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Anonymous offenbart nach dem Orlando-Attentat eine unangenehme Wahrheit über den IS

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  • Nach dem Attentat in Orlando kommen die Hacker von Anonymous zu einer ernüchternden Erkenntnis
  • Der IS lasse sich im Internet nicht besiegen, schreiben die Aktivisten
  • In der Bewegung gibt es Streit über den richtigen Kurs des Hacker-Kollektivs
  • Die wichtigsten Punkte seht ihr im Video

"Man bekämpft den IS nicht über das Internet. Man bekämpft ihn durch Zusammenhalt, anstatt ihm dabei zu helfen, sein Weltbild zu verwirklichen."

Das schreiben die Betreiber des Twitter-Accounts von Anonymous nach dem Massaker von Orlando, bei dem 50 Menschen ums Leben kamen. Der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) den Krieg zu erklären, sei sinnlos, sagen die Hacker.

Bisher waren die Aktivisten dafür bekannt, Organisation, Regierungen oder Einzelpersonen, die ihren Werten und Ansichten widerstreben, den Krieg zu erklären. Erst vergangenes Jahr erklärte das Hacker-Kollektiv auch dem IS den Krieg.

Folgt nun ein Paradigmenwechsel?

Nach Meinung der Betreiber der Twitter-Seite könne der IS nicht durch Online-Attacken zur Strecke gebracht werden. Das Netzwerk der Terrormiliz sei zu unübersichtlich. Das klingt erstmal nach dem Eingeständnis einer Niederlage. Die durchaus weitreichende Folgen hat und eine unangenehme Wahrheit über den IS offenbart.

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Denn viele Regierungen - unter anderem auch die deutsche - wollen den IS im Internet bekämpfen. Aber wenn sogar eine Hacker-Armee wie Anonymous daran scheitert, stehen die Chancen für die staatlichen Organe nicht viel besser.

"Unmöglich, den IS aus dem Internet zu entfernen"

Dem IS den Krieg zu erklären, sei "dumm", sagte ein Sprecher der Anonymous-Twitter-Seite @YourAnonNews sogar dem amerikanischen Onlinemagazin "Mic". Anonymous kritisierte zudem die Hacker, die den IS bloßstellen wollen, indem sie die Dschihadisten als "planlose Wichtigtuer" bezeichnen. Dies greife zu kurz.

Anonymous' offizielle Operation gegen den IS läuft seit 2015. Unter dem Hashtag #OpISIS wurde die Aktion gestartet: Rund um die Uhr arbeiten einige dutzend Freiwillige, um IS-Twitter-Konten zu identifizieren und vom Netz zu nehmen.

Der Sprecher der Aktivisten zeigt sich aber enttäuscht über die bisherigen Fortschritte: "Es scheint unmöglich, den IS aus dem Internet zu entfernen."

Unter den Accounts, die Anonymous abschalte, seien auch unbeabsichtigte Fehlschüsse – etwa Nutzerkonten von Wissenschaftlern, die nicht mit dem islamischen Staat sympathisieren.

Zusammenarbeit mit FBI-Agenten ist "Katastrophe"

Eine Gruppe ehemaliger Anonymous-Hacker spaltete sich inzwischen unter dem Namen Ghost-Security-Group ab und begann mit der US-Regierung zur arbeiten, um die Dschihadisten-Gemeinden zu infiltrieren und ihre Kommunikation abzufangen.

Andere Anonymous-Hacker, die an #OpISIS beteiligt sind (darunter auch ehemalige Mitglieder der Ghost-Security-Group), zweifeln den Erfolg der Zusammenarbeit mit den Geheimdiensten an. Die Kooperation mit den FBI-Agenten sei ihrer Meinung nach eine Katastrophe.

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"Mit der Regierung zu arbeiten ist dumm, weil es zukünftige Anti-Regierungs-Operationen behindert," erläutert @YourAnonNews. "Nur wenn die "Anons" wertvolle Informationen an die Öffentlichkeit und nicht an die Regierung geben, werden wir sie unterstützen."

Unübersichtliche Strukturen der "Anons"

Die harsche Kritik, die die Aktivisten an ihrer eigenen Gruppe äußern, mag verwundern, ist aber nicht neu. Da es sich bei Anonymous um eine dezentrale Gruppe handelt, die keinen konkreten Machtstrukturen und Hierarchien folgt, kann jeder unter der bekannten Guy-Fawkes-Maske als Teil der Aktivisten arbeiten.

Damit wird der Name des Hacker-Kollektivs auch immer wieder missbraucht. So etwa vor kurzem in Deutschland: Die Facebookseite "Anonymous.Kollektiv", die zwischenzeitig zwei Millionen Fans hatte, betrieb zunehmend Hetze gegen die etablierten Medien. Die Kernthemen Informationsfreiheit und Internetzensur spielten eine zunehmend geringere Rolle. Inzwischen ist die Seite gelöscht oder verborgen.

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