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BKA-Bericht: Polizei verdächtigt Nordafrikaner bei Straftaten besonders häufig

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MAGHREB
BKA-Bericht: Polizei verdächtigt Nordafrikaner bei Straftaten besonders häufig (Archivbild) | dpa
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  • Bei jedem vierten Verbrechen eines Migranten verdächtigt die Polizei Nordafrikaner
  • Dabei machen Einwanderer aus den Maghreb-Staaten nur drei Prozent aller Migranten in Deutschland aus
  • Die Zahlen stammen aus einem vertraulich eingestuften BKA-Bericht, der jetzt öffentlich wurde

Die Bundesregierung will die Maghreb-Staaten zu sicheren Herkunftsländern erklären, um Flüchtlinge leichter abschieben zu können - eine Entwicklung, die spätestens seit den Übergriffen in der Kölner Silvesternacht von vielen im politischen Berlin begrüßt wird.

Eine neue Statistik des Bundeskriminalamts (BKA) dürfte die Debatte um die geplante Abschreckungsmethode der Bundesregierung nun zusätzlich anheizen. Das Papier, aus dem die "Welt" zitiert, zeigt, dass die Polizei Zuwanderer aus Algerien, Marokko und Tunesien deutlich häufiger bei Straftaten verdächtigt als Migranten aus anderen Ländern.

Jeder vierte verdächtigte Migrant kommt aus einem der Maghreb-Staaten

Demnach zählte die Wiesbadener Behörde im ersten Quartal 2016 bei Straftaten 67.150 Tatverdächtige, die aus dem Ausland gekommen sind. Davon stammen allein 16.858 Tatverdächtige aus den drei nordafrikanischen Ländern.

Mit anderen Worten: Jeder vierte eines Verbrechens verdächtigte Einwanderer. Ingesamt erfasste das BKA Tatverdächtige aus 20 Herkunftsländern.

„Der Anteil der Maghreb-Staaten lag bei mehr als 25 Prozent“, heißt es im BKA-Bericht „Kriminalität im Kontext von Zuwanderung“. Das 29-Seiten-Papier sei als „VS – Nur für den Dienstgebrauch“ eingestuft, berichtet das Blatt.

74.000 Marokkaner leben in Deutschland

Innenminister Thomas de Maizière (CDU) hatte vor einer Woche lediglich eine Zusammenfassung mit zehn Seiten veröffentlicht, in dem genaue Daten fehlten.

Die Statistik zu den Tatverdächtigen aus dem Maghreb ist deshalb alarmierend, weil die Einwanderer aus diesen Staaten in jüngster Vergangenheit lediglich drei Prozent aller Migranten in Deutschland ausmachen. Das heißt: Der Anteil der Verdächtigen ist deutlich überproportional zum Anteil an der Zuwanderung.

Ende April lebten laut Bundesinnenministerium gut 74.000 Marokkaner in Deutschland. 1122 waren eigentlich verpflichtet, das Land zu verlassen - zum Beispiel weil ihr Asylantrag keinen Erfolg hatte und sie auch keine Duldung bekommen haben.

Rund 1000 Algerier in Deutschland sind nicht geduldet

Von den fast 32.000 Tunesiern, die zu diesem Stichtag in Deutschland lebten, waren etwa 450 "ausreisepflichtig" und hatten keine Duldung. Außerdem lebten mit Stand Ende April etwa 22.000 Algerier in der Bundesrepublik - knapp 1000 davon waren zu dem Zeitpunkt verpflichtet auszureisen und waren auch nicht geduldet.

Bund und Länder bemühten sich zuletzt verstärkt um freiwillige Ausreisen und Abschiebungen abgelehnter Asylbewerber aus den drei Staaten. Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) reiste Anfang März eigens in die Region, um die Regierungen dort zu mehr Kooperation zu bewegen.

Zahl der Abschiebungen weiterhin gering

Die Zahlen der Ausreisen und Abschiebungen bewegen sich jedoch nach wie vor auf niedrigem Niveau: Im laufenden Jahr kehrten laut Innenressort von Anfang Januar bis Ende April 30 Marokkaner freiwillig und mit finanzieller Hilfe vom Staat in ihre Heimat zurück, 25 wurden zwangsweise dorthin zurückgebracht.

Bei den Algeriern lag die Zahl der geförderten freiwilligen Ausreisen in diesem Zeitraum bei 27, die Zahl der Abschiebungen in die Heimat bei 35. In den ersten vier Monaten reisten auch 16 Tunesier freiwillig und mit finanzieller Unterstützung aus, 41 wurden in ihr Heimatland abgeschoben.

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(bp)