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Rückkehr der hässlichen Deutschen: Wie rechte Randalierer ein ganzes Land in Verruf bringen

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FRANCE
Der überwiegende Teil der deutschen Fans feierte in Lille friedlich - wie beim Fanmarsch zum Stadion. | dpa/HuffPost
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Und da waren sie wieder. Die hässlichen Deutschen.

Noch bevor in der nordfranzösischen Stadt Lille die DFB-Auswahl in die Europameisterschaft startete, zeigte sich, wie groß das Problem mit Nazis und menschenverachtender Gewalt im deutschen Fußball immer noch ist.

Da posierte eine Truppe sächsischer Fußball-Faschos für ein sagenhaft widerliches Erinnerungsfoto vor dem Hauptbahnhof von Lille. Viele der fußballaffinen Zivilisationsallergiker trugen T-Shirts von Clubs aus Leipzig und Dresden. In der Hand hielten sie eine Reichskriegsflagge.

Dabei machten sie sich wohl eine Gesetzeslücke zunutze. In Deutschland ist das Zeigen der Reichskriegsflagge verboten, in Frankreich nicht.

Ein bekanntes Tatschema: Auf einem Europapokalspiel von Eintracht Frankfurt in der zypriotischen Hauptstadt Nikosia im Jahr 2013 beispielsweise marschierten Hooligans aus dem Umfeld der vermeintlichen Fan-Gruppierung „Brigade Nassau“ in die entmilitarisierte Zone zwischen dem Nord- und dem Südteil der Stadt und erhoben dort für ein Foto die rechten Arme zum Gruß. Niemand konnte sie dafür belangen.

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Genauso scheinen nun rechte Gewaltfanatiker die Europameisterschaft zu nutzen, um ihre faschistoiden Neigungen zu leben.

Und sie gehen noch weiter.

Videos zeigen Angriffe deutscher Hooligans und Kämpfe in Marseille

Randale in der Innenstadt von Lille

Später kam es in der Innenstadt von Lille zu Ausschreitungen. Rauchbomben und Stühle flogen, einige der deutschen Fußball-Terroristen zeigten den Hitlergruß. Ein Reporter des Internetportals „Sport 1“ wurde niedergeschlagen.

Und das ausgerechnet im Vorfeld jenes Spiels, zu dem der französische Polizist Daniel Nivel als Ehrengast vom DFB eingeladen wurde. Der 61-Jährige leidet bis heute an den Folgen schwerster Misshandlungen, die er am 21. Juni 1998 in Lens erlitten hatte.

Besoffene Gewaltkriminelle aus Deutschland, die vorgeblich wegen des Fußballs zur EM nach Frankreich gereist waren, hatten ihn mit einem Gewehraufsatz den Schädel zertrümmert. Nivel ist heute auf einem Auge blind und hat Schwierigkeiten beim Sprechen.

Was nun in Lille geschah, ist abermals eine Schande für den deutschen Fußball. Eine Schande von der Sorte, über die man in der fluffigen ARD-Berichterstattung kaum etwas zu hören bekam. Dafür wurde dann anschließend ein über weite Strecken eher mittelmäßiges Spiel der deutschen Mannschaft zum Knüller-Event hochgeredet.

Aber die Gewaltbereitschaft unter so genannten Fußballfans ist kein exklusiv deutsches Problem. Die EM zeigt, dass die Fußballszene insgesamt ein Hooligan-Problem hat.

Russische und englische Gewaltkriminelle verwandelten am Samstag die Innenstadt von Marseille in ein Schlachtfeld. Ein Brite wurde dabei lebensgefährlich verletzt. Auch im Stadion kam es zu Ausschreitungen. Russische „Fans“ stürmten einen Block, in dem sich auch Engländer aufhielten. Nur mit massivem Polizeiansatz waren diese Irren zu stoppen.

Wie soll in Russland eigentlich eine WM stattfinden?

Nun ermittelt die UEFA gegen den russischen Fußballverband. Und man mag sich gar nicht vorstellen, wie absurd die Weltmeisterschaft 2018 in Russland eigentlich noch werden kann.

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Nicht nur, dass sich Russlands autokratischer Herrscher Wladimir Putin ein weiteres Mal im Glanz eines internationalen Sportevents sonnen darf.

Wer mag vor diesem Hintergrund eigentlich noch für die Sicherheit der vielen Tausend internationalen Touristen garantieren, die zu dem Spielen anreisen? Wird man sich in Moskau oder in Sankt Petersburg überhaupt in den Nationalfarben von gegnerischen Teams der russischen Auswahl vor die Tür trauen können?

Man kann sich nur wünschen, dass die UEFA hart gegen die betroffenen Verbände durchgreift. Und da hilft es auch nichts zu betonen, dass 20.000 echte deutsche Fans in Lens friedlich gefeiert haben. Auf diese Weise verniedlicht man nämlich das Problem.

England und Russland wurden von der UEFA bereits verwarnt. Im Wiederholungsfall droht den Verbänden der Turnierausschluss. Das ist richtig so. Und mit eben dieser Härte sollte auch das deutsche Gewaltproblem betrachtet werden.

Wenn die EM dann für Jogis Truppe vorbei wäre? Allemal besser, als dass faschistoide Vollidioten aus Deutschland weiter prügelnd durch Frankreich ziehen. So viel Rücksichtnahme sind wir unseren Nachbarn schuldig.

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