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Frankreich in Terrorangst? So fühlt das EM-Gastgeberland wirklich

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PARIS SECURITY
Frankreich-Fans werden vor dem Stade de France in Paris durchsucht | ASSOCIATED PRESS
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Welch eine seltsame Stimmung, welch eine bewegte Zeit. Die Fußball-Europameisterschaft 2016 hat begonnen. Während in anderen Ländern schon seit Wochen Vorfreude herrschte, ist die Euphorie bei uns erst jetzt angekommen.

Seit Monaten müssen wir uns mit anderen, mit wichtigeren Themen beschäftigen, die unser ganzes Land betreffen: Streiks und Demonstrationen, die in Gewalt gegen die Polizei ausarten. Und dann auch noch das schlechte Wetter. Tausende Menschen flohen vor dem Hochwasser der Seine. Da blieb nicht mehr viel Platz in den Köpfen für Fußball.

November-Anschläge haben Pariser zusammengeschweißt

Doch am Freitag ist es endlich losgegangen. Das späte 2:1 gegen Rumänien war genau das, was wir brauchten, um mehr Bürger in Fans unserer Équipe Tricolore zu verwandeln. Das Traumtor von Dimitri Payet hat uns alle jubeln lassen.

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Endlich rücken auch die Diskussionen um mögliche Terrorattacken in den Hintergrund. Freunde aus dem Ausland haben mich seit den Anschlägen in Paris oft gefragt, wie sich das Leben in der Hauptstadt nun anfühlt. Ob unsere “Grande Nation” seit vergangenem November enger zusammengerückt ist?

Wahrscheinlich ein wenig mehr als zuvor. Wobei mir dieses erwachte Gemeinschaftsgefühl in Paris auch ausgeprägter erscheint als im Rest des Landes.

“Fußballstadien sind wie Burgen”

Wer nun nach Frankreich zur Euro 2016 anreist und einen normalen Stadionbesuch gewohnt ist, wird sich arg wundern, denn damit hat es fast nichts mehr zu tun. Man muss durch mehrere strenge Sicherheitskontrollen, bevor man auf seinen Platz darf. Rund um die Stadien wurden drei Sicherheitsbarrieren gezogen. So etwas kannte man bislang nirgends.

Ich hoffe, dass es stimmt, wenn ich sage: Unsere Stadien sind wie Burgen, in die der Terror nicht vordringen kann.

“Es könnte jederzeit etwas Schlimmes passieren”

Dieses Maximum an Sicherheitsvorkehrungen beruhigt. Denn nach der schrecklichen Nacht des 13. November war die Terrorangst in Frankreich riesig. Dieses Gefühl hat sich zum Glück mit jedem Tag, an dem nichts Schlimmes geschah, entschärft.

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Jetzt kommt wieder mehr Nervosität auf. Wir fühlen die Bedrohung. Wir sind uns dessen bewusst, dass mit dem Start der EM jederzeit etwas passieren könnte. Vor allem in Paris. Doch nun zieht der Fußball in die Köpfe der Franzosen ein – und die dunklen Gedanken müssen weichen.

Nun geht es für Frankreich vor allem um eines: sportlichen Erfolg

Ich denke, jetzt, da der Ball rollt, geht es für uns vor allem um eines: wie die französische Nationalmannschaft abschneidet. Man darf nicht vergessen, dass wir uns einiges von der EM versprechen. Wir fühlen uns (zu recht) als Mitfavoriten, wir lieben unser Team mit den vielen jungen und hochtalentieren Spielern wie Antoine Griezmann, Paul Pogba, Anthony Martial und Kingsley Coman.

Auch für unseren von vielen Bürgern verhassten Präsidenten François Hollande ist es eine spannende Zeit. Sollte Frankreich die EM gewinnen, sollte es keine Terroranschläge, sondern eine friedliches Fußballfest bei gutem Wetter geben – dann könnte sich das alles nicht nur positiv auf unsere Nation, sondern auch auf seine persönliche Situation auswirken.

Wir freuen uns, 23 europäische Teams und ihre Fans zu Gast zu haben. Unsere Freude wird noch größer sein, wenn die Trophäe auch nach dem Finale am 10. Juli im Land bleibt. Den ersten Schritt hat unsere Mannschaft am Freitagabend gemacht.

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(LK)