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"EM wird ein Friedhof": Paris-Attentäter überträgt Tat bei Facebook und schickt Warnung an den Westen

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PARIS LAROSSI
Trauer um die Opfer in Orlando: Experten befürchten, es könnten noch mehr werden | MATTHIEU ALEXANDRE via Getty Images
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  • Ein Mann hat in der Nähe von Paris einen Polizisten und dessen Lebensgefährtin erstochen
  • Er soll die Tat live bei Facebook gestreamt und vor weiteren Anschlägen gewarnt haben
  • Auch Experten sprechen von einer "Serie von Attentaten"

Der IS hat sich in der Nacht zum Dienstag über die eigene Nachrichtenagentur Amaq zu einem weiteren Attentat bekannt. Ein Mann hat einen Polizisten und dessen Lebensgefährtin in dem französischen Vorort Magnanville erstochen. Eine Polizeieinheit konnte den Täter anschließend überwältigen und erschoss ihn.

Laut einem Terrorexperten von CNN sei die Tat live auf Facebook in einem Video übertragen worden. In diesem soll der Täter weitere Bluttaten angekündigt haben: "Die Europameisterschaft wird ein Friedhof", sagte er laut Angaben des französischen Terror-Experten David Thompson.

Experte warnt vor "Serie von Anschlägen"

Wegen des erneuten Mordes ist der Islamismus-Experte Mathieu Guidère davon überzeugt, dass Orlando nur "der Startschuss von einer Serie von Attentaten" des IS war. Das sagte er dem französischen Radiosender "France Info".

Außerdem rief Guidère die schreckliche Drohung des IS in Erinnerung, der "alle Soldaten des Kalifats und damit alle Sympathisanten" zu Beginn des Fastenmonats Ramadan dazu aufgefordert hatte, "Attentate vor allem in drei Ländern zu machen: in den USA, in Frankreich und Großbritannien."

Der Täter wartete hinter dem Gartentor

Der Fastenmonat Ramadan hat am Montag begonnen und der Islamismusexperte ist sicher, dass das kein Zufall ist. Er befürchtet "das Schlimmste". Währenddessen sind neue Details zum Polizistenmörder und dem Tatverlauf an die Öffentlichkeit gelangt.

Der 25-jährige Täter Larossi Abballa stammt aus der Stadt Les Muraux, die als Problemvorstadt bekannt ist. Zuletzt lebte er in Mantes-Les-Jolies. Abballa soll dem 42-jährigen Polizisten hinter dem Gartentor aufgelauert haben, ehe er ihn erstach.

Augenzeugen wollen gesehen haben, wie der Polizist versuchte, sich zu wehren. Kurz soll es ihm noch gelungen sein zu fliehen, ehe der Täter ihn einholte und mit dem Ruf "Allahu akbar!", auf Deutsch "Gott ist das Größte", erstach.

Dreijähriger bekam alles mit und überlebt

Der Mörder setzte seine grausame Tat fort, brach in das Haus des Polizisten ein und schnitt dessen Lebensgefährtin die Kehle durch. Der dreijährige Sohn des Paares bekam alles mit. Er soll sich während der Tat im Haus hinter dem Sofa versteckt gehalten haben. Mittlerweile soll er mit einem Schock in einem Pariser Krankenhaus sein.

David Thomson behauptete auf Twitter, in dem Video auf der Facebookseite des Täters sollen sogar Fotos der Opfer veröffentlicht worden sein. Das Profil sei mittlerweile aber von Facebook gelöscht worden.

Der Täter war den Ermittlern bekannt

Abballa war kein Unbekannter. Er war bereits vorbestraft und 2013 sogar zu drei Jahren Gefängnisstrafe verurteilt. Trotzdem gelang es den Ermittlern nicht, diese schreckliche Tat zu verhindern.

Damals in Haft habe man ihm außer "schlechtem Umgang" und "regelmäßigen Joggings, um in Form zu bleiben" nicht viel vorwerfen können, sagte Marc Trévidic, ehemaliger Anti-Terrorrichter im damaligen Fall, der französischen Zeitung "Le Figaro".

Obwohl sich der IS zu dem Mord bekannt hat, fehlen bisher eindeutige Belege, die eine Verbindung zu dem Attentat in Orlando herstellen. Frankreichs Präsident Francois Hollande hegt jedoch keine Zweifel, dass es sich bei dem Mord ebenfalls eindeutig "um einen terroristischen Akt" handelt. Es bleibt zu hoffen, dass die Experten in diesem Fall Unrecht haben und keine weiteren folgen.

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