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Der Orlando-Attentäter stellt die Polizei vor ein Rätsel

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  • Im US-Bundesstaat Florida hat ein Mann 50 Menschen erschossen
  • Es ist der schwerste Amoklauf in der Geschichte der USA
  • Die neusten Erkenntnisse zum Attentäter seht ihr im Video

Die Tragödie im Nachtclub Pulse in der US-Stadt Orlando begann wie eine ganz normale Partynacht: 300 Besucher kamen am Samstagabend zum "Upscale Latin Saturday" mit drei DJs und einer Drag-Show. Dann aber beginnt das Unfassbare. Gegen 2 Uhr morgens betritt ein Mann den Club und beginnt, mit einem Sturmgewehr vom Typ AR-15 und einer Pistole auf die Besucher zu schießen.

Ein Wachmann erwiderte mit einer Pistole die Schüsse, der Täter flieht nach draußen. Dort trifft er auf die Polizei. Er rennt zurück ins Gebäude und nimmt 30 Menschen als Geiseln. Um 5 Uhr morgens stürmt schließlich ein SWAT-Team den Club und erschießt den Attentäter.

Das Ausmaß des Blutbades wird erst am Morgen ersichtlich: 50 Tote, 53 Verletzte. Ein so folgenschweres Verbrechen eines einzelnen Täters hat es in den USA noch nie gegeben.

Die Polizei ist sich nicht im Klaren, wie sie die Tat einordnen soll. War es das Attentat eines islamistischen Fanatikers oder ein Hassverbrechen gegen Schwule?

US-Präsident Obama nennt den Angriff in einer Rede “sowohl ein Akt des Terrors als auch des Hasses”. Er sagt: "Klar ist, dass dieser Mann von Hass erfüllt war."

Wer ist der rätselhafte Täter? Hier sind sechs Dinge, die über Omar Mateen bekannt sind.

1. Wer ist der Täter?

Der mutmaßliche Täter ist ein 29-jähriger US-Bürger mit afghanischen Eltern. Er lebte alleine in einem Zwei-Zimmer-Apartment in Port St. Lucie in Florida. Der Mann ist zwei Mal geschieden und hat aus seiner letzten Ehe einen Sohn. Er arbeitete als Wachmann und soll davon geträumt haben, Polizist zu werden. Auf Fotos auf seinem Myspace-Konto ist er in T-Shirts der New Yorker Polizei zu sehen.

2. Warum wählte er den Club als Ziel?

Eine Mischung aus Hass auf Homosexuelle und islamistischem Fanatismus scheint das Motiv für die Tat gewesen zu sein. Der Täter scheint bewusst einen von Schwulen besuchten Club ausgewählt zu haben. Vor der Tat buchte er einen Mietwagen und fuhr damit von seinem Wohnort Port St. Lucie in Florida 170 Kilometer bis zum Ort des Attentats.

Der Vater des mutmaßlichen Täters sagte in einem Telefoninterview mit dem Sender MSNBC, dass sein Sohn starke Antipathien gegen Schwule gehegt habe.

Einmal sei er mit ihm in Miami gewesen. "Er sah zwei Männer sich küssen und wurde sehr wütend", sagte sein Vater. Die Männer hätten sich geküsst und er habe gesagt: "Schau dir das an und sie tun das vor meinem Sohn."

Seine 2011 von ihm geschiedene Ex-Frau sagte, ihr Mann sei gewalttätig und unberechenbar gewesen. In einem Fernsehinterview sagte sie, er sei "bipolar" gewesen. Sie bezeichnete ihn als nicht sehr religiös.

3. Wurde er vom Islamischen Staat beauftragt?

Nach Angaben der Bundespolizei FBI wählte der Täter kurz vor dem Anschlag die Notrufnummer 911 und bekannte sich kurz vor der Bluttat zum IS. Dabei erwähnte er auch den Anschlag auf den Boston Marathon im Jahr 2013.

Die Terrormiliz IS bekannte sich nach einem Bericht ihrer Nachrichtenagentur Amaq zu dem Angriff. Er sei von einem "IS-Kämpfer" ausgeführt worden. Auf Twitter applaudierten IS- Sympathisanten dem Täter.

Bisher haben US-Ermittler allerdings keine Beweise für eine direkte Kommunikation zwischen dem Schützen und Mitgliedern der Terrormiliz Islamischer Staat im Ausland.

Adam Schiff, ranghöchster Demokrat im Geheimdienstausschuss des Repräsentantenhauses, sagte, es sei möglich, dass der Angreifer sich selbst radikalisiert habe, wenn auch nicht "unter Kommando und Kontrolle des IS."

Gleichwohl könne sich diese Einschätzung noch ändern, sagte Schiff weiter. Es sei zu früh, um sagen zu können, ob die Attacke hätte verhindert werden können. Vor seinen Äußerungen hatte sich Schiff mehrmals vom FBI über den Stand der Ermittlungen informieren lassen.

4. War er der Polizei schon zuvor aufgefallen?

Der Mann war der US-Bundespolizei zuvor schon wegen möglicher Kontakte zu islamistischen Kämpfern aufgefallen. So ermittelte das FBI bereits 2013 gegen ihn.

Damals ging es um hetzerische Aussagen, die der Verdächtige gegenüber Arbeitskollegen gemacht haben soll. Im Jahr darauf prüfte das FBI mögliche Kontakte zwischen dem Täter und Moner Mohammad Abusalha, dem ersten Amerikaner, der in Syrien einen Selbstmordanschlag verübte. Beide Ermittlungen gegen M. wurden eingestellt.

5. Wie kam er an die Waffen?

Der Attentäter arbeitet für eine Sicherheitsfirma in Florida. Sein Arbeitgeber sagte: Das Tragen einer Waffe gehörte bei seinem Angestellten zum Alltag. Er hatte daher auch eine Genehmigung, eine versteckte Pistole bei sich zu tragen.

Die beiden Tatwaffen hat er erst wenige Tage vor der Tat völlig legal erworben. Das ist deswegen bemerkenswert, weil er in den vergangenen Jahren bereits zweimal in Berührung mit dem FBI kam. Der Erwerb eines Sturmgewehrs, wie es der Täter benutzte, war früher verboten, ist es aber nicht mehr.

6. Wie konnte er so viele Menschen töten?

Die hohe Zahl an Todesopfern überrascht bei diesem Angriff eines einzelnen Täters. Es könnte sein, dass die Umgebung des Clubs dazu beigetragen hat. Dort war es dunkel und sehr laut. Mehrere Überlebende berichteten, dass sie die Schüsse für Teil der Musik gehalten hatten.

Man muss sich das "Pulse" anders als den Konzertsaal "Bataclan", einen der Pariser Anschlagsorte, nicht als Halle mit einer Bühne vorstellen, sondern als recht verzweigtes Gebäude mit vielen Räumen. Das könnte ein Grund sein, dass viele Opfer die Gefahr nicht rechtzeitig erkannten und sich in Sicherheit bringen konnten.

Mit Material der dpa und der AP

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(ben)