament will Kündigungen erleichtern

Es wird erwartet, dass die von der konservativen Opposition dominierte zweite Kammer des Parlaments das Gesetz noch verschärft. Seit Monaten wehren sich Gewerkschaften teils mit Streiks und Blockadeaktionen gegen den Vorstoß der Regierung, der unter anderem vorsieht, betriebsbedingte Kündigungen zu erleichtern und so die Hürde für Neueinstellungen zu senken.

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Der Eiffelturm blieb am Dienstag geschlossen, da die Mitarbeiter die Arbeit niederlegten. In Kraftwerken drosselten Mitarbeiter die Stromproduktion, im Großraum Paris wurden Hochspannungsleitungen unterbrochen.

Blockade der EM

Auch in den kommenden Wochen sind weitere große Demonstrationen und Streiks geplant. Gewerkschaften hatten vor der Europameisterschaft betont, die Großveranstaltung als Druckmittel zu nutzen, den Ablauf der EM nötigenfalls zu blockieren.

Bislang blieb das ganz große Chaos aufgrund von Streiks zumindest aus. Doch Philippe Martinez, Chef der für ihre harte Haltung bekannten Gewerkschaft CGT, betonte heute: "Der Kampf ist noch lange nicht vorbei."

Fußball-Gewalt und Terror

Auch in anderen Teilen des Landes war es heute zu Gewalt gekommen. Russische Hooligans randalierten in Lille, es kam zu mehreren Festnahmen.

Ein Mann erstach zudem am Dienstagmorgen einen Polizisten und dessen Lebensgefährtin im Pariser Vorort Magnanville. In einem Video bekannte er sich zum IS und warnte vor weiteren Anschlägen während der Europameisterschaft.

Ermittler und Sicherheitsbeamte arbeiten indes auf Hochtouren, um Ordnung und Sicherheit während der Großveranstaltung aufrecht zu erhalten. Mehr als 100.000 Polizisten, Soldaten und Sicherheitsmänner sollen eingespannt sein.

Auch hier - scheint es - ist der Kampf noch nicht vorbei.

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(bp)