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"Welt steht vor einem dritten Nuklearzeitalter": Experten warnen vor einer Katastrophe

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PUTIN
Wladimir Putin während einer Militärübung in der Barentssee | Getty
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  • Die weltweite nukleare Abrüstung kommt langsamer voran als erhofft
  • Ein Experte warnt gar vor einem "dritten Nuklearzeitalter"
  • Vor allem Russland und Nordkorea könnten mit "irrationalen Handlungen" die Welt in die Katastrophe stürzen

Im Kalten Krieg entkam die Welt nur knapp einer nuklearen Katastrophe. Und auch mehr als ein Vierteljahrhundert nach dem Fall des Eisernen Vorhangs ist die Bedrohung durch Atomwaffen keineswegs gesunken.

Denn die großen Atomwaffen-Nationen rüsten nur langsam ab und investieren gleichzeitig Millionen in die Modernisierung ihrer Bestände.

Das gilt vor allem für Russland und die USA, die gemeinsam über 90 Prozent aller Atomwaffen besitzen, wie aus einem Bericht des Stockholmer Friedensforschungsinstituts Sipri hervorgeht.

USA modernisieren Atomwaffen-Arsenal

"Der ehrgeizige Modernisierungsplan der USA, den die Obama-Regierung präsentiert hat, steht in starkem Kontrast zu Präsident Barack Obamas Versprechen, die Zahl der Atomwaffen und die Rolle, die sie in der nationalen Sicherheitsstrategie der USA spielen, zu reduzieren", sagte Sipri-Experte Hans Kristensen.

Noch deutlichere Worte findet Karl-Heinz Kamp, Präsident der Bundesakademie für Sicherheitspolitik in Berlin. Er schreibt in einem Gastbeitrag für die "Frankfurter Allgemeine Zeitung": "Künftige Historiker dürften 2014 als den Beginn des dritten Nuklearzeitalters datieren und die Epochenwende an der völkerrechtswidrigen Annexion der Krim durch Russland festmachen."

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Seitdem, analysiert Kamp, nutzt Russland seine Atomwaffen wieder als Drohmittel. Kamp schreibt: "Mit den Überflügen seiner Nuklearbomber und simulierten Kernwaffeneinsätzen gegen Schweden und Polen markiert es seine vermeintlichen Einflusssphären und sendet eindeutige Drohsignale an die Nato."

"Aussichten auf Abrüstung sind düster"

Aber nicht nur Russland setzt neuerdings wieder auf Kernwaffen als Abschreckung. Demnach wollten die USA zwischen 2015 und 2024 umgerechnet knapp 306 Milliarden Euro in ihre Atom-Arsenale stecken. Das 2011 in Kraft getretene Abkommen "New START" sieht vor, dass Russland und die USA die Zahl ihrer strategischen Atomwaffen auf 1550 verringern.

"Trotz der anhaltenden Verringerung der Waffenanzahl bleiben die Aussichten auf echte Fortschritte in Richtung atomare Abrüstung düster", sagte Sipri-Experte Shannon Kile.

Während China seine Bestände vor allem modernisiert, rüsten Indien und Pakistan dem Bericht zufolge auf. Nordkorea soll nach Sipri-Schätzungen etwa zehn atomare Sprengköpfe gebaut haben, Israel über 80 verfügen.

Neun Staaten - die USA, Russland, Großbritannien, Frankreich, China, Indien, Pakistan, Israel und Nordkorea - hatten dem Bericht zufolge Anfang des Jahres rund 4100 Atomwaffen einsatzbereit und verfügten über knapp 15.400 atomare Sprengköpfe. 2015 waren es noch 15.850.

Absteigende Mächte stellen Gefahr dar

Die Bestände an Kernwaffen sind also nach wie vor bedrohlich. Und auch die Situation ist sehr viel verfahrener als noch im Kalten Krieg. Damals waren die Interessen der Großmächte klar - heute ist das nicht mehr so einfach.

Laut Karl-Heinz Kamp nutzt Russland seine Atomwaffen mittlerweile aus Ausgleich für seine generelle militärische Schwäche. Denn bei den regulären Streitkräften sei das Land den Nato-Staaten inzwischen heillos überlegen, schreibt Kamp.

Staaten wie Nordkorea dagegen seien völlig unberechenbar. Kamp schreibt: "Dem nuklearen Club ist damit ein weitgehend unberechenbarer und von einer paranoiden Angst vor dem eigenen Machtverlust geplagter Akteur beigetreten." Schon bald könnte der Diktator Kim Jong Un über mehr Kernwaffen verfügen als Großbritannien oder Frankreich.

Und Kamp sieht für die Zukunft vor allem in Hinblick auf die Abrüstung und Abschreckung von Nordkorea und Russland schwarz:

"Absteigende Mächte nuklear abzuschrecken ist grundsätzlich schwieriger, weil die Gefahr von Kurzschlussreaktionen oder irrationalem Handeln auf der unterlegenen Seite hoch ist. Das gilt in ähnlicher Form auch für Nordkorea, bei dem der Faktor der Irrationalität noch dramatisch stärker zu gewichten ist."

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