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Orlando-Massaker: Jetzt droht der IS im Netz auch Berlin

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"Heute Florida, Morgen Berlin": Wie der IS das Orlando-Massaker für Propaganda nutzt | Reuters / dpa / Twitter
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  • Bei dem Attentäter von Orlando soll es sich um einen "einsamen Wolf" handeln
  • Dennoch nutzen IS-Unterstützer das Massaker für ihre Propaganda
  • Der IS sieht sich seit je her im Krieg gegen Homosexuelle

Mittlerweile hat sich die Terror-Miliz IS offiziell zu dem Attentat im Schwulen-Club Pulse in Orlando bekannt. In einem Radio-Beitrag des IS-Senders Albayan nannten die Sprecher den Täter, Omar Mateen, einen "Soldaten des Kalifats“.

Auch wenn das FBI Mateen als "einsamem Wolf“ einschätzt, der nicht in Abstimmung mit der IS-Führung gehandelt hat, trägt die Wahl des Anschlagziels die Handschrift des selbst ernannten Islamischen Staates.

Schwulen-Club ist prestigeträchtiges Terrorziel

Seit je her führt der IS einen Krieg gegen sexuelle Minderheiten. Mit dem Attentat auf den Pulse-Club, einen wichtigen Anlaufpunkt der Homosexuellenszene in Florida, feiern die Terroristen nicht nur einen Schlag gegen den Westen, sondern eröffnen eine neue Front im Kampf gegen offene Gesellschaften.

Der IS verachtet Homosexualität - wie viele islamistische Kräfte - als "Sodomie“. Ein Propagandavideo aus dem August, das IS-Angaben zufolge im syrischen Homs aufgenommen wurde, zeigte, wie IS-Kämpfer zwei vermeintliche Homosexuelle von einem Dach werfen und danach steinigten.

Horror-Videos häufen sich

Ähnliches Videomaterial entstand im Januar dieses Jahres auch in der Provinz al-Furat im Irak sowie im Mai im syrischen Manbidsch. Es sind nur drei Beispiele für die grausame Offensive gegen Homosexuelle, der sich der IS offenbar verschrieben hat.

In den IS-kontrollierten Gebieten werden homosexuelle und vermeintlich homosexuelle Männer, aber selbst Jugendliche, die nicht einmal das 15. Lebensjahr erreicht haben, von der Terror-Miliz brutal verfolgt.

In den sozialen Netzwerken feiern IS-Unterstützer das Blutbad von Orlando, bei dem 50 Menschen zu Tode kamen. Und sie kündigen weitere Angriffe auf den Westen an.

"Wir werden euch überall töten, Ungläubige...“, schrieb ein IS-Unterstützer, dessen Account TheThehunter55 mittlerweile vom Kurznachrichtendienst gebannt wurde, bei Twitter.

Neue Propagandavideos zeigen Omar Mateen

Andere Nutzer teilten bei Twitter ein Video, in dem Aufnahmen der CNN-Berichterstattung über das Massaker in Orlando neben die Bewegtbilder eines IS-Kämpfers geschnitten waren, der eine amerikanische Geisel enthauptet. Ein klares Zeichen an den Westen. "Sterbt in eurem Zorn“, heißt es am Ende des Videos.

Wie Rita Katz von der Anti-Terroroismus-Organisation Site Intelligence Group berichtet, feiern IS-Unterstützer den Anschlag in Orlando als "bestes Ramadan-Geschenk.“

Mit einem anderen Bild, das in den sozialen Netzwerken kursiert, will der IS scheinbar Zweifler überzeugen, auch auf zivile Ziele Anschläge zu verüben. Dies sei dem IS sogar lieber, da es "effektiver und schmerzhafter" sei.

Auch Berlin steht im Fokus

Andere Nutzer verbreiteten ein Bild des Attentäters. Darüber heißt es: "Heute in Florida, morgen in Berlin."

is

Ein weiterer IS-naher Account schrieb bei Twitter: "Ein Soldat hat eure Straßen mit Blut gefüllt. Stellt euch vor, was wäre, wenn es zwei mehr wären. Was wäre passiert?“ Viele dieser Schock-Beiträge werden unter einem Hashtag geteilt, der grob aus dem Arabischen übersetzt "in ihrem Zuhause" bedeutet, also auf weitere geplante Anschläge auf die westliche Welt hindeuten soll.

"Gay Pride"-Festivals könnten Zielscheibe des Terrors werden

Der Anschlag sorgt besonders bei den Lesben- und Schwulenverbänden für Bestürzung. Im Sommer stehen noch zahlreiche große "Gay Pride"-Festival“ rund um den Globus an, die Verunsicherung dürfte angesichts der blutigen Nacht von Orlando steigen.

Die Kölner Polizei geht nach dem Anschlag auf einen Club für Schwule und Lesben in den USA nicht von einer besonderen Gefahr für die Teilnehmer des Christopher-Street-Day (CSD) am 3. Juli in Köln aus. "Wir haben derzeit keine konkreten Hinweise auf eine spezielle Gefährdung“, sagte ein Polizeisprecher der Deutschen Presse-Agentur am Montag.

Dennoch: Es bleibt mehr als nur ein ungutes Gefühl.

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(bp)