Huffpost Germany

Dieser Gentest beweist, dass Fremdenfeindlichkeit sinnlos ist

Veröffentlicht: Aktualisiert:
Drucken

Das Reiseportal Momondo untersucht derzeit die DNA hunderter Menschen weltweit. Keiner von ihnen hätte mit diesen Ergebnissen gerechnet. Unsere Autorin macht den Selbsttest.

In diesen Tagen geht ein Video um die Welt, das Millionen tief ergreift. Eine einfache Aktion zeigt, wie tief manche Vorurteile sitzen. Aber auch, wie ähnlich die Menschen einander in Wahrheit sind. „Das sollte sich die ganze Welt anschauen“, schreiben viele Fans auf Facebook, „dann würden die Grenzen in unseren Köpfen verschwinden.“

Ein einziger Clip soll antirassistische Wirkung haben? Ich wollte sofort herausfinden, worum es geht. Ich fand heraus, dass das Flugvergleichsportal Momondo eine echt außergewöhnliche Aktion gestartet hat. Momondo verlost DNA-Tests, mit denen sich rausfinden lässt, wo überall in der Welt ich Vorfahren habe. In dem dazugehörigen Video sind viele zu Tränen gerührt, wenn sie ihr Ergebnis das erste Mal sehen.

Anfangs ist es noch ein Witz

Ich möchte auch gerne wissen, wo überall in der Welt meine Vorfahren gelebt haben. Bei der Sache mit den Tränen bin ich etwas skeptisch. Denn anfangs ist es noch ein Witz. Eine lustige Anekdote. Ich melde mich freiwillig und darf tatsächlich meine DNA abgeben. Doch dann halte ich das Röhrchen in der Hand und die Sache wird unerwartet ernst.

Plötzlich schießen jede Menge Erinnerungsfetzen durch meinen Kopf. Hat nicht mal jemand erwähnt, dass irgendein Ur-Ur-Opa eine Zigeunerin geheiratet hat? Das sagt man doch heute gar nicht mehr. Aber was bedeutet das für mich? Und hat das etwas mit den tschechischen Wurzeln meines Opas zu tun? Wie weit reichen dort wohl die geografischen Verästelungen?

So nah war mir mein Vater noch nie

Und dann ist da noch etwas. Ich habe meinen leiblichen Vater und dessen Familie nie kennengelernt. Er ist kurz nach meiner Geburt verschwunden – auf nimmer wiedersehen. Bis heute weiß ich nichts von ihm. Wenn bei meinem DNA-Test etwas Besonderes herauskommt, von wessen Seite könnte es dann stammen? Wer weiß, vielleicht hat er ja auch eine interessante Vergangenheit.

Meine DNA-Probe ist abgegeben. Dafür musste ich nur das Plastikröhrchen mit meinem Speichel füllen. Als ich es wieder verpacke, hadere ich sehr mit meinen Gefühlen. Das Vater-Thema hatte ich für mich eigentlich abgehakt. Nach dem Motto: Außer meiner Augenfarbe habe ich wohl nichts von ihm. Weil ich es nicht will. Und doch bleibt da der Rest Zweifel.

Die DNA-Journey zeigt: Alle Menschen sind miteinander verwandt. Jetzt erst erfasse ich so richtig den Sinn dieses Satzes. Denn wenn ich mit allen Menschen auf der Welt etwas gemeinsam habe, dann besonders mit meinem leiblichen Vater. Und zwar zu fünfzig Prozent. So nah war er mir noch nie.

Was ist eigentlich Deutschsein?

Bis die Ergebnisse kommen, muss ich mich noch eine Weile gedulden. Das Institut 23andme wird meinen Speichel untersuchen und anhand des darin enthaltenen Erbguts feststellen, welche Weltregionen in mir stecken. Das alles ist sehr spannend. Ein überwältigendes Gefühl, plötzlich so nah an der Grundlage des Menschseins zu stehen. Jetzt auf einmal verstehe ich die Rührung der Menschen aus dem Momondo-Video.

Und dann gibt es noch die politische Ebene. Das DNA-Journey-Projekt zeigt mir auch: Ich bin Deutsche qua Pass. Nicht qua Abstammung. Bis heute war meine größte Sorge, ob das Foto auf meinem Personalausweis schön genug ist. Doch jetzt offenbart sich mir, dass allein dieses kleine Kärtchen mir viele der Freiheiten ermöglicht, die ich in meinem Leben genießen darf. Mir wird klar: Manche Menschen würden vieles tun, um so einen Pass zu besitzen.

Meine Reisefreiheit ermöglicht es mir, meinen Blick offen zu halten und meine Horizonte zu erweitern. Jetzt, wo ich kurz davor bin, herauszufinden, woher ich überall komme, bin ich noch viel eher bereit, diese schöne Welt an mich heranzulassen.

momondo_dna journey_2

Durchschnittlich stecken fünf Weltregionen in jedem von uns

Die Bevölkerungsgenetikerin Kasia Bryc ist eine Pionierin auf dem Gebiet der DNA-basierten Abstammungsanalyse. Sie sagt, dass durchschnittlich jeder Mensch in min-destens fünf Regionen weltweit verwurzelt ist. Was so trocken nach klassischer Vererbungslehre klingt, rührt die Teilnehmer des Tests zu Tränen. Denn unsere DNA zeigt, wie vielfältig wir in Wirklichkeit sind.

Geschockt von den eigenen Vorurteilen

Manche Probanden sind von ihren eigenen Vorurteilen geschockt. Sie haben von klein auf gelernt, dass sie einer bestimmten Nation angehören. Und sie haben Vorurteile ge-genüber anderen Völkern entwickelt. Die Italiener sind laut und gestikulieren viel. Die Südafrikaner tanzen gerne und die Briten haben einen seltsamen Humor. All das ist kulturell erschaffen. All das aber widerlegt der Test.

Da ist zum Beispiel Jay, der patriotische Brite, der die Deutschen nicht leiden kann. Im Test erfährt er, dass er selbst Genmaterial aus Deutschland in sich trägt. Auch Waj wird ganz anders. Der Muslim erfährt im Test, dass er jüdische Wurzeln hat. Die überzeugte Französin Aurélie erfährt, dass sie keinerlei französische Abstammung hat. Und der größte Coup der Forscher: Sie finden ein direkt verwandtes Pärchen unter den Probanden.

Die Botschaft ist Momondo wirklich gelungen!

Je öfter das Video angeklickt wird, desto rasanter steigt auch die Nachfrage nach den DNA-Kits. Viele Menschen wollen wissen, welche Regionen aus der ganzen Welt in ihnen stecken und diese bereisen. Die Botschaft ist Momondo wirklich gelungen: Die Welt öffnet sich erst denen, die sie mit offenem Herzen bereisen.

Willst du auch mehr über deine Herkunft erfahren? Dann erkunde hier deine eigenen Wurzeln und gewinne dabei die Reise deines Lebens in alle Länder, die dein DNA-Test ergeben hat!