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8 Top-Ökonomen schlagen Alarm: Das würde ein Brexit wirklich für Europa bedeuten

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LONDON FINANCIAL DISTRICT
London Finanzdistrikt | Bloomberg via Getty Images
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  • In Großbritannien gibt es erstmals eine Mehrheit für einen Brexit
  • Doch Ökonomen warnen vor gravierenden Folgen

Der Tag des Referendums über den Verbleib Großbritanniens in der Europäischen Union rückt näher. Sollten die Briten am 23. Juni für einen Austritt ihres Landes (Brexit) stimmen, hätte das aus Sicht von Ökonomen massive Folgen - nicht nur für Großbritannien - sondern wohl auch für die Weltwirtschaft.

Börsen auf Talfahrt

Und laut den jüngsten Umfragen liegen die Befürworter eines Brexit inzwischen auch vor den Gegnern.

Schon jetzt setzt die Brexit-Angst die Börsen unter Druck. Der Dax verlor am Vormittag 1,13 Prozent auf 9723,52 Punkte und weitete damit seine jüngsten Verluste deutlich aus. Am Freitag hatte der deutsche Leitindex mehr als zweieinhalb Prozent eingebüßt und war erstmals seit zweieinhalb Wochen wieder unter die Marke von 10 000 Punkten gefallen.

Über das Wochenende hatten Ökonomen, Zentralbanker und Firmenchefs eindringlich vor gravierenden Konsequenzen für ganz Europa bei einem EU-Austritt des Vereinigten Königreichs gewarnt.

Hier sagen 8 Top-Ökonomen, was Europa im Fall eines Brexit wirklich droht:

Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer:

"Ein Brexit wäre der Sargnagel für eine tiefere politische Integration, die für den langfristigen Bestand der Währungsunion notwendig ist. Nach einem Brexit wären die Regierungen erst recht nicht mehr bereit, die Ursachen der Staatsschuldenkrise durch mehr Integration zu lösen."

DZ-Bank-Chefvolkswirt Stefan Bielmeier:

"Bei einem Brexit würde es keinen Gewinner geben. Wir in Europa würden alle verlieren. Der politische Integrationsprozess würde um Jahre zurückgedreht werden."

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Ludovic Subran, Chefvolkswirt der Euler Hermes Gruppe:

"Großbritannien bräuchte mindestens zehn Jahre, um die durch einen möglichen Brexit entstehende Lücke bei den Exporten zu schließen - selbst wenn ein Teil durch den Handel mit den Commonwealth-Staaten kompensiert werden könnte."

falling stocks

BayernLB-Ökonom Stefan Kipar:

"Sollte es zu einem Brexit kommen, wäre ein Unsicherheitsschock auf die gesamte EU zu erwarten, welcher die Investitionsneigung auch der Unternehmen belasten würde, welche keine direkten Handelsverbindungen mit UK haben. Zudem dürften auch das Vertrauen der internationalen Investoren in die EU insgesamt und damit deren Investitionspläne leiden."

Helaba-Volkswirt Christian Apelt:

"Sollten sich die Briten für den EU-Austritt entscheiden, könnten die politischen, aber auch die wirtschaftlichen Folgen gravierend ausfallen - in Abhängigkeit vom neuen Verhältnis Großbritanniens zur EU."

"Der Geist ist aus der Flasche"

ING-Diba-Chefvolkswirt Carsten Brzeski:

"Selbst wenn das Referendum eine Mehrheit für den Verbleib Großbritanniens in der EU bringt, der Geist ist aus der Flasche. Andere Mitgliedstaaten könnten folgen und Ausnahmen und eigene Abkommen verlangen."

Steen Jakobsen, Chefvolkswirt der Saxo Bank:

"Hinter dem Brexit-Referendum steckt eine ordentliche Portion Ironie, da nach meiner Auffassung Großbritannien nie der EU beigetreten ist."

Katrin Löhken und Ulrike Kastens, volkswirtschaftliche Abteilung Sal. Oppenheim:

"Das Risiko eines Austritts ist zweifelsohne vorhanden. Sollte es dazu kommen, wären die wirtschaftlichen Kosten für Großbritannien immens. Die EU wäre vor allem politisch angeschlagen."

"Erhebliche negative Marktreaktionen"

KfW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner:

"Falls die Brexit-Befürworter beim Referendum die Oberhand behalten sollten, müssen sich die Finanzmarktteilnehmer warm anziehen, denn kurzfristig könnte es dann zu erheblichen negativen Marktreaktionen kommen, die aufgrund der globalen Vernetzung der Finanzmärkte nicht auf Großbritannien beschränkt bleiben dürften."

Ifo-Chef Clemens Fuest:

"Untersuchungen des Ifo-Instituts zeigen, dass Deutschland langfristig einen Verlust in Höhe von bis zu drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts erleiden könnte."

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(lp)